Jugend Musiziert

Gitarero
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Jugend Musiziert

Beitrag von Gitarero » So 05.Feb 2006, 21:30

So ich habe eben in einem anderen Beitrag gelesen, dass Interesse über einen eigenen JuMu-Thread besteht und da dachte ich mir einfach, ich fange mal an, da ich ja auch am 27 in Gladbeck am Wettbewerb teilgenommen habe. An dieser Stelle gratuliere ich dem David, 24 Punkte ist echt eine Hammer Leistung und die hast du dir auch verdient. An David sieht man ja, wie hoch das Niveu bei JuMu ist.. da steckt natürlich viel Arbeit und Talent dahinter. Ich bin mir sicher, dass du auch noch von deinen Eindrücken erzählen wirst, also ich bin wirklich gespannt darauf :) und vielleicht finden sich ja noch andere Mitglieder hier die auch am Wettbewerb teilgenommen haben.. es wäre schön.


Also ich habe mich über mein Ergebnis nicht so richtig erfreut, ich habe 19 Punkte bekommen und somit gerade einen zweiten Platz erreicht. Mit 21 Punkten hat man einen ersten Preis bekommen und mit 23 Punkten wird man zum Landeswettbewerb zu gelassen. Ich war wirklich sehr enttäuscht von diesem Ergebnis, ich meine ich habe wirklich viel Arbeit, Zeit und Energie investiert, mir viele Gedanken drüber gemacht und auch ziemlich viel Streß.. wenn man dann nur ein durchschnittliches Ergebnis erzielt gibt man sich doch nicht wirklich zufrieden, besonders weil ich mir sogar überlege, später etwas beruflich mit Musik zu machen. 19 Punkte bedeutet so viel wie, dass die Jury mich absolut nicht Ernst genommen hat und das verletzt einen doch sehr, wenn man die Musik und besonders das Gitarrenspiel ernst nimmt. So dies zu meinem Ergebnis.

Also zum Wettbewerbsverlauf; eigentlich, also von meiner Seite aus verlief alles ganz gut. Ich bin an dem Samstagmorgen gegen 9 Uhr schon mit einem leichten Kribbeln im Bauch aufgewacht. Dann noch gemütlich gefrühstückt und die ganze Zeit versucht, meine Gedanken und Nervösität unter Kontrolle zu halten. Ich meine man sagt sich dann so Sachen, wie das der Wettbewerb ja eigentlich gar nicht so wichtig ist, es geht ja hauptsächlich darum, dass man durch den Wettbewerb angespornt ist, viel zu üben und sich lange mit einem bestimmten Programm auseinander zu setzen, der Wettbewerb an sich ist dabei nur Nebensache, eigentlich war der Sinn und Zweck des Wettbewerbs spätestens an dem Samstagmorgen um 9 Uhr schon erfüllt und wenn man sich sowas sagt, geht es einem doch besser. Die Musikschule in Gladbeck ist ein sehr schönes altes Schloss, also der Ort war perfekt obwohl das ja nicht wirklich wichtig ist in dem Moment. Um 15 vor 11 bin ich dann zur Anmeldung und dort wurde mir gesagt, dass ich mich von 15 nach 11 bis 15 vor 12 einspielen kann. Allerdings musste ich mich in diesem Zeitrahmen halten, um den anderen Teilnehmern gegenüber keinen Vorteil zu haben.. das sehen die da ziemlich streng. In dieser halben Stunde Wartezeit vorm Einspielen fing dann die richtige Nervösität an.. ich habe mir eingebildet, dass ich die Stücke vergessen hätte und als ich gesehen habe, was andere Leute in meiner Altersstufe spielen hat das nur noch mehr zu der Verunsicherung beigetragen. Das waren Sachen wir Variationen über ein Thema von Mozart oder Villa Lobos Etuden. Als ich dann endlich meine Gitarre in die Hand nehmen konnte um mich einzuspielen, ging diese verzweifelte Verunsicherheut von mir.. ich merke das ich gut eingespielt bin, da ich die Woche davor sehr intensiv geübt habe, meine Finger greifen jeden Akkord wie von selbst. Allerdings habe ich beim Einspielen die Stücke sehr langsam mit Metronom gespielt. Mein Lehrer meinte, ich sollte mich beim Vortrag auf dieses Tempo einstellen, der Adrenalinstoß würde schon für den Rest sorgen. Nach der Einspielzeit musste ich dann noch so 10 Minuten warten, ich bin auf Toilette und bin dabei die ganze Zeit die Stücke im Kopf durchgegangen. Als ich dann in den Vortragsraum kam, merkte ich das ich verdammt nervös bin, meine Hände waren wieder völlig verschwitzt und ich hatte dieses lästige Kribbeln im Magen. Nun ja, ich stelle mich und mein Programm vor, versuche so selbstsicher wie möglich zu wirken und merke, dass ich den Kampf in mir, gegen meine Nervösität gewinnen kann.
2 Sachen, die ich mit meinem Lehrer am Abend davor besprochen habe, haben mir sehr dabei geholfen. Erstmal, dass ich mir viel Zeit nehmen kann. Ich habe mir einfach gesagt, setz dich da jetzt hin, denke an den ersten Akkord des Sarabandes (womit mein Programm anfängt) und sage dir, ich fange erst an zu spielen, wenn ich gegen die Panik in mir angekommen bin. So habe ich, bevor ich angefangen habe zu spielen, bestimmt für eine halbe Minute die Augen geschlossen und versucht mich zu beruhigen. Noch drei Mal tief Luft geholt und angefangen.. alles war sehr konzentriert und spannend, ich merkte das meine Hände nicht zittern und das wiederum beruhigt mich.
Die zweite Sache, die ich mir gesagt habe und die mich beruhigt hat ist das, was mein Lehrer mir beigebracht hat. Er hat gesagt, dass eine einzige, wunderschön gespielte Passage ein ganzes Konzert retten kann. Dieser Gedanke hat mich bei den schweren Stellen, wo ich zum Teil daneben gegriffen habe oder die Saiten verfehlt habe, sehr beruhigt. Denn ich dachte, es wird noch genug sehr schöne Stellen geben, an denen du alles wieder aufwerten kannst. Und so habe ich mich dann auch bei den besonderen Stellen viel besser konzentrieren können.
Alles in Allem war ich sehr zufrieden mit mir, mein Lehrer hat mir gesagt, dass ich sehr kreativ und musikalisch gespielt hätte und das es sehr spannend war, mir zu zu hören. Ein sehr schönes Kompliment. Er sagte mir auch, dass ihm die Wertung egal sei, ich hätte das Ziel erfüllt. Eine andere Sache ist die, dass er meinte ich wäre technisch nicht ausgereift gewesen. Die Stücke fließen noch nicht so wie sie sollten und er sagte mir, im Prinzip wäre es besser für mich nicht weiter zu kommen, da wir dann Etüden usw machen können um an meiner Technik zu feilen.
Ehrlich gesagt dachte ich in dem Moment tatsächlich, ich hätte das Ding in der Tasche, egal ob es jetzt arrogant klingt oder nicht. Ich war an dem Tag einfach überglücklich, diese große Hürde, die so lange auf mich gewartet hat, überwunden zu haben.
Nun ja, es ist üblich das man kein Feedback von der Jury bekommt, so das ich überhaupt nicht wusste, was sie davon dachten..
Die Wertung habe ich erst beim Preisträgerkonzert am Tag danach erfahren. Am Samstag habe ich noch gespannt bis 10 Uhr auf den Anruf gewartet, denn die Leute die am Preisträgerkonzert spielen sollten, sollten am Samstag noch angerufen werden. Also ich saß die ganze Zeit zu Hause, war glücklich und warte auf den Anruf, ich war mir fast sicher das sie mich deswegen anrufen würden.. wie gesagt ich habe mir da Illusionen gemacht, es war dumm von mir und somit war die Enttäuschung am nächsten Tag noch größer.
Als ich das Ergebnis im ersten Moment gehört habe, dachte ich mich trifft der Schlag. Ich dachte mir, dass alles umsonst war, das ich nichts kann und das ich ein totaler Versager bin, was Gitarrespielen betrifft. Ich habe es den Leuten, die gute Ergebnise erzielten nicht gegönnt, und war schon nahe dran, die Veranstaltung zu verlassen. Das war einfach eine emotionale Überreaktion, jetzt kann ich das ganze rational überdenken und ich sehe es ganz anders.. doch der erste Moment war wirklich hart für mich.

Am Montag hatte ich dann ein telephonisches Beratungsgespräch mit einer Person aus der Jury. Die Gründe für die Bewertung sind in meinen Augen sehr oberflächlich. Mein Sarabande wäre sehr schön gewesen, der Bourree zu langsam, so das die charakteristik des Tanzes flöten gegangen ist, der Sor technisch ein wenig zu unsicher und zu langsam gespielt, bei der vierten Villa Lobos Prelude hab ich den Anfangsteil rhythmisch zu frei gespielt, der mittlere Teil hätte viel schneller sein müssen. Und überhaupt wären die Stücke für meine Altersstufe zu leicht gewesen, für mich waren sie technisch allerdings noch zu schwer.. NAJA :)

Ich möchte damit auf keinen Fall die Entscheidung der Jury kritisieren, ich bereue es auch nicht, mitgemacht zu haben. Wie man sieht habe ich viele Erfahrungen gemacht, das Ergebnis ist trotzdem sehr hart. Dafür bin ich jetzt umso motivierter, mehr zu üben. Schließlich muss ich meine Defizite ja wieder ausgleichen. Ich meine, ich spiele ja auch erst seid 2,5 Jahren ernsthaft, die meisten anderen die an solchen Wettbewerben teilnhmen haben schon seid dem sie 6 oder 7 sind gute Lehrer..

Ich hoffe, es gibt den Einen oder Anderen unter euch, der sich die Mühe gemacht hat dies alles durchzulesen. Mir hat es sehr geholfen, dass nochmals schriftlich so zu verarbeiten und über Reaktionen werde ich mich sehr freuen :lol: :lol: Fragen beantworte ich auch noch gerne..

Also nen angenehmen Abend noch, der Gitarero der jetzt wieder gute Laune hat;-)
Meine Gitarre und Bach und ich bin glücklich;-)

Bernhard
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Beitrag von Bernhard » So 05.Feb 2006, 21:53

Hallo,

find ich gut, das du den Kopf nicht hängen lässt.
Ich hab mir grad noch mal deine mp3´s von Bach und Sor angehört.
Leider bin ich kein Profi, eine genaue Beurteilung abzugeben, aber klingt doch super!
Solche Wettbewerbe sind, denk ich, nicht sehr objektiv, weil man nicht immer die Leistung bringen kann, welche man vielleicht wirklich hat.
(ich wär bei sowas wahrscheinlich im Boden versunken)

War sehr informativ und interresant, deine Beschreibung.

vG Bernhard

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » So 05.Feb 2006, 22:13

Hallo Gitarero,

kann ich gut nachvollziehen, dass Du zuerst was niedergeschlagen warst. Aber ich find es prima, dass Du positiv an die Sache heran gehst. Außerdem finde ich es gut, dass Du nicht versuchst, der Jury den schwarzen Peter zuzuschieben.
Gitarero hat geschrieben:Dafür bin ich jetzt umso motivierter, mehr zu üben.
Genau das ist die richtige Reaktion!
Wenn ich bedenke, dass Du erst seit 2,5 Jahren ernsthaft spielst, dann ist da noch jede Menge Potential, das nur darauf wartet, abgerufen zu werden.
:okok:

Gruß
Zorolowski

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 05.Feb 2006, 22:15

Hallo Gitarero,

vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht. Deine Enttäuschung kann ich gut verstehen. Besonders gut nachvollziebar hast du deine Gefühle direkt vor und während der Aufführung beschrieben. Etwas beim Konzert falsch zu spielen, wird erst dann zum richtigen Fehler, wenn man sich damit beschäftigt aber gleichzeitig weiterspielen muss. Dies ist vielleicht eine für dich sehr wichtige Erkenntnis, so einen Punkt zu überwinden. Vollen Respekt auch für deinen Lehrer, der dich offenbar gut auf solch eine Situation vorbereitet hat. Natürlich ist eine Jury-Bewertung immer eine subjektive, sie hängt von vielen Faktoren ab. Lass dich dadurch nicht aus dem Weg werfen. Irgendwann findest du diesen Weg schon ganz alleine.
Jedenfalls möchte ich dir meiner vollen Sympathie versichern. So wie du das erzählst und was du bisher hier im Forum abgeliefert hast, möchte ich dich vorbehaltlos zu den Besten rechnen.

Gustaw

Steffen
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Beitrag von Steffen » Mo 06.Feb 2006, 12:26

Hallo gitarero,
erst einmal Glückwunsch an Dich die Situation gemeistert zu haben !!! :D

Da ich in Deinem Alter noch nicht gespielt habe kann ich auf diese Erfahrungen nicht zurückgreifen - aber laß mich mal einen Vergleich ziehen. Ich habe über 10 Jahre Leistungssport betrieben. Da habe ich eine vergleichbare Situation oft erlebt. Ich weiß noch genau - 4. bei den deutsche Meisterschaften, haarscharf an der Plazierung vorbei! Erst mal war ich da schon enttäuscht. Doch nach ein paar Stunden mußte ich mir eingestehen, daß ich vorher eher so auf einen 7. bis 10. Platz geschätzt hätte und dann mußte ich sagen: ".. he, ich bin 4. geworden - super!" Ab da änderte sich meine Einstellung. Ein gutes Rennen und gegen eine sehr starke Konkurrenz nur 5. zu werden machte mich mehr glücklich als in einem schwach besetzten Rennen zu gewinnen.

Zudem hast Du ja zum einen auch die bestätigung Deines Lehrers bekommen und könnt dann ja gut an der Verbesserung arbeiten.

Also nochmals herzlichen Gückwunsch!

Steffen

jahro
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Beitrag von jahro » Mo 06.Feb 2006, 12:44

Hallo Gitarero,

ich habe deinen Bericht mit grossem Interesse gelesen.
Du hast sehr, sehr viel aus der Veranstaltung mitgenommen.
Das wirst Du vielleicht im Moment anders sehen.
Was ich gut verstehen kann.
Der Bericht zeigt deine Reife.

Technik, kann man erlernen.
Musikalität besitzt Du, dass hast Du hier schon mehrfach unter Beweis gestellt.

Aber es gibt Dinge, die viel schwieriger sind im Leben.
Zum Beispiel sich solchen Situationen zu stellen und sie dann auch zu verarbeiten.
Beides hast Du nach meiner Empfindung bravorös gemeistert.
Auch wenn das vordegründige Ergebnis nicht deinen Erwartungen entsprach.

Gerade beim verarbeiten dieser Situation hast Du wirklich
die richtige Schlüsse gezogen.

Mach weiter, mit Geduld und Respekt vor deinen eigenen Leistung.
Habe Spass an der Musik.

Vielen Dank für diesen wirklich tollen, sehr persönlichen Bericht.

Viele liebe Grüsse
jahro

lautenist
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Beitrag von lautenist » Mo 06.Feb 2006, 12:52

Hallo,

vielen Dank für Deinen Bericht.
Es freut mich, dass Du das Ganze doch gut zu verarbeiten scheinst.
Ich habe viel von JuMu gehört und habe so meine Vorurteile: JuMu würde nur die motivieren, die gut abschneiden, ein sinnloser Konkurrenzkampf unter "Kollegen" würde künstlich geschaffen, eine objektive Wertung eines künstlerischen Vortrags sei eigentlich nicht möglich, ich habe generelle Vorbehalte gegen ein sogenanntes Fachpublikum ("zu leichte Stücke für Deine Altersklasse" - daneben frage ich mich, was das für Gestalten sein müssen, die zu einem Konzert gehen, um die negativen Seiten zu hören - ich will ja spielen, damit die Leute meinen Vortrag geniessen!) usw.

Ich finde es schön, dass Dein Erfahrungsbericht mich in einigen Teilen belehrt, dass ich daneben liege.
Ich halte immer noch nichts von solchen Wettbewerben, aber leider gehören sie zum Alltag des heutigen Musikers und JuMu ist wohl eine Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten (seufz).
Aber Ernst nehmen darf man das nicht. Ich habe auch ein paar mal auf Festivals gespielt und die Meinungen/Bewertungen des fachpublikums waren oftmals sowas von daneben, dass ich (nach anfänglicher Betroffenheit) schlussendlich lachen musste. Die Kritiken ernst zu nehmen ist sicher erst einmal richtig, aber versuche, sie auch zu gewichten und die Plausibilität zu hinterfragen.
Auf einen weitereren Punkt hat mich eine meiner Sängerinnen aufmerksam gemacht, die an solchen Wettbewerben in Italien teilgenommen hat (gut - das eben auf einer anderen Ebene). In der Jury sitzen meistens Lehrer und dass die ihre eigenen Schüler anders hören als völlig fremde liegt schon auf der Hand, nicht?

Beste Grüsse sendet der
Lautenist

Gitarero
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Beitrag von Gitarero » Mo 06.Feb 2006, 14:56

Hallo,

herzlichsten Dank euch allen, dass ihr euch die Zeit genommen habt den Bericht zu lesen und sogar so viel Einverständnis zeigt.. das hätte ich echt nicht erwartet :) :) Eure Einträge und Reaktionen deuten auf sehr viel Mitgefühl. Jetzt denke ich umso mehr, dass es sich gelohnt hat am Wettbewerb teilzunehmen und es hilft auch sehr bei der Verarbeitung, von anderen verstanden zu werden. Im Prinzip habe ich durch dieses Ereignis genau so viel dazu gelernt, als wenn ich irgendwie gewonnen hätte oder besser abgeschnitten hätte.. was natürlich nicht heißen soll, dass ich nicht lieber gewonnen hätte :wink: Ich denke, dass falls ich später mal bei einem anderen Wettbewerb teilnehmen sollte, ich ganz andere Erwartungen haben werde und es auch ganz anders betrachten werde.. und nochmals vielen Dank für euer Interesse und Verständnis, dies tut wirklich gut. Ihr seid echt die Besten!!!

Beste Grüße, Gitarero

@Lautenist ("zu leichte Stücke für Deine Altersklasse" - daneben frage ich mich, was das für Gestalten sein müssen, die zu einem Konzert gehen, um die negativen Seiten zu hören - ich will ja spielen, damit die Leute meinen Vortrag geniessen!)

Ja das ist auch so eine Sache. Mein Lehrer hat mir gesagt, dass den Juroren grundsätzlich auffällt, was man besser hätte machen können oder was beim Vortrag gefehlt hat, dass sie aber nicht die äußerst schön gespielten Passagen werten, oder dafür einfach keine Ohren haben. So das am Ende vielleicht die gewinnen, die die wenigsten Fehler, an deren Spiel man am wenigsten aussetzen konnte, gewinnen. Doch nicht unbedingt die, die zum Teil auch äußerst gut gespielt haben. Aber die Leute die bei diesem Wettbewerb weiterkommen oder gewinnen sind schon alle wirklich sehr gut.
Meine Gitarre und Bach und ich bin glücklich;-)

Silvius
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Beitrag von Silvius » Mo 06.Feb 2006, 18:34

Hallo Gitarero,

ich finde, dass ein zweiter Preis bei "Jugend musiziert" ein hervorragendes Ergebnis ist.
Ich war in diesem Jahr beim Regionalwettbewerb hier bei uns (Weinsberg/Heilbronn) als
Zuhörer--das Niveau ist schon in Altersgruppe II so hoch,
dass mancher Gitarrenlehrer mit einem 2. Preis zufrieden
wäre.
Als langjähriger "Jugend musiziert"-Zuhörer habe ich
auch die Beobachtung gemacht, dass Jugendliche die im
Wettbewerb "nur" einen zweiten oder dritten Preis gemacht
haben, oft beim darauffolgenden Wettbewerb drei Jahre später
einen ersten Preis gewinnen.
Du musst allerdings jetzt mit der Vorbereitung für den Wettbewerb in drei Jahren beginnen. Die anderen machen das auch.

Viele Grüße
Silvius

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Mo 06.Feb 2006, 20:12

Hallo, Gitarero,
es ist wirklich verdammt hart, wenn man erkennen muss, dass das Beste, was man momentan in der Lage ist zu geben, nicht ausreicht, um ein erträumtes Ziel zu erreichen- eine Situation, die sich unangenehmerweise in vielen Lebensbereichen immer mal wiederholen wird. Du gehst schon jetzt bewundernswert souverän damit um!
Auch wenn Du erst mal enttäuscht warst über das Ergebnis, möchte ich Dir dennoch ausdrücklich gratulieren. Nicht nur die olympische Idee möchte ich hier anführen- immerhin hast Du jetzt Wettbewerbserfahrungen vielen von uns voraus – ich finde auch, dass Du entscheidendes für Dich mitgenommen hast.
Lass mich Deinen Bericht doch mal durch die rosarote Brille 8) anschauen:
:okok: Der Wettbewerb hat Dich motiviert, viel zu üben.
:okok: Du hast jede Menge Arbeit, Zeit, Energie und Überlegungen investiert, Dir ein Programm zu erarbeiten, das Deinen Fähigkeiten nach relativ kurzer Zeit ernsthafter Beschäftigung mit Deinem Instrument entspricht.
:okok: Du hast es so vorgetragen, dass Du anschließend völlig euphorisch warst und Dein Lehrer Dir ein tolles Feedback gegeben hat.
:okok: Du hast erfahren, dass sich Unsicherheit und Nervosität tatsächlich bezwingen lassen.
:okok: Du hast ein funktionierendes Konzept, mit schwierigen oder nicht optimal gelungenen Stellen erfolgreich umzugehen.
:okok: Wie Dich Dein Lehrer durch diesen Tag begleitet hat, beweist deutlich, dass er Dein Vertrauen wirklich verdient.
:okok: Du hast aus dem Ergebnis absolut erwachsene Schlüsse gezogen.


Dieses Fazit kann sich doch sehen lassen, oder?!?
Und nicht zuletzt beweist Deine Signatur hier, dass Dein Wissen darum, dass Deine Gitarre und Du zusammengehört, von den Ergebnissen bei einem Wettbewerb völlig unabhängig ist.
Herzlichen Dank, dass Du uns so hautnah und detailliert an Deinen Erfahrungen teilhaben lassen hast!
Anna

aläx
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Beitrag von aläx » Mo 06.Feb 2006, 22:39

Hallo Guitarero

Zunächst mal muss ich dir sagen, dass mir dein Bericht super gefallen hat und obwohl ich mich bestimmt schon mit vielen Wettbewerbsteilnehmer unterhalten konnte hat das noch keiner so plastisch geschildert was da in einem vorgeht.
Ich finde es toll wie du es verarbeitest und eben auch der Jury nicht die schuld gibst obwohl ich in der Vergangenheit schon Dinge erlebt habe da stellts einem die Haare auf.
Vor über 20 Jahren saß z.B. in München immer ein Juror dabei, bei dem hattest du bereits verloren wenn du keine spanische Gitarre gespielt hast. Da gabs eben auch gewisse Lobbys wie es auch heute noch gibt und wenn du auch heute noch auf Hochschulwettbewerben die natürlich auf einem anderen Niveau abhgehalten werden erlebst, wie da bereits im Vorfeld die Sieger "unter der Hand" ausgehandelt werden bekommst du Pickel!!
Nichtsdestotrotz sind Wettbewerbe eine Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen und vor allem kannst du da deine "Bühnentauglichkeit" unter Beweis stellen. Das ist nämlich auch so eine Sache. Ich habe einige kennengelernt die habe gespielt wie die Weltmeister wenn man am Abend auf den Kursen zusammengesessen ist und vielleicht auch schon ein bißchen Wein konsumiert worden ist. Auf der Bühne wars dann vorbei mit der Herrlichkeit und das hat die Leute unterschieden.
Ich kenne wie gesagt einige Sieger von Jugend musiziert von damals und das waren diejenigen die mit der Situation am besten umgehen konnten.
Dein Posting zeigt mir, dass du damit umgehen kannst und das bei dir vielleicht noch technische Mängel da sind die du aber , vor allem wenn man bedenkt dass du erst seit zwei Jahren ernsthaft spielst, abzustellen sind.
Bleib auf diesemm Weg, sei positiv und der Rest wird kommen.
Wie bereits gesagt haben viele JUMu Sieger nicht mit dem siegen begonnen sondern sich eben über zweite Plätze bei Regionalwettbewerben erstmal an den großen Erfolg rangetasten.
Das nächste mal hast du eine Erfahrung die du diesmal nicht hattest und ein positives Gefühl, dass du dir durch die Entscheidung nicht verhageln solltest.
Mach weiter!!!
Noch ein Tipp.
Wenn du von einem Juroren hörst, dass die Stücke zu "leicht" waren und du aber z.B. das vierte Präludium von Villa Lobos dabei hattest dann bekomme ich Magenschmerzen.
Dieses Stück ist vielleicht rein technisch gesehen nicht in der höchsten Kategorie aber ich persönlich finde es hammerhart dieses Stück gut zu spielen.
Da spiele ich lieber die Mozartvariationen, denn da gehts mit entsprechender Technik einfach leichter das Stück überzeugend rüberzubringen.


tschau Aläx

Gast

Beitrag von Gast » Di 07.Feb 2006, 19:46

Wenn du von einem Juroren hörst, dass die Stücke zu "leicht" waren und du aber z.B. das vierte Präludium von Villa Lobos dabei hattest dann bekomme ich Magenschmerzen.
Dieses Stück ist vielleicht rein technisch gesehen nicht in der höchsten Kategorie aber ich persönlich finde es hammerhart dieses Stück gut zu spielen.

Gitarero
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Beitrag von Gitarero » Di 07.Feb 2006, 22:09

Hi David,

schön das du einen so ausführlichen Bericht geschrieben hast, ich habe ihn mir sehr gerne durchgelesen und wie du weißt war ich schon sehr gespannt darauf :wink: Ich meine, viel kann ich dazu nicht sagen. Ich finde es echt toll, dass es so gut gelaufen ist für dich. Du bist in diesem Gebiet sehr professionell und erfahren. Ich meine, du hast genau das erreicht, was ich mir erträumt habe. Doch ich weiß, dass meine Träume in diesem Moment nur Illusionen waren, es ist natürlich nachvollziebar, schon alleine wenn ich überlege was du für ein Programm mit 15 Jahren aufgestellt hast und wie du es vorgetragen hast.. Ich finde es auch interessant für die anderen Leser, jetzt 2 so unterschiedliche Berichte zu lesen. Einmal von jemandem der nicht so erfreut über sein Ergebnis war und einmal über jemanden der überglücklich ist..

Ich habe auch Respekt davor, dass du sagst beim Auswendigspielen ein paar Holperer gehabt zu haben, doch dich so gut daraus gerettet hast. Ich finde das sehr schwer, wenn man noch diesen Streß berücksichtigt, den man beim Vorspielen hat. Ich habe auch auswendig gespielt und es ist mir zum Glück nicht passiert.. ich kann mir wohl ausmalen, wie es ausgegangen wäre :roll: Naja mein Programm war ja auch nicht soo lang und schwer wie deins..

Prinzipiell die Ratschläge, die du mir gegeben hast sind natürlich sehr richtig. Ich hätte mich über jede Gelegenheit, in der ich hätte vorspielen können sehr gefreut, doch leider waren es nur 2..
Ich weiß natürlich auch, dass es sinnlos ist darüber nach zu denken, was die anderen in deiner Altersstufe spielen. Es ging mir in meinem Bericht halt nur darum, meine Gedanken und mein Befinden zu schildern und dies ging mir in dem Moment einfach durch den Kopf... das mit dem Ernst meinen der Jury gegenüber mir, war so gemeint das sie dachten " mmh naja, der Junge hat nicht so besonders gespielt, 19 Punkte sollen in Ordnung sein " Ich weiß natürlich auch, dass dieser Gedankengang nicht richtig ist, doch so funktionieren nun mal meine Gedankengänge. Ok, aber das soll jetzt auch nicht das Thema sein.

So als Schlusswort, ich hoffe dann in so 2 Monaten auf deinen nächsten Bericht;-) der muss dann auch nicht mehr soo ausführlich und lang sein, aber eigentlich gerne doch :wink: Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Glück und so, das halt alles so glatt läuft wie beim Ersten, dann habe ich bei dir auch keine Bedenken :wink: Also ich freue mich jetzt zumindest, dass ich wenigstens neue Stücke machen kann, haha.

Also Grüße, Gitarero


P.S mir fällt gerade ein, dass du geschrieben hast, man sollte ohne Erwartungen an so einen Wettbewerb gehen. Ist in der Theorie vll auch richtig. Aber man versucht ja schon sein Bestes zu geben und dann setzt man sich auch das möglichst Beste als Ziel. Ist ein krasses Beispiel, aber wenn du 22 Punkte bekommen hättest, hättest du schon arg aus der Wäsche geguckt 8) Egal, darüber haben wir uns ja auch schon unterhalten, also machs gut
Meine Gitarre und Bach und ich bin glücklich;-)

Gast

Beitrag von Gast » Di 07.Feb 2006, 22:14

P.S mir fällt gerade ein, dass du geschrieben hast, man sollte ohne Erwartungen an so einen Wettbewerb gehen. Ist in der Theorie vll auch richtig. Aber man versucht ja schon sein Bestes zu geben und dann setzt man sich auch das möglichst Beste als Ziel. Ist ein krasses Beispiel, aber wenn du 22 Punkte bekommen hättest, hättest du schon arg aus der Wäsche geguckt Cool Egal, darüber haben wir uns ja auch schon unterhalten, also machs gut
du hast vollkommen recht... ;)

der landeswettbewerb ist schon in 5 1/2 wochen...
und zwischen durch 3 konzerte und 3 arbeiten... gott... der märz wird hart...

danke!!

gruß
david

wseibert
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Registriert: Mi 25.Jan 2006, 14:56
Wohnort: Dortmund

Beitrag von wseibert » Mi 08.Feb 2006, 12:14

Hallo Gitarero,

ein wirklich toller und nachvollziehbarer Bericht.

Ich habe zwar keinerlei Erfahrungen mit Musikwettbewerben, aber kenne ähnliche Situationen vom Sport.
Besonders beeindruckend fand ich die Ehrlichkeit, mit der du uns deine Gefühle nach dem Wettbewerb ("das Ding in der Tasche") und deine Reaktion auf die Bewertung ("mich trifft der Schlag") geschildert hast. Das zeigt deine Reife und macht mich sicher, dass du dich davon nicht demotivieren lässt - im Gegenteil.

:bravo: und Respekt!