Wer spielt 7-saitig?

pasinger-gitarrenmusik
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Wer spielt 7-saitig?

Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Sa 01.Apr 2006, 12:51

Mich würde interessieren, wer von Euch eine 7-saitige Gitarre spielt und warum. Auch die negative Variante ist interessant. Wer hat die 7-saitige Gitarre versucht und spielt sie bewußt nicht?

Dieter
Pasinger-Gitarrenmusik

Bernhard
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Beitrag von Bernhard » So 02.Apr 2006, 0:19

Ich hab eine 7-saitige E-Gitarre :elec: (ziemlich verstaubt), mit einer zusätzlichen H-Basssaite. Ich finde die Saite aber ziemlich überflüssig, man muß sich doch sehr dran gewöhnen.
Bei der klassischen Gitarre wäre es sicher eine Bereicherung, vielleicht einen orchestraleren Klang hinzubekommen, (leider gibt's aber wohl nicht so viel Noten für 7 Saiten).
Ich kann mir aber vorstellen, das der linke Daumen als Stützfinger bei so nem breiten Griffbrett nicht mehr voll eingesetzt werden kann, oder?

Bernhard

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 02.Apr 2006, 11:05

Hallo Dieter,

wir haben hier ein Mitglied mit einer 7-saitigen Gitarre von Dammann. Clemens ist im englischen Forum sehr aktiv, mit dem Nick Sanft1; sicher kannst du ihn mal zum Instrument befragen.

Gustaw

lautenist
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Beitrag von lautenist » So 02.Apr 2006, 20:04

Hallo Dieter,

ich habe mir einen 7-saiter bestellt - es gibt einiges an Literatur für so eine Rübe, von Coste und aus der Zeit von Coste.

Grüsse vom
Lautenist

pasinger-gitarrenmusik
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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Mo 03.Apr 2006, 8:50

Gustaw hat geschrieben:Hallo Dieter,

wir haben hier ein Mitglied mit einer 7-saitigen Gitarre von Dammann. Clemens ist im englischen Forum sehr aktiv, mit dem Nick Sanft1; sicher kannst du ihn mal zum Instrument befragen.

Gustaw
Danke für den Tipp.
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Sanft
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Beitrag von Sanft » Do 13.Apr 2006, 16:48

Hai Leute!
Nach über einem Jahr exklusivem 'Rumtreiben im internationalen Forum wollte ich doch 'mal wieder hier vorbei schauen und bin doch gleich bei meinem Lieblingsthema gelandet! Die Idee für eine siebensaitige Gitarre hatte ich schon während des Studiums, als ich fürs Examen "Nocturnal" spielte. Die berühmte Stelle in "Restless", Takt 41, E und Fis gleichzeitig.
Es dauerte 12 Jahre inklusive Wartezeit bis ich dann endlich meine Gitarre hatte. Der andere Grund ist meine Leidenschaft für den Liedgesang. Besonders Dowland. Mit der siebten Saite kein Problem. Ich rühre jedenfalls keine Sechssaitige mehr an. Anbei ein pic.
Clemens … el niño que soñó la musica :fume:
Zuletzt geändert von Sanft am Fr 14.Apr 2006, 1:04, insgesamt 1-mal geändert.
"Guitar technique is made up of a limited number of procedures with an unlimited number of applications." Ricardo Iznaola
Gitarre: 7-saitige Matthias Dammannn, 1997; ab März 2007 noch eine Staufer-Replika von Dietrich.

aläx
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Beitrag von aläx » Do 13.Apr 2006, 19:21

Hallo Sanft

Ich habe mal in meiner Jugend (schon lange her :D )festgestellt, dass es Ausgaben von Coste gab die auf einer sechssaitigen nicht gingen.
Jetzt mal meine Frage: wie ist die siebte Saite gestimmt??
Soweit ich es beurteilen kann deckt sie nur ab und zu mal einen Ton ab wie beim Nocturnal der sonst nicht gehen würde und bei Coste ist es eigentlich genauso.

Verbesser mich wenn ich das falsch sehe

tschau Aläx

Sanft
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Beitrag von Sanft » Fr 14.Apr 2006, 0:59

Coste (wie sein Freund Soffren Degen für den er die "Feuilles d'Automne" schrieb) spielte ausschließlich auf Gitarren mit sieben und mehr Saiten. Ein wunderschönes Beispiel ist der Schluss des „Ronde de Mai“, hier zu finden:
http://www2.kb.dk/elib/noder/rischel/RiBS0163.pdf
Das Stück braucht mindestens eine siebte Saite. Die Stellen, an denen ich die siebte Saite verwende (abgesehen von Coste, Degen und Dowland) kann ich nicht mehr zählen. So viele Passagen bei Tedesco oder Torroba werden erst richtig gut, im zweiten Thema des op 30 Konzerts von Giuliani, T. 162/63 (Tecla Urtext) stimme ich die siebte Saite auf Dis und habe einen richtigen Bass, ebenso in der Coda der „Grande Ouverture“ ... wenn man einmal damit angefangen hat, findet man kein Ende mehr. Ich will ganz einfach nie mehr eine sechsaitige Gitarre verwenden!
Ich stimme die siebte Saite normalerweise auf D, aber bei Dowland natürlich auf H, für die Bachianas Brasileiras N° 5 von Villa-Lobos auf C usw. Die Stimmung ist also ziemlich flexibel.
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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Fr 14.Apr 2006, 9:28

Sanft hat geschrieben:Coste (wie sein Freund Soffren Degen für den er die "Feuilles d'Automne" schrieb) spielte ausschließlich auf Gitarren mit sieben und mehr Saiten. Ein wunderschönes Beispiel ist der Schluss des „Ronde de Mai“
Danke für eure Ausführungen. Beim Coste-Beispiel habe ich es verstanden, es geht ohne gar nicht.

Nun für den "einfachen" Hobby-Gitarrespieler: Was habe ich von der 7. Saite bei den ganz normalen Stücken? Mir fällt dazu nur ein, dass mich das manchmal nötige runterstimmen auf D nervt und sich das vermeiden ließe (zumal ich dann immer konzentriert daran denken muss, dass im Moment die 6. Saite ein D ist).

Dieter
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Beitrag von Sanft » Fr 14.Apr 2006, 10:02

Sehr oft, vor allem in E-Dur und E-Moll, findet man unmelodische Sprünge im Bass, wie das E-dis-E im erwähnten Giuliani-Konzert, der unbefriedigende Schluss der "Grand Ouverture", den Bream auch konsequenterweise ändert, zu dem Giuliani allerdings gezwungen ist, da man auf einer Sechssaitigen einfach nicht weiter nach unten kommt. Vielleicht kannst Du mir mal sagen, was Du gerade spielst, und dann kann ich Dir die Sache an einem konkreten Beispiel erläutern!
Rohe Ostern alle zusammen!
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P.S.: Ich nehm' heut abend den Schluss der Grand Ofentür einfach mal in den zwei Versionen auf! Dann kann man's hören!
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Beitrag von simon82 » Fr 14.Apr 2006, 12:26

Man darf auch nicht vergessen, dass die Obertöne verstärkt werden und dass der Klang dadurch besser wird.
Ne Frage: Gibt es auch Gitarrenbauer in Deutschland,die Achtsaitige bauen, also mit der Stimmung A e' a' d' g' h' e'' a''?
Damit kann man sein Repertoire um Klaviertranskriptionen erweitern.
Gibts nicht geht nicht

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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Fr 14.Apr 2006, 13:49

Sanft hat geschrieben:Vielleicht kannst Du mir mal sagen, was Du gerade spielst, und dann kann ich Dir die Sache an einem konkreten Beispiel erläutern!
Hi Clemens,

danke für dein Angebot. Ich habe kein aktuelles Problem sondern war einfach neugierig darauf, wer 7- oder noch mehrsaitiger Gitarre spielt. Auch darauf, ob es hauptsächlich Profis sind oder auch Feierabendmusiker sich damit auseinandersetzen.

Darauf gebracht hat mich der Lautenist mit seiner "Monstergitarre". Da scheinen ja die Meinungen wirklich weit auseinander zu gehen. Andersherum betrachtet hat die Entwicklung die Gitarre über Jahrhunderte hinweg 6-saitig werden lassen und doch gibt es Spieler, wie z.B. dich, die 7-saitig spielen. Das muss ja einen Grund haben. Einiges dazu habe ich ja bereits erfahren dürfen.

Da du ja nun immer (und vermutlich relativ häufig) 7-saitig spielst, stellt sich für mich die Frage, ob dir die 7. Saite als Reserve (und Zusatzresonanz) dient oder du Stücke (wo sinnvoll und möglich) direkt "umarbeitest".

Viele Grüße
Dieter
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Sanft
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Beitrag von Sanft » Fr 14.Apr 2006, 18:37

simon82 hat geschrieben:Ne Frage: Gibt es auch Gitarrenbauer in Deutschland...
Mit ganz wenigen Ausnahmen (Matthias ist leider eine) wird Dir ein guter Luthier bauen, was Du brauchst. Was die achtsaitige Gitarre angeht empfehle ich Dir aber eine russische Gitarre. Die waren (bzw. sind wieder) sieben- bis achtsaitig und in G gestimmt, also D G H d g h d bzw. C D G H d g h d. Wenn es Dir aber hauptsächlich um transkribierte Klaviermusik geht brauchst Du ganz klar eine zehnsaitige Gitarre wie sie Narciso Yepes populär machte. Im internationalen Forum spielt u. a. Perf_De_Castro eine zehnsaitige und hier ist eine hochinteressante Site dazu: http://www.cathedralguitar.com
pasinger-gitarrenmusik hat geschrieben: ... stellt sich für mich die Frage, ob dir die 7. Saite als Reserve (und Zusatzresonanz) dient oder du Stücke (wo sinnvoll und möglich) direkt "umarbeitest".
Die Zusatzresonanz ist bei einer siebten Saite vernachlässigbar. Der Klang wird von ganz anderen Dingen bestimmt. Neben dem erwähnten Dowland sind für mich ausschließlich Fragen des Tonsatzes und/oder der Spieltechnik ausschlaggebend. Deshalb habe ich mich auch gegen eine acht- oder zehnsaitige Gitarre entschieden, denn ich spiele prinzipiell keine Transkriptionen und interessiere mich nicht besonders für barocke Lautenmusik.
Zu mehrsaitigen Gitarren im 19ten Jahrhundert (eine diesbezüglich unglaublich bewegte und experimentierfreudige Zeit) ist hier eine sehr gute Site:
http://sedna.lunarpages.com/~early2/erg ... tibass.htm
Auch Thomas’ (Lautenist) Site ist zu empfehlen: http://www.lautenist.de/gitarre/biedermeiergitarre.htm
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Beitrag von simon82 » Mo 17.Apr 2006, 17:31

Auch wenn ich den link schon mal gesetzt habe, hier passt er vieleicht besser: http://www.vynograd.com/html/home_d.html
Alexander Vynograd spielt unter anderem Werke aus dem WTK von Bach und scheint das mit einer zusätzliche tiefe A-saite und einer hohe a-Saite ziemlich original (was Satz und Stimmführung angeht) hinzukriegen.
Etwas verrückt, aber ehrlich gesagt auch mein Wunschtraum irgendwann mal sowas zu spielen.
Gibts nicht geht nicht

Pierre
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Beitrag von Pierre » Mo 17.Apr 2006, 22:30

danke sanft den link fand ich sehr interessant, vorallem die videos von den 10-saitern :)