Hilfe bei Bach BWV 999 im Abitur!

Mothman
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Hilfe bei Bach BWV 999 im Abitur!

Beitrag von Mothman » Mi 08.Feb 2006, 19:45

Hallo alle!!! ich wende mich jetzt mal an dieses forum, weil ich schon überall rumgesucht habe und mich sogar mein eigentlich heiß geliebtes Wikipedia im stich gelassen hat. Ich habe in 5 tagen mein fachpraktisches Abitur in Musik mit der gitarre. und dabei muss ich ein "Interpretationsgespräch" über BAchs "präludium in d-moll (original in c-moll), BWV 999" führen. aber ich finde kaum etwas über dieses stück.
ich würde mich aber sehr freuen, wenn mir jemand noch etwas dazu sasgen könnte. Eine meiner großen fragen lautet zum beispiel: da ein Präludium bis zum 19. jdht gemäß dem Namen vor einem anderen stück stand (Suite, fuge,...), aber im internet überall steht, dass bwv 999 wirklich nur ein alleinstehendes präludium sei, wie kommt das denn? oder ist das vielleicht auch ein Präludium zu einer suite (wie bach ja um bwv 990 herrum ein par geschrieben hat)??
ich würde mich freuen, wenn hierzu jemand etwas wüsste, und vielleicht auch noch andere dinge zum stück. ich meine ich muss da etwa 5 minuten reden..........

ich hoffe, es gibt hier auch experten für BAch allgemein.......

danke schon mal im vorraus



Tobias

lautenist
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Re: Hilfe bei Bach BWV 999 im Abitur!

Beitrag von lautenist » Do 09.Feb 2006, 2:04

Mothman hat geschrieben:Hallo alle!!! i


Tobias
Hi Tobias,

BWV 999 (original c-Moll) ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Es gibt ja nicht viele Werke, die von bach sicher für die Laute bestimmt wurden und in seiner Handschrift noch weniger. BWV 999 schon (ich habe das Faksimile an anderer Stelle schon gepostet).
Niedergeschriebene Präludien sind imBarock übrigens recht selten und oft nicht ergiebig. Das Zeugs wurde üblicherweise improvisiert. Bach hat diese, wie auch Kadenzen aber sehr oft ausnotiert - man könnte sagen er meinte, niemand spielt sie so schön wie er.
Zur Entstehungsgeschichte von BWV 999 ist vieles möglich und wenig gesichert - zum Beispiel könnte es gut sein, dass es für Sylvius Leopold Weiss geschrieben war, mit dem Weiss ein Wettimprovisieren veranstaltet hat (wobei Weiss auf der Laute Bach auf dem einfacher zu handhabendem Clavie - damals = Cembalo - nicht unterlegen gewesen war). Dass Bach selbst die Laute spielte ist übrigens unsicher. Es wurden zwar in seinem Erbe auch Lauten gelistet, was aber sicher nicht bedeutet, dass er sie gespielt hat. Vor allem, weil es wahrscheinlich Mandoren oder Galichon waren. Oh weh! :roll: Ich komme ins Schwätzen! :oops:
Frage am besten konkret, dann kann ich was erzählen. Vor einer Weile hatte ich mich mal etwas mit Bachs "Lautenwerk" beschäftigt und kann für ein Fachabi sicher brauchbare Auskunft geben (hat auch schon für etwas höhere Abschlüsse gereicht, da aber in Persona und mit jeder Menge Papier - letzteres kannste auch haben, wenn Du brauchst).

Gutes Nächtle wünscht der
Lautenist
(nach wieder mal 3 Stunden Encouragement - langsam wird's ...)

jahro
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Beitrag von jahro » Do 09.Feb 2006, 13:13

Hallo Tobias,

hier hab ich Dir noch zwei Links zum Thema Bach

http://www.jsbach.net/
http://jan.ucc.nau.edu/~tas3/bachindex.html

Vielleicht kannst Du da auch was nützliches finden.

