Ärger mit (unmusikalischen) Nachbarn!

Nitsuga70
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Ärger mit (unmusikalischen) Nachbarn!

Beitrag von Nitsuga70 » Do 09.Mär 2006, 21:37

Hallo, an alle!

Ich wohne seit etwa 12 Jahren in einem Mehrfamilienhaus. Von Anfang an habe ich Probleme mit meinem Nachbarn über mir (habe nun schon 2 Abmahnungen), der sich immer wieder wegen der (angeblich lauten Gitarrenmusik) beschwert. Und das, obwohl ich nur (wenn überhaupt) allerhöchstens 1 Stunde am Tag, und das auch noch ziemlich leise, klassische Gitarre spiele. Sobald ich mal nach 20 Uhr auch nur eine Saite anschlage oder mal etwas länger spiele, fängt der Nachbar an wie wild gegen die Heizung zu schlagen oder was ans Fenster zu werfen :evil: :nerveux: (normal ist das doch nicht, oder?!)

Gibt es hier jemanden, der mal ähnliche Probleme hatte oder noch hat?
Vielleicht kennt sich ja auch jemand in Sachen Mietrecht aus oder hat Tipps diesbezüglich? :idea:

Wünsche Euch noch einen schönen Abend.

Gruß

Frank B.

P.S.: Heute hat er sich ja mal richtig friedlich benommen, naja, habe ja auch nur eine Viertelstunde gespielt.

:)

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Do 09.Mär 2006, 21:58

Hallo Frank,

mit solchen Nachbarn ist man gesegnet. Aber das mußt Du dir meines Erachtens nicht bieten lassen. :war:
Zum musizieren in Mietwohnungen gibt es jede Menge Gerichtsentscheidungen. Die meisten sind aber so alt, dass man nicht den vollen Text übers Internet bekommt. Da könnte dir aber der Mieterbund oder ein Rechtsanwalt helfen.
Hier mal ein paar Entscheidungen, die ich im Internet auffinden konnte:

Unter Einhaltung der Ruhezeiten gehört Klavierspiel bis zu 2 Stunden pro Tag zum vertragsgemäßen Gebrauch.
(AG Düsseldorf, DWW 1988, 357)

Es gehört bei Einhaltung der Ruhezeiten zum vertragsgemäßen Gebrauch der gemieteten Wohnung, etwa 1 1/2 bis 2 Stunden täglich zu musizieren.
(OLG Frankfurt/M.,WuM 1984, 303)

Nur in Ausnahmefällen (z.B. besonders geräuschintensive Instrumente, Hausmusik in Gruppen) ist eine weitere Reduzierung auf ca. 1 Stunde tägliches Musizieren zulässig.
(OLG Frankfurt/M., WuM 1984, 303)

Ein völliges Verbot, in der Mietwohnung zu musizieren, ist unwirksam. Allenfalls zu Beginn eines Mietverhältnisses ist eine entsprechende vertragliche Einzelabrede möglich.
(OLG München, WuM 1988, 299)

Der Mieter hat auch bei ausdrücklicher Gestattung der Musikausübung im Mietvertrag die üblichen Ruhezeiten einzuhalten.
(LG Frankfurt/M.,WuM 1990, 287)

Kann das Spielen eines Musikinstruments nicht auf Zimmerlautstärke reduziert werden (z.B. Akkordeon), muss es zeitlich auf etwa eineinhalb Stunden täglich unter Beachtung der üblichen Ruhezeiten begrenzt werden.
(LG Kleve, DWW 1992, 26)

Auch Übungszeiten eines Schlagzeugspielers müssen in zumutbarem Rahmen von anderen Bewohnern oder Nachbarn ertragen werden, sie sind aber streng zu begrenzen (45 min täglich im Sommerhalbjahr; 90 min pro Tag im Winterhalbjahr).
(LG Nürnberg-Fürth,WuM 1992, 253)


Gruß
Zorolowski

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Do 09.Mär 2006, 22:04

Hallo Frank,

vermutlich ist neben mangelnder Toleranz die Ursache des Ärgers baukonstruktiv bedingt (ja, hier spricht der Architekt ...) Die Bauausführungen der wohnungstrennenden Elemente (Wände, Decken) sowie der sog. Schallbrücken (Leitungen, Schächte) lassen dir vielleicht dein Spiel zimmerlaut erklingen, dem Nachbarn aber auch. Um den Streit zu schlichten, hilft wohl nur Einsicht eines Einzelnen (Du oder Er) oder eine Eskalation.
Vielleicht helfen dir ja die Tips von Zorolowski weiter.

Viel Glück wünscht Gustaw

Brink
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Beitrag von Brink » Do 09.Mär 2006, 22:11

Hallo Frank!

Kenne das Problem gut. Ich bin vor 2 Jahren umgezogen und habe seitdem Probleme mit den Nachbarn über mir. Sobald ich zwischen 12-15 oder nach 20 Uhr spiele beschweren sie sich. Bei mir werfen sie zwar nichts gegens Fenster, aber es gab z.B. in der ersten Zeit ein ominöses kleines Kind, das angeblich genau im Zimmer über mit wohnte und deshalb Ruhe brauche. Hab mich gewundert, das ich das nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn gehört habe. Es hat sich dann ein halbes Jahr später als 17jähriges Mädchen herausgestellt, dass überhaupt nichts gegen das Spielen hatte. Nur ihre Eltern sind offensichtlich extrem lärmempfindlich :wink:
Sie beschweren sich durchschnittlich 1 mal die Woche und ich hab es aufgegben mich zu rechtfertigen. Eigentlich beachte ich es gar nicht mehr und, solange ich mich an die Zeiten halte haben sie sowieso keinen Grund sich beim Hausmeister oder sonstwo zu beschweren.
Rechtlich sieht die Sache leider nicht so gut aus. Ich habe jetzt keinen Link zur genauen rechtlichen Lage da, aber ich hab mich informiert.
Du kannst in den Zeiten vor und nach Mittagspause in Zimmerlautstärke (!) spielen. Da du nebenher das Recht auf die Ausübung eines Instruments hast darf es da keine Probleme geben, solange du nicht zu viel spielst. Die Zeit ist dabei nicht rechtlich festgelegt, aber es kann durchaus so sein, dass du bei 4 Stunden Spiel pro Tag dazu aufgefordert werden kannst deine Spielzeit zu reduzieren. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn du nicht beruflich mit dem Instrument zu tun hast. Deine 1 Stunde pro Tag ist aber natürlich absolut in Ordnung.
Problematischer ist die Ausübung in der Mittagspause (normalerweise 1-3) und nach 20 bzw. 22 Uhr (Das kann von Haus zu Haus variieren. Oft ist es nicht mal genau festgelegt). Sobald sich in dieser Zeit Leute beschweren bist du eigentlich dazu verpflichtet das Spielen einzustellen.
Ich persönlich muss sagen, dass die klassische Gitarre eigentlich für einen Normalgeräuschempfindlichen nie wirklich störend ist. Immerhin sind ja Wände dazwischen und sooo laut ist das Instrument (z.B. im Vergleich zum Klavier) nicht. Aber leider ändert das ja nichts an der rechtlichen Situation.

Grüsse, Jan
Antonio Raya Ferrer No.26, Bj. 2000, Granada

Nitsuga70
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Beitrag von Nitsuga70 » Do 09.Mär 2006, 23:37

Hallo Zorolowski, Gustaw und Jan!

Danke für Eure Antworten! Besonders Zorolowski hat sich richtig Mühe gegeben, mir einige Ausschnitte aus verschiedenen Gesetzbüchern herauszukopieren.

Wenn ich es recht verstanden habe, stehen mir mind. 1,5 Stunden Übungszeit am Tag zu. Werde mich darauf berufen, falls ich noch einmal Post vom Vermieter wegen Lärmbelästigung bekomme.

Auf jeden Fall steht fest, dass ich mir das Gitarrespielen nicht komplett verbieten lasse. Trotzdem bin ich natürlich etwas gehemmt da ich genau weiß, dass ich jemanden damit belästige (lautere Flamencostücke mit Rasgueado-Anschlag o.ä. traue ich mich nicht zu spielen).

Inzwischen ist es soweit gekommen, dass ich ab einer bestimmten Zeit nicht mal mehr in Zimmerlautstärke fern sehen oder Musik hören darf.
Wenn ich ihn im Treppenhaus begegne, huscht er nur mürrisch an mir vorbei oder knallt mir gar die Haustür vor der Nase zu (erinnert mich ein wenig an die Serie "Höllische Nachbarn"). Hoffe nur, das eskaliert nicht noch weiter...

In anderen Wohnungen habe ich bisher nie dieses Problem gehabt. Dort konnte ich teilweise sogar bis spät in die Nacht spielen, ohne dass sich jemand daran gestört hat.
Mal sehen, vielleicht finde ich irgendwann mal eine andere Wohnung. Im Moment sieht's aber noch nicht danach aus.

Viele Grüße

Frank B. :)

jahro
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Beitrag von jahro » Fr 10.Mär 2006, 2:02

Hallo Frank,

wenn der böse Nachbar nicht will.
Da bin ich ja froh, dass ich auf dem Land wohne.
Ich könnte 10 Stunden am Tag spielen, ohne das sich einer beschwert.

Das hört sich nicht gut an.
Ich würde die Leute konkret darauf ansprechen.
NAch Lösungsmöglichkeiten suche.
Du willst Sie ja nicht nerven. Aber Du musst ja auch üben.

Das müssen Sie einsehen.
Also ich würde die Leute ansprechen.
Das zeigt Charakter.
Wenn die dann blöd kommen. OK.
Aber dann hast Du es wenigstens versucht.

So würde ich damit umgehen.

Viele Grüsse
jahro

p.s. Die obligatorischen Links

Mietrecht: Musizieren in Mietshäusern

Recht : Musizieren
Noch einer zum Thema
und noch einer

und den Link kann ich Dir auch nicht vorenthalten.

Denise
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Beitrag von Denise » Fr 10.Mär 2006, 15:31

Hallo Frank,

das Problem hatte ich auch beim Einzug letzes Frühjahr in unsere jetzige, gekaufte, Wohnung. Wir haben das Problem gelöst in dem wir Teppiche gelegt haben und hin und wieder den älteren Mietern die allgemeinen Pflichten, wie Schneeschippen und Flur putzen, abnehmen. Mittlerweile kann ich ohne Beschwerden auch mal nach 22 Uhr noch üben. Hinzu kommt allerdings noch dass mein Mann Saxophon spielt ...

Grüße Denise

Nitsuga70
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Beitrag von Nitsuga70 » Fr 10.Mär 2006, 22:00

Hallo, Jahro und Denise!

Vielen Dank für Euer Mitgefühl :) . Besonders aber für die nützlichen Links. Werde sie gleich meiner Favoritenliste beifügen und meinem Nachbarn od. Vermieter im Ernstfall darauf hinweisen :contrat:

Würde ich Saxophon spielen, hätte ich jeden Tag entweder die Polizei vor der Tür od. eine erneute Abmahnung. Hatte kurz nachdem ich hier eingezogen bin mal einen ehemaligen Freund zu Besuch, der zu meiner Gitarre Querflöte spielte. Nach einer Viertelstunde stand der Nachbar wutentbrannt vor meiner Tür, packte mich, schon halbwegs in meiner Wohnung, am Kragen und drohte
mit der Polizei (ich glaube, wenn jemand eine Anzeige bekommen hätte, wäre er es wegen Hausfriedensbruch).

Naja, muss ich z. Zt. halt mit leben.

Viele Grüße und ein schönes (hoffentlich schneefreieres) Wochenende :)

sebastian
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Beitrag von sebastian » Mi 15.Mär 2006, 13:10

Hallo Nitsuga70,

du hast mein vollstes Mitgefühl! Ich spiele zwei Stunden Blockflöte am Tag, und die Nachbarin unter mir beklagt sich ziemlich oft über mein Spiel. Zunächst wollte sie von mir fordern, dass ich überhaupt nicht mehr spiele, doch als ich ihr sagte, dass ich ein Recht auf zwei Stunden täglich habe, musste sie beigeben.

Ich habe die Situation dadurch entschärft, dass ich ihr immer für eine Woche im Voraus ankündige, wann ich spiele. Wichtig ist mir, das ICH bestimme, wann ich spiele und meine Ankündigung ein Service meinerseits ist, der ihr das Leben einfacher machen soll.

