Segovia Konzert

Joachim
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Segovia Konzert

Beitrag von Joachim » Mi 04.Jan 2006, 8:49

Hallo,

habe gestern bein Stäbern noch eine alte Eintrittskarte vom Segovia Konzert in Berlin gefunden.
Das war 1982. Ich glaube Segovia war zu diesem Zeitpunkt schon 90 oder nahe dran. Er hat vom Bühneneingang bis zu seinem Platz fast eine Minute gebraucht und auch mal die eine oder andere Stelle beim Spielen vergessen. Nichts desto trotz war es ein tolles Konzert. Der Mann hatte echt eine Ausstrahlung und das Publikum war aus dem Häuschen und huldigte natürlich auch sein ganzes Lebenswerk.

Mir ist aufgefallen, dass seit dieser Zeit die klassische Gitarrenszene einen riesigen Fortschritt gemacht hat. Aber vielleicht kannte ich mich damals auch nicht so aus. Welcher deutsche klassische Gitarrist war denn einem etwas breiteren Publikum bekannt, außer Siegfried Behrend und ich finde es gibt heute dutzende Gitarristen die in meinen Ohren erheblich besser spielen als er...
Gruss
Joachim

roppatz

Beitrag von roppatz » Mi 04.Jan 2006, 11:49

meine herrn, mit 90 noch son gitarren konzert geben... heftig heftig. war bestimmt echt klasse :)
tjoaa, welcher deutsche klassische gitarrist ist vor einem breiteren publikum bekannt.... hmmmm mir fällt so direkt da keiner ein. mit klassischer gitarre erfolg zu haben wird leider immer schwieriger!

gruß
david

cornwallfan
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Beitrag von cornwallfan » Mi 04.Jan 2006, 17:15

Ich habe A. Segovia ein paar Jahrer früher gesehen, 1976.
Auch da war es so, wie Joachim berichtet hat: der Weg bis zu seinem Stuhl dauerte ewig, und auch, bis er den Fuß auf dem Fußbänkchen hatte.
Er wurde übrigens schon mit Standing Ovations begrüßt, aber als er dann durch freundliches Winken signalisierte, man möge ruhig sein, konnte man in der Halle eine Stecknadel hören. Und dann legte er los... ich glaube es war Asturias/Leyenda, ich weiß es nicht mehr genau, weil ich die Stücke damals noch nicht namentlich kannte. Wahnsinn, in einer Dynamik und auch Lautstärke, wie es danach nicht mehr erlebt habe. Super. Und so ging es das ganze Konzert durch, einschließlich Zugaben. Und dann kam das faszinierende: als der letzte Ton verklungen war, verwandelte sich Segovia wieder in einen alten, schon recht wackeligen Mann, während er Minuten vorher noch spielte wie einjunger (Gitarren-)Gott.
Für mich jedenfalls eines der beeindruckendste Erlebnisse in meinem Leben.

Viele Grüße,
Andreas (CWF)

PS: Jetzt habe ich aber vor lauter Begeisterung Joachims Frage garnicht beantwortet. Obwohl, seit diesem Konzert habe ich erst ein weiteres Gitarrenkonzert besucht (ich habe allerdings auch eine 20jährige Pause hinter mir, und vorher wollte ich ja eigentlich Rockstar werden.... :oops: )

Und zwar habe ich im September in der kleinen Kirche unseres Ortteils Gruiten einen Gitarristen aus Thüringen, Roger Zimmermann, gehört.
Toller Auftritt, u.a. auch mit Asturias, La Catedral und weiteren Gassenhauern.
Zahlende Gäste in der Kirche: ca. 15, die hätte man locker alle mit Handschlag begrüßen können. Das hat mir schon leid getan, zumal ich sehr, sehr angetan war vom Niveau dieses Musikers.
Viele Grüße aus Haan,
Andreas

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Gitarren: Yamaha GC-31 C u. Ariana 6512

coolman
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Beitrag von coolman » Sa 07.Jan 2006, 20:53

Hallo Joachim!

Ich beneide jeden, der ihn einmal life erlebt hat!

Ich bin ein erklärter Segovia-Fan und denke, er hat für alle nachkommenden den Weg geebnet!
Natürlich gibt es vieles zu überarbeiten aber grundsätzlich hat er alles vorbereitet und sein "Sound" ist meiner Meinung nach fast unübertrefflich.
Er fand immer noch einen Weg irgendwo ein Vibrato oder sonstiges einzubauen. Sein Anschlag ist, finde ich, unerreicht! Auf jeden Fall hat er den nachfolgenden gezeigt, wo's lang geht und dafür bin ich ihm unendlich dankbar!

Na ja, bevor ich weiter ins Schwärmen komme hör' ich lieber auf ;-)

lg
coolman
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Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 08.Jan 2006, 16:29

Hallo Segovia-Verehrer,

der Meister ist zwar schon tot, aber er hat einen inzwischen namhaften Meisterschüler auf den Weg gebracht: Eliot Fisk. Dieser gab zuletzt einige Konzerte in Deutschland, leider sind diese nicht so stark frequentiert gewesen, wie es E.F. gebührte. Hört man sich alte Segovia Aufnahmen mal kritisch an, so wird man bemerken, dass die Entwicklung, die er ausgelöst hat, ihn technisch sogar überholt hat. Ich meine dies nicht abwertend, sondern rechne dies im Gegenteil seiner Leistung hinzu! Das von cornwallfan erwähnte Asturias spielen Segovias 'Erben' ohne die Pause vor den Rasgueados, die man bei ihm noch hört.

Segovias Witwe Emilia übergab Fisk 1996 bis dahin völlig unbekannte Eigenkompositionen des Altmeisters, samt der Rechte. Das heißt schon was.
Ich meine daher, wer Segovia 'live' erleben will, muss derzeit zu Fisk pilgern.

Das meint der Gustaw.

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Di 10.Jan 2006, 10:04

Gustaw hat geschrieben: Ich meine daher, wer Segovia 'live' erleben will, muss derzeit zu Fisk pilgern.
Unkommentierter Fotoanhang. Und noch einer.

jahro
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Beitrag von jahro » Di 10.Jan 2006, 10:30

Hallo Zusammen,

ich beneide Euch ja schon ein bisschen.
Die die ihr Segovia live erleben durftet.


@Anna Nyma
Tolle Bilder (Und so prima verlinkt :wink: )

Gibt es denn lohnenswertes Material sprich Konzertmitschnitte auf DVD
von Segovia.
Hat da jemand Erfahrung ?

lg jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

aläx
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Beitrag von aläx » Mi 25.Jan 2006, 19:53

Hallo Joachim

Ich kann mich auch glücklich schätzen Segovia kennengelernt und im Konzert erlebt zu haben.
Wenn du mal die Chance hast in den Genuss von Segoviaeinspielungen aus den Jahren 1935 bis 1950 zu kommen wirst du sehen, dass Segovia auch heute noch in gewisser Weise Maßstäbe setzen könnte.
Ich kenne keine Aufnahme der Chaconne die an die von mir gehörte Aufnahme aus dem Jahre 1936 ranreicht.
Der von dir erwähnte Siegfried Behrend ist aus meiner Sicht ebenfalls weit unterschätzt worden.
Behrend hat sehr viel für die Gitarre gemacht und war ein ausgezeichneter Spieler.
Es gab auch noch Leute wie Alirio Diaz, Alexandre Lagoya und vor allem Ida Presti die heute problemlos mithalten könnten.
Ich gebe dir allerdings Recht, dass die Gitarrenszene in Deutschland damals sehr "flach" war.
Wenn du mal die Chance hast das Buch von Fritz Bueck "Die Stunde der Gitarre" zu ergattern kannst du vieles nachlesen.


tschau Aläx

Joachim
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Beitrag von Joachim » Mi 25.Jan 2006, 20:10

Hallo Aläx,

weisst Du wo man dieses Buch beziehen kann? Ich habe etwas gegoggelt, aber nichts gefunden...
Gruss
Joachim