Viel Erfolg

jahro

Mothman
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Beitrag von Mothman » Do 09.Feb 2006, 17:35

Hi!
erst mal danke an euch!!
die beiden Links habe ich angeschaut. den ersten hab ich selber schon mal gefunden. da sind all seine Werke aufgelistet, aber blöderweiße hat der autor eben für bwv 999 keine genauere beschreibung mitgeliefert. und beim 2. link konnte ich bis jetzt noch nichts finden, da gehts eher um fugen und so.
aber lautenist, da du eine konkrete Frage besser beantworten kannst, habe ich eine, die mir die kommission auch stellen könnte: Warum steht dieses Präludium denn alleine? gehörte es vielleicht mal zu einer suit, die heute aber verschollen ist? oder hat es eine spezielle widmung? Nicht einmal mein Gitarrenlehrer wusste hierrüber bescheid.........

also, danke nochmal, für die informationen. und Infomateeerial in Papierform, dazu isses jetzt wahrscheinlich zu spät, die prüfung is schon in 4 Tagen. Trotzdem Danke!!

Musikalische Grüße

tobias

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 09.Feb 2006, 18:16

Mothman hat geschrieben:aber lautenist, da du eine konkrete Frage besser beantworten kannst, habe ich eine, die mir die kommission auch stellen könnte: Warum steht dieses Präludium denn alleine? gehörte es vielleicht mal zu einer suit, die heute aber verschollen ist? oder hat es eine spezielle widmung?
Hi,

ne Widmung oder sowas in der Richtung hat das Stück nicht. Eben "Pour la luth" und das war's. Merkwürdig auch, dass sie (wie auch BWV 995 "Pour Schouster") in Claviernotation und nicht in der damals für Lautenliteratur üblichen Tabulatur notiert ist.

Es ist nicht bekannt, dass Bach eine Lautensuite geschrieben hat (sind alles Arrangements), zur c-Moll Suite (eine Bearbeitung) passt sie nicht und die unseelige Allianz mit BWV 1000 (Fuge in g-Moll) ist eine Erfindung der Moderne. Dort macht es mehr sinn, was viele Lautenisten machen: Nämlich Bearbeitungen aus der Violinsonate zu spielem, in der diese Fuge als Violinsolo ebenfalls vorkommt.
Das Autograph findet sich heute in Brüssel in der Bibliothek (ehemalige Sammlung Fètis). Fetis war Sammler und hat im 19.Jahrhundert viele Manuskripte und alte Drucke erworben unter anderem bei einer Auktion des Verlagshauses Breitkopf (viel aus seiner Sammlung wird als Faksimile vom Verlag Alamire vertrieben). Dummerweise ging dadurch teilweise der Hintergrund verloren. Es finden sich auch viele Sachen in der Sammlung, die das Kürzel LAVG (Luise Adelgunde von Gottsched) tragen, die Frau des Literaturgelehrten war und einige Einträge in dessen Enziklopädie machte (vor allem, was die Musik betrifft) und viele Musiker ihrer Zeit kannte. BWV 999 trägt aber nicht dieses Kürzel.
Vor diesem Hintergrund wäre alles, was man sagt reine Spekulation/Mutmassung.
Sicher ist es ungewöhnlich, ausgerechnet ein Preludium als Unikat zu haben. Die anderen Stücke, die Bach für Laute gedacht hatte waren ja alles Bearbeitungen (eigentlich nur BWV 995 in g-Moll => Cello-Suite 5). Die Fuge BWV 1000 sowie die c-Moll Suite und nochmal die g-Moll Suite existieren noch in zeitgenössischen Bearbeitungen durch die Lautenisten Weyrauch und Falckenhagen. Die anderen Stücke (e-Moll und e-Dur suite) sind wohl fälschlicherweise als Lautenwerke tituliert - sie sind eher für's Lautenwerk gedacht, ein Klavier/Cembalo, das versucht, die Laute zu imitieren.
Die Laute kommt sonst noch in verschiedenen Kompositionen Bachs vor, der verschollenen Urfassung der Markus-Passion, der Johannespassion (mit einigen obligaten Passagen) und ansonsten als Continuoinstrument.

Ich denke, dieses kleine Stück ist schon mysteriös, vielleicht eine Fingerübung? Vielleicht eine Gedächtnisnotiz eines Preludiums, das ein lautenist, der bei Bach zu Besuch war (und das waren einige) spielte? Unmöglich festzustellen!
Vielleicht ist eine harmonische Analyse recht sinnvoll. Was macht das Stückelchen für Progessionen? Das Thema im Bass verdient der Beachtung ... zu erzählen gibt es viel.

Ich hoffe, das hilft etwas
Der Lautenist

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Beitrag von jahro » Do 09.Feb 2006, 18:59

Hallo Lautenist,

ich habe gerade in Walter Kolneder's Bachlexikon gelesen,
dass BWV 999 die Bearbeitung eines Clavierwerkes sein.

Vielleicht hilft diese Info.

Viele Grüsse
jahro

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 09.Feb 2006, 22:08

jahro hat geschrieben:Hallo Lautenist,

ich habe gerade in Walter Kolneder's Bachlexikon gelesen,
dass BWV 999 die Bearbeitung eines Clavierwerkes sein.

Vielleicht hilft diese Info.

Viele Grüsse
jahro
Hi Jahro

Diese Info scheint mir falsch zu sein. Welches Klavierwerk sollte das denn sein? Warum ist es autograph?

Nicht sehr plausibel ...

meint der Lautenist

jahro
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Beitrag von jahro » Do 09.Feb 2006, 23:16

Hallo Lautenist,

stand halt so in dem Lexikon.

Was ich noch gefunden habe, ist eine Einspielung von der
Bach-Akademie (Hänssler)

Musik für das Lautenklavier
BWV 999 Präludium c-Moll
BWV 921 Präludium (und Fantasia BWV 1121) c-Moll
BWV 1121 Fantasia c-Moll
und andere

Robert Hill, Lautenklavier
Aufnahme 1998

Hier

und

hier gabs auch noch eine Info

Vielleicht meinte der Autor auch ein Lautenklavier.

Gruss
jahro

Mothman
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Beitrag von Mothman » Sa 11.Feb 2006, 18:00

Hallo!
Danke schon mal Für die Informationen. Das war mir alles bisher wirklich nützlich und wird mir am Montag weiterhelfen!
jetzt bin ich aber gerade in eine tiefe Kriese gestürzt: als ich das stück zum ersten mal hörte (gespielt von Julian Bream) fiel mir sofort das ende auf. Ein mollstück endet mit einem Durakkord. Nach anfragen bei verschiedenen musik-studierten sagte man mir das nenne sich Picarische terz. das habe ich dann aber auch Im internet wiedergefunden. Nun sagte mir aber meine Mutter gerdae (ebenfalls Musik-studierte), dass eine Picarische terz nur dann vorliegt, wennd as stück im mollakkord des selben Tones aufhöre, sprich bei Bach müsste es d-dur sein. Es ist aber a-dur!!!!! Ist das Auch eine picardische Terz? doer hat das vielleicht einen andern Namen (im prinzip ja ein Halbschluss, da a-dur ja die Dominante von d-moll ist, aber diese Tonstufen gabs ja im Barrock noch nicht.......)!!!
ich hofe irgendwer liest diese anchricht noch vor meiner Prüfung und kann mir dabei helfen!!!!

nochmals danke für die bisherige Hilfe!!!

tobias, verzweifelter Gitarrist

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Mo 13.Feb 2006, 19:48

tobias, verzweifelter Gitarrist, hat geschrieben: ... war mir alles bisher wirklich nützlich und wird mir am Montag weiterhelfen!
Und?? Hat sich die Verzweiflung gelegt? Haben die Tipps und das Daumendrücken der Delcamper geholfen??
Überhaupt nicht neugierig,
Anna

Mothman
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Beitrag von Mothman » Di 14.Feb 2006, 18:54

Oh, und wie es genützt hat! CIh danke euch allen nochmal recht herzlich für die hilfe. Ich habe 11 punkte erreicht. das größte probklem is meine nervosität. die bringt das ganze instrument in schwinnung und ich treff keine saite mehr...... nunja, aber mit 11 bin ich mehr als zufrieden!! ich hätte weniger erwartet........
das interpretationsgespräch war eben echt super, cih habe denen alles erzählt, was ich jetzt über das stück wusste, und sie haben dann kaum fragen gestellt. eigentlich nur eine, und das ist mir jetzt noch peinlich dass ich das nicht gesehen hab: die frage war, was ist hier typisch barrock. ich hab nichts sagen können. dann weißen sie mich noch darauf hin, ich solle den Basston mal anschauen. ich hab nix verstanden. erst nach ner halben ewigkeit hab ich gewusst was sie meinen: ein Orgelpunkt!!! und sowas überseh ich, wo er doch soooooooo deutlcih war...... naja, ansonsten einfach klasse.

danke nochmal an alle für die infos und tipss (und fürs daumendrücken!!!) !!!!!!!

beste dankbare grüße

tobias

jahro
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Beitrag von jahro » Di 14.Feb 2006, 19:48

Hallo Tobias,

das freut mich riesig für Dich.

Herzlich Glückwunsch.

Schön, dass wir Dich unterstützen konnten.

Also feier schön

Bis dann
jahro