Vielleicht kannst du deinem Nachbarn sehr deutlich machen, worauf du ein Recht hast. Vielleicht kannst du ihm auch anbieten anzukündigen, wann du spielst.

Körperliche Übergriffe musst du natürlich überhaupt nicht dulden, da könntest du die Polizei rufen...

sebastian
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Beitrag von sebastian » Mi 15.Mär 2006, 13:12

Lass dir vor allem nicht den Spaß am Musizieren verderben, wenn du die Ruhezeiten einhältst, bist DU im Recht, dein Nachbar ist der Störenfried!

Meint

Sebastian

Nitsuga70
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Beitrag von Nitsuga70 » Mi 15.Mär 2006, 21:55

Hallo Sebastian u. alle anderen!

Schön, dass sich so viele mit meinem Problem auseinandersetzen :merci:

Gerade eben hat der liebe Nachbar mal wieder etwas ans Fenster geworfen, obwohl ich nur höchstens eine Stunde gespielt habe ( und das auch noch mit Pausen). :pascontent: :evil: :nerveux:

In der Regel spiele ich ausschließlich so zwischen 19.00 u. 20.00 Uhr, also eine Zeit, auf die man sich einstellen kann. Vorher schaffe ich es zeitlich oft nicht. Wenn ich nicht aufpasse, kann es auch mal 5 - 10 Minuten nach acht werden (grundsätzlich dann rastet der Nachbar komplett aus, obwohl ich wirklich nur in Zimmerlautstärke spiele). Die Spielfreude wird aufgrund dessen natürlich schon etwas getrübt.

Mit ihm reden lässt sich auch nicht, da er mir grundsätzlich aus dem Weg geht und die Tür nicht aufmacht. Schon ein merkwürdiger Kauz.

Naja, was soll man machen?! Da bin ich doch froh, dass ich auch mit wesentlich netteren Menschen zu tun habe, wie z. B. mit Euch in diesem Forum od. mit meinen Freunden. Das gibt mir wieder Mut. :)

Gruß

Frank B.

sebastian
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Beitrag von sebastian » Do 16.Mär 2006, 13:18

Hallo Nitsuga70,

wie wäre es denn, wenn du den Spieß einfach mal umdrehst? Durch sein ständiges Klopfen und Drohen behindert dich dein Nachbar in der freien Entfaltung deiner Persönlichkeit, die ja durch das Grundgesetz garantiert ist.

Sprich ruhig ernste Worte mit ihm, zeige ihm, dass du ihn verstehst, aber nicht bereit bist, auf dein Recht zu verzichten. Du kannst ihm ja ankündigen, wann du spielst und sogar (wenn du das willst) anbieten, bevorzugt dann zu spielen, wenn es ihn weniger stört (dies natürlich nur, wenn du es zeitlich vereinbaren kannst). Sollte er weiterhin nerven,
kannst du andere Saiten aufziehen.

Lass dir den Spaß nicht nehmen!

Sebastian

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Do 16.Mär 2006, 13:34

Hallo Nitsuga,

wenn der Nachbar sich durch eine klassische Gitarre gestört fühlt, stimmt etwas nicht mit der Schalldämmung!! Vielleicht kannst Du das Problem lösen, indem Du in einem anderen Zimmer spielst.
Wenn nicht:

Lass es drauf ankommen! Bis er die Bullen ruft. Die Lautstärke, die beim Spiel einer kl. Gitarre entstehen, ist normale Zimmerlautstärke. Und in dieser Lautstärke kann Dir das kein Mensch verbieten! Du darfst ja auch den Fernseher anhaben oder das Radio, wenn es bestimmte Lautstärken nicht überschreitet.
Da sollen die coh mal die Dezibel messen! Ein übler Nachbar ist nämlich auch in der Lage, sich über Dinge zu beschweren, wo es nichts zu beschweren gibt!

Lass Dich nur nicht einschüchtern. Verkehrslärm muss Dein Nachbar ja auch ertragen, und der ist oft viel lauter als die Gitarre.

gothic3
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Beitrag von gothic3 » Mo 20.Mär 2006, 0:48

Du könntest ein Tuch unter die Saiten legen. Das verbessert nicht nur deine Technik sondern auch dein Sound ( wenn bei Konzerten spielst) :lol: