Welches Repertoire habt ihr?

simