Gähnende Leere

Benny
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Beitrag von Benny » Sa 25.Mär 2006, 19:02

Moin,

ich stimme Dir Gustaw voll zu, dass ein Gitarrist in Sachen Fingersätze und Ausdruck seinen eigenen Weg suchen soll. Notenausgaben mit Fingersätze halte ich persönlich zwar für sehr hilfreich, jedoch spiele ich nicht jeder Stelle so, wie der Herausgeber das vorgeschlagen hat. Man muss eben für sich entscheiden, was einem sympathischer ist.

Außerdem merkt man das ja schon bei den renomierten Gitarristen, wenn man sich ein Lied von zwei verschiedenen anhört. Und das macht ja auch den Reiz aus. Und woher will man heute wissen, wie genau Sor oder Giuliani ihre Lieder gezupft haben.

@lautenist: Dass das aktuell gespielte Modell sehr jung ist, wusste ich wohl. Ich dachte hier an die erste Blütezeit des Instrumentes, da sie mit Robert de Visée am französischen Hof sehr populär wurde.

Viele Grüße

Benny

es335
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Beitrag von es335 » Sa 25.Mär 2006, 22:40

Hallo, grundsätzlich stimme ich dem schon zu, sich einen Fingersatz selber zu erarbeiten und dabei die (notierte) Musik und nicht einfach "dumm" die "Nummern" zu spielen, auch wenn einen die Ungeduld manchmal dazu treibt.

Wer aber insbesondere Tarrega Etüden/Präludien etc. mit eigenen Fingersätzen spielt, dem entgeht dabei der große didaktische Wert dieser Stücke, wobei sich sogar anfänglich eigentümliche anmutenden Fingersätze im Nachhinein als vollkommen organisch herausstellen.

Erst nach dieser "Schule" meine ich eine ausreichende "Reife" gewonnen zu haben, reine Notenvorlagen auch mit gut klingende Fingersätze spielen zu können. D.h. eine gewisse "Vorbildung" muß dafür schon sein!

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
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Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 26.Mär 2006, 0:01

Hallo es,

sofern es sich bei Tárrega Stücken um Tárrega Fingersätze handelt (oft sind's ja nur die späterer Bearbeiter), stimme ich dir voll zu - die sollte man schon aus den von dir genannten Gründen nachspielen (sofern man kann). Tárrega war ja selbst Gitarrist ... vielleicht bestätigt ja die Ausnahme die Regel.
Gerade bei seinen Stücken stelle ich eine geniale Harmonie zwischen Musikalität und der Motorik beim Spielen fest ... klingt vielleicht etwas seltsam, kommt mir aber so vor.

Gustaw

es335
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Beitrag von es335 » So 26.Mär 2006, 0:43

Hi Gustaw, mir kommt das überhaupt nicht seltsam vor und "genial" ist in diesem Zusammenhang genau der richtige Begriff. :wink:

Man sagt von Tarrega, daß er mit großer Akkribie und Ausdauert tagelang herumexperimentiert hat, bis er zu seiner nach musikalischen und klanglichen Gesichtspunkten gewählten Stimmführung den optimalsten Fingersatz und das beste Anschlagsmuster gefunden hat. Wie optimal dies war ist auch daran zu erkennen, daß sich die mir bekannten (seriösen) Bearbeitungen in der Regel auf einige wenige "Fehlerbereinigungen" der alten Druckausgaben beschränken.

Er ist und bleibt die Ausnahme von der Regel und das Einstudieren seiner Fingersätze bereichert und erweitert die eigene Technik und Selbstständigkeit auf dem Instrument.

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
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simon82
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Beitrag von simon82 » So 26.Mär 2006, 0:48

Hallo,
Auch wenn es sich so angehört haben sollte, natürlich spiele ich nicht nur dumm die Zahlen ab....
Aber man sollte doch vieleicht parallel zu seinen eigenen Vorstellungen auch einiges an Hintergrundwissen haben wenn, man seine eigenen Entscheidungen trifft denn oft passen die Fingersätze die einem "sympathischer" sind und sich besser anfühlen nicht in einen musikalischen Gesamtzusammenhang.
Ich find halt,dass man bei Lobos viel "falsch" machen kann.
Bei Tarrega findet man oft kein systematisch, logisches Lagenspiel aber beim ihm ,find ich, liegt es auf der Hand , wie man spielen soll.
Gibts nicht geht nicht

es335
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Beitrag von es335 » So 26.Mär 2006, 1:26

Hi Simon,
simon82 hat geschrieben:...Bei Tarrega findet man oft kein systematisch, logisches Lagenspiel ...
Das finde ich gerade so genial an seinen Fingersätzen. Er bricht mit den vermeintlich gitarrentechnisch begründeten "Beschränkungen" vergangener Schulen wie z.B. dem Lagenspiels und macht die Gitarre zu einem "vollwertigen" Musikinstrument, bei dem sich jede Stimmführung musikalisch stimmig realisieren läßt.
simon82 hat geschrieben:...aber beim ihm ,find ich, liegt es auf der Hand , wie man spielen soll...
Im nachhinein sicher, aber ohne SEINEN Fingersatz würde ICH da nie hinkommen. :?

Anders ist es mit den Lobos Etüden. Da muß ich dir recht geben. Ich hatte mir die Eschig Ausgabe nach dem Tarrega Facsimile Band ebenfalls gekauft und war maßlos enttäuscht über die fehlenden Fingersätze. Den Sinn habe ich bis heute nicht wirklich eingesehen, zumal es sich ja um Etüden, sprich Studien, handelt. Nicht zuletzt deshalb bin ich wohl auch über die 1. und halbe 3. als Autodidakt nie hinausgekommen. :oops:

:bye:
Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
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Tobias
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Beitrag von Tobias » Do 30.Mär 2006, 0:01

Hallo Sanft,

der Grund für 99% 6-saitige Gitarren dürfte die Nachfrage sein. Warum soll ich mir was weiß ich was für Gitarren kaufen, wenn die meisten Werke auf das 6-saitige Instrument ausgerichtet sind.
Zum Villa-Lobos-Thema: es fällt mir ehrlich gesagt ein bißchen schwer zu verstehen, warum man für solche Werke noch nach einem Fingersatz verlangt. Wer in der Lage ist, solche Stücke zu spielen, wird sich, ob es Villa-Lobos ist oder jemand anderes eh seine eigenen Fingersätze machen.
Es ist ja in diesem Strang schon beschrieben worden, daß es für ein und dasselbe Stück verschiedene Einspielungen gibt. Wie Gustaw geschrieben hat: Interpretation, Geschwindigkeit, Klang.

@lautenist: ich habe Kompositionen von Beethoven für Gitarre und Cembalo. Ich bin immer davon ausgegangen, daß dies Originalbesetzung ist. WoO 43 und WoO 44.
Gruß Tobias
Gitarre: Paulino Bernabe - Estudio E-6
Die Sprache der Musik kennt keine Grenzen.