Gähnende Leere

Sanft
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Gähnende Leere

Beitrag von Sanft » Di 31.Mai 2005, 23:54

Ja, hat denn hier NIEMAND was interessantes zu erzählen oder zu fragen?
Zum Beispiel, warum die Gitarre zu 99 % immer noch nur sechs Saiten hat? Warum immer noch so viele Gitarristen mehr Übertragungen spielen als Originalliteratur? Fingersätze für die Etüden von Villa-Llobos?
Clemens :?:
"Guitar technique is made up of a limited number of procedures with an unlimited number of applications." Ricardo Iznaola
Gitarre: 7-saitige Matthias Dammannn, 1997; ab März 2007 noch eine Staufer-Replika von Dietrich.

Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Mi 01.Jun 2005, 0:35

Hallo Sanft,

Du hast vollkommend recht, was hier fehlt, ist eindeutlich Stimmung :lol:
Warum die Gitarre überwiegend nur 6 Saiten hat, weiss ich nicht, ist halt so.
Guckt mal hier rein, es rentiert sich :
http://www.patmetheny.de/
Fragt mir aber bitte nicht wie Pat Metheny damit spielt, ist für mich absolut unvorstellbar :roll:

Wenn ich richtig gelesen habe, hast du ein Gitarre mit 7 Saiten. Wie spielt man damit? Mit 6 saiten bin ich oft überfordert, aber mit 7... :shock:

Hast du auf eine normale Gitarre gelernt und dann diese gekauft? Welche Note hat diese 7. Saite?

Was die Etüde und Stücke von Villa Lobos angeht, bin ich noch nicht so weit, sorry :oops:

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

michael
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Beitrag von michael » Di 07.Jun 2005, 18:43

Wie man so ein Ding spielt wenn das überhaupt geht würde mich auch mal interessieren.

Für Villa lobos bin ich auch noch nicht soweit
Orginalliteratur das hab ich nicht so recht verstanden :?: ich hab gedacht wir kaufen die Noten so wie es einmal aufgeschrieben wurde spielen es so :oops:



:aide: Mich würden Komponisten interesieren.

Ich bin auf der suche von Rene Bartoli (spiele zur Zeit 2 Stücke von Ihm)
weiß aber nicht wann der geboren ist / bzw schon gestorben in sämtlichen deutschen und englischen databasen ist der nicht geführt.

Michael

Sanft
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Originalliteratur

Beitrag von Sanft » Di 07.Jun 2005, 21:55

Salü Michael!
Unter Originalliteratur versteht man eine Komposition, die ursprünglich für Gitarre komponiert wurde. Also Sors, Giulianis oder Moreno-Torrobas Werke. Transkriptionen sind ursprünglich für ein anderes Instrument geschrieben wie Klavier, Violoncello oder Laute. Also alles von Bach, Albeniz oder Granados. Ich spiele keine Transkriptionen. Es gibt so viel großartige Musik original für Gitarre, DIE müssen wir spielen!
Clemens :D
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michael
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Beitrag von michael » Mi 08.Jun 2005, 9:37

Hallo Sanft

Das klingt einleuchtend, aber kann leider nicht 100%tig zustimmen,
denn Musik soll doch auch spass und freude bereiten und wenn einem Gitarristen ein Stück z.b von Albeniz gut gefällt warum soll er es dann nicht auf seinem Instrument spielen.

Übrigens die 7 Seite interessiert mich auch noch welche Note hat die den :?:

Michael

Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Do 09.Jun 2005, 22:45

Hallo Leute,

Ich denke das die Hauptsache ist wenn man Freude und Spass beim spielen hat. Natürlich gibt es übungen für dies oder jenes zu trainieren, dort muss man durch wenn man Vorschritt machen will.

Aber jeder von uns hat anderen Vorstellungen oder Interessen. Es gibt unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, Gott sei Dank würde ich sagen!

Es wäre traurig wenn alle Gitarristen nur Sor oder Villa Lobos spielen würden. Gut dass man so viel wahl und Vielfalt hat!

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

christian
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7 Saiten

Beitrag von christian » Sa 06.Aug 2005, 21:39

Ich denke mal er stimmt sich die (zusätzliche Bass-) Saite wie er es gerade braucht, (D oder C ) aber gerade damit könnte man doch schön manche Lautensachen spielen - also Transkriptionen?!
Jeder sollte es machen wie er es für richtig hält - ich persönlich bin für Offenheit. Habe vor einiger Zeit mal das Orlando di Lasso Stück "Matona cara mia" oder mia cara? (vier Stimmen) für einen Gitarrenchor umgeschrieben und das Ergebnis war fantastisch. Aber es stimmt schon, es gibt so viel Originalmusik, ... aber am Ende geht es dann doch um "Musik" oder :?:
Christian

zambra
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Sieben Saiten - so ein Schmarrn!

Beitrag von zambra » Mo 08.Aug 2005, 21:52

Hallo liebe Gitarrenfreunde!

Die Gitarre ist doch so ein großartiges Instrument. Auf einer herkömmlichen klassischen Gitarre lässt sich ein polyphones Stück auf mehr als dreieinhalb Oktaven setzen. Daneben kann man getrost mit offenen Stimmungen die tiefe E-Saite bei glasklarem Ton noch um zwei Halbtöne tiefer stimmen, was keinerlei Einfluss auf die Klangfarbe hat.

In der Vergangenheit waren alle Experimente, die westeuropäischen Hörgewohnheiten durch außertonale Töne (z. B. Zwölftonmusik, Würfelkompositionen etc.) zu erweitern, bemitleidenswerte Ausrutscher einiger Käuze, die sich durch diese "glorreiche" Idee einen Namen in der Musikgeschichte zu verschaffen suchten.

Daher mein Tipp: Man arbeite sich erstmal durch die unerschöpfliche bisher vorhandene Literatur aller Epochen (ein Leben reicht dazu beiweitem nicht aus). Leere kann man auch selbst erfüllen :roll: !

gothic3
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Beitrag von gothic3 » Do 23.Mär 2006, 22:48

hi,
es gibt vielleicht nicht so viele Partituren wie du sagst weil die Gitarre eben später entsaten ist, also nachdem die groBen Kompositoren gestorben sind.

Gruss

Max

jahro
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Beitrag von jahro » Do 23.Mär 2006, 23:14

Hallo Max,

also ich glaube, das es reichlich Kompositionen für die Klassische
Gitarre gibt. Auch gerade moderne Komponisten wie Brouwer
haben doch das Repertoire für unser Instrument mit herrlichen
Werken erweitert.

Wen meinst Du mit grossen Komponisten?
Klassiche Komponisten wie Mozart, Hayden, usw.
habe ja nicht gerade viel für die Gitarre komponiert.

Also so ganz verstehe ich deine These nicht.
Erläutere das doch mal genauer.

Viele Grüsse
jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

Benny
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Beitrag von Benny » Fr 24.Mär 2006, 15:06

Moin,

also Literatur für Gitarre, besonders klassische Literatur gibt es reichlich! Viele Komponisten waren auch im Besitz einer Gitarre (z.B. Schubert), jedoch haben die heute bekannten nicht viel dafür geschrieben. Ich denke, dass damals Giuliani oder Sor auch sehr bekannt und beliebt waren. Leider sind diese heute nicht mehr so geläufig.

Ich denke die Zeit der Gitarre kann man sicherlich ab dem Barock definieren.

Ich persönlich spiele auch lieber Originalliteratur. Mir gefällt die klassische Musik eben besser.

Gruß

Benny

lautenist
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Beitrag von lautenist » Fr 24.Mär 2006, 15:50

Benny hat geschrieben: Ich denke die Zeit der Gitarre kann man sicherlich ab dem Barock definieren.
na, da muss sich der "Alte Musiker" doch zu Wort melden (wegen "Originalklang" und so):
Das Instrument, so wie es heute gespielt und gebaut wird ist eine sehr junge Entwicklung. Als Standard hat es sich in etwa mit Segovia etabliert. Selbst Torres hat anfänglich noch Gitarren gebaut, die näher am Biedermeier als an der modernen Konzertgitarre waren. Und auch seine späten Modelle sind nur ein (bedeutender) Beitrag auf dem Weg zur Entwicklung der modernen Konzertgitarre.
Einen Vorläufer der Gitarre gab es übrigens schon in der Renaissance: Die Quinterna oder Renaissancegitarre!
Sicher finden sich Zargeninstrumente aber auch schon früher.


Was die Komponisten angeht: Es ist unter Gitarristen üblich zu jammern, dass Beethoven nichts für die Gitarre geschrieben hat. Warum?
Giuliani, Sor und viele andere Klassiker der Gitarre erreichen zwar nie die Qualität von Beethoven, sind aber doch von beachtlicher Qualität (manchmal sogar besser als das ein oder andere "Sonntagsstück" von Komponisten mit grossen Namen).
Problematisch ist eher, dass die Gitarre eine Funktion erfüllte, die heutzutage nicht mehr gewürdigt wird: Es war Saloninstrument und als solches eine Zeitlang sehr en vogue. Dementsprechend gibt es im Repertoire der Klassiker sehr viel Opernparaphrasen und Salonstücke und vergleichsweise wenige in grossen Formen. Eigentlich kommt das der heute üblichen Konzertform, bei der Opern oder Sonaten nahezu beliebig gekürzt werden oder nur einzelne Sätze aus grösseren Formen gespielt werden doch sogar entgegen!
Ich sehe keinen Grund für den scheinbar allgegenwärtigen Minderwertigkeitskomplex der Gitarristen.

In der Moderne brauchen sich die Gitarristen nun gar nicht zu beklagen, denn es gibt ausgezeichnete moderne Musik für die Gitarre und dank des grossen Einsatzes von bekannten Gitarristen haben auch grosse Namen für das Instrument geschrieben, wobei die besten Kompositionen meiner Meinung nach immer noch von Spezialisten (also selbst Gitarristen wie Kleyjans, Pujol oder Brower) geschrieben werden/wurden.

meint der Lautenist

simon82
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Re: Gähnende Leere

Beitrag von simon82 » Fr 24.Mär 2006, 16:15

Sanft hat geschrieben:Ja, hat denn hier NIEMAND was interessantes zu erzählen oder zu fragen?
....... Fingersätze für die Etüden von Villa-Llobos?
Clemens :?:
Hallo Clemens, dass was du da angesprochen hast, interessiert mich auch sehr, auch generell bei Stücken von Lobos. Die Max Eschig-Ausgaben haben (fast) keine Fingersätze/technische Spielanweisungen. Und so frag ich mich zum Beispiel ob man einen 6-Stimmigen Anschlag (Et.6) geschlossen oder als Arpeggio spielen soll. Ich spiel ihn geschlossen mit zusätzlichem kleinen Finger und schlage beide Basssaiten mit dem
Daumen quasi gleichzeitig an.
(Interpreten die ich bis jetzt gehört habe machen das nicht so, aber ich finde man man sollte die Achtelblöcke durchgängig homogen mit geschlossenem Anschlag spielen, auch wenn das spieltechnisch einige Schwierigkeiten macht)

Das Prelude No. 5 habe ich früher mit meinem damalige Gitarrenlehrer durchgenommen. Nach dem 17. Takt soll man, nach seinen Angaben, nicht in der zweiten Lage bleiben was einfacher wäre, sondern soll die Melodiestimme auf einer Saite wie bei einem Cello durch Hochrutschen in die höheren Lagen spielen. Ich finde, das ist nicht nur eine fingersatztechnische Variation sondern ein Muss weil die Stelle sonst überhaupt nicht klingt. aber wie sollte man alleine darauf kommen?

Und so ist das gitarristische Werk von Lobos voll mit diesen Beispielen und mir als Laie fehlt das Hintergrundwissen ob es
a) der Persönlichen Interpretation überlassen ist
b) eine Sache der musikalisch/stilistischen Ehrfahrung ist
c) oder ob es historische Aufnahmen on Lobos gibt in denen es eindeutig klar wird wie es zu spielen ist.

Die Gitarre ist nun mal ein Instrument bei dem man Musik sehr variabel gestalten kann, man hat ja nicht wie beim Klavier eine Taste neben der anderen.

Vieleicht kennt/spielt ja jemand diese Stücke und kann da mehr zu sagen

Gruss

Simon
Gibts nicht geht nicht

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Fr 24.Mär 2006, 18:33

Hallo Simon,

die persönliche Auseinandersetzung eines Gitarristen mit dem Stück zur Erarbeitung eines individuellen Fingersatzes ist meiner Ansicht nach die Kernarbeit beim Einstudieren eines neuen Stückes. Der Fingersatz muss nach anatomischen Aspekten, klanglichen und technischen Möglichkeiten und sogar nach interpretatorischen Gesichtspunkten immer wieder hinterfragt bzw. abgeändert werden.
Nichts ist schlimmer, als ein Notenblatt mit Fingersätzen so abzuspielen, wie es gedruckt wurde ... der Fingersatz passt ja gerade mal dem Bearbeiter, der ihn aufgestellt hat. Die Frage nach 'historischem Vorbild' ist hier schon öfters diskutiert worden, hier meine ich, jeder soll seine eigene Interpretation finden. Dabei ist es mir z.B. völlig egal, wie schnell Barrios seine Werke darbieten konnte, für Abweichungen in der Interpretation besteht doch immer eine Berechtigung. Wenn's dann nicht gefällt, ist es eine andere Sache. Gerade weil die Gitarre ein Instrument ist, das durch unser Spiel viel Ausdruck bekommt oder genommen kriegt, ist der eigene Fingersatz und in der Folge die eigene Interpretion genau das Muss.

Wir spielen doch nicht nach Zahlen, meint der Gustaw

Joachim38
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Beitrag von Joachim38 » Sa 25.Mär 2006, 16:23

@sanft: mit meiner Duo-Partnerin (Querflöte) arbeite ich zur Zeit
an der Bachianas Brasileiras von Villa-lobos.
Früher habe ich mal das Prelude 1 gespielt....