Gruppenuntericht geben

Daja
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Gruppenuntericht geben

Beitrag von Daja » Di 25.Apr 2006, 12:30

Wie schafft ihr es beim Untericht in Gruppen, auch die schwächeren zu motivieren dabeizubleiben? Ihr wisst schon: der Punkt, wo sie entdecken, dass andere schneller lernen, geschickter/musikalischer sind etc., sich klein und dumm fühlen und den ganzen Kram in die Ecke schmeißen wollen. :roll:

Hintergrund: mein Mann hat versprochen, einem 11-jährigen Cousinchen die Grundzüge des Gitarrenspiels beizubringen. Sie hat wesentlich mehr Spaß daran, seit auch ihre 12-jährige Freundin zu den wöchentlichen Sitzungen kommt. Letzte Woche ist ihr aber aufgefallen, dass ihre Freundin alles viel schneller umsetzen kann als sie... :( Und mein Mann ist kein Pädagoge. (Er möchte die Freundin jetzt für ein paar Wochen ausladen, damit die kleine Gelegenheit hat, aufzuholen.)

Was meint Ihr? Irgendwelche Tipps?

Danke,

Daja
Das sagt mein Mann auch immer...

lautenist
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Re: Gruppenuntericht geben

Beitrag von lautenist » Di 25.Apr 2006, 12:44

Hi Daja,

Pauschalrezepte gibt es da nicht.
Die einen sind zufrieden, wenn man beim einen Schüler dann mehr auf das technische eingeht und beim anderen "musikalische Gestaltung" hervorhebt etc.pp.
Ich habe, wenn der Unterschied zu krass wurde, die Grüppchen versucht zu trennen und neu zu "würfeln", was aber wegen den lieben Eltern oft nicht ging - das ging dann meistens nicht gut.
Als erstes solltest Du versuchen herauszufinden, WARUM das eine Kindchen hinterherhinkt, dann lassen sich etwas konkretere Massnahmen überlegen.
Bei meinen war das meistens recht einfach: Die einen haben regelmässig geübt, die anderen nicht. Da ist der Hinweis des Lehrers klar, wenn auch üblicherweise nutzlos. Ich musste mir dann oft anhören, ich sei zu streng und würde die Kinder überfordern, aber Einzelunterricht, damit man dann individuell auf die Lerngeschwindikeit eingehen kann wollten die auch nicht. Und ich empfinde es als natürlich, dass ich die fleissige und motivierte Schülerin nicht für die Faulheit der anderen bestrafen wollte.
Tja - das ist dann Pädagogenleid - SEUFZ!

Grüsse vom
Lautenist
Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
(René Descartes)

Johannes
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Beitrag von Johannes » Di 25.Apr 2006, 13:22

Hallo Daja,

beim Gruppenunterricht hat man das Problem sicher öfter.
Jedes Kind (Jugendliche, Erwachsene) ist anders, lernt anders, hat andere Interessen.
Das alles unter einen Hut (in eine funktionierende Gruppe) zu bringen, ist sehr schwer.
Manchmal denke ich, Instrumentalunterricht müsste eigentlich immer Einzelunterricht sein.
Dagegen spricht natürlich, dass das gemeinsame Musizieren (gerade auch für Kinder) oft mehr Spaß macht, musikalisch enorm lehrreich ist …
Deswegen fände ich es keine gute Idee, die Freundin auszuladen, nur weil sie es besser (schneller) macht. Muss sie nicht gerade deswegen auch unterstützt werden? Wäre doch toll, wenn sich da ganz zufällig ein neues Talent zeigt!
Und wenn man einmal jemanden eingeladen hat, mitzumachen, dann hat man auch gewissermaßen eine Verpflichtung übernommen.
Manchmal reicht es, den schnelleren Kindern zusätzliches Material zum Üben zu geben (ein ganz anderes Heft mit ganz anderen Stücken, damit nicht immer die Konkurrenz-, bzw. Vergleichssituation entsteht),
manchmal kann man Duos (Trios) mit unterschiedlich schweren Stimmen finden (bearbeiten).
Die schwierigste pädagogische Aufgabe ist es halt (auch in der Schule), eine Gruppe zu unterrichten und doch auf jede/n Schüler/in individuell einzugehen.
Vielleicht habe ich jetzt nicht so sehr helfen können, aber es kommen bestimmt noch mehr Beiträge zu diesem Thema.

Viele Grüße
Johannes

Benny
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Beitrag von Benny » Di 25.Apr 2006, 13:22

Moin,

ich kenne das Problem, aber nur aus Schülersicht.

Als ich angefangen habe mit der Gitarre waren wir eine dreier Gruppe.
Meistens ist einer immer besser, als die anderen. Zumindest war ich derjenige, der besser war. Und letztendlich sah es für mich so aus, dass ich mich immer gelangweilt habe und nie richtig gefördert wurde, weil das was die anderen sich über Woche zu Hause erarbeiten sollten, konnte ich adhoc vom Blatt spielen.
Nach einem 3/4 Jahr bekamen wir einen neuen Lehrer, der erstmal die Gruppe aufgelöst hat und ich wurde mit einem anderen in eine Gruppe gesteckt, wo sich aber nach kurzer Zeit wieder das gleiche Problem ergab, bis ich dann Einzelunterricht bekommen habe, was ich letztendlich auch am besten finde. (der Text soll nun nicht so wirken, als sei ich der Gitarrenmeister, halt nur besser, als die Mitschüler 8) )

Letztendlich bleibt meiner Meinung nach immer nur die Alternative die Kinder zu trennen, weil irgendwann der bessere die Lust verliert, wenn der Schwächere nicht hinterherkommt.

Daja
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Beitrag von Daja » Di 25.Apr 2006, 16:28

Als erstes solltest Du versuchen herauszufinden, WARUM das eine Kindchen hinterherhinkt, dann lassen sich etwas konkretere Massnahmen überlegen.
Naja, das ältere Mädchen hat einen Gitarre spielenden Vater, das jüngere nicht. Vielleicht ist ihr (oder ihren Eltern) von daher klarer, dass und wie sie üben muss (und auf welches Ziel hin). Außerdem hat sie dadurch natürlich immer jemanden, den sie fragen kann / von dem sie zwischendurch was abgucken kann.

Da das Versprechen aber gegenüber dem jüngeren Mädchen gilt, das derartige Unterstützung in der Familie nicht hat, ist die spannende Frage: wie vermittelt man ihr, dass sich üben lohnt und dass sie nicht dumm ist, nur weil nicht alles auf Anhieb klappt?

Daja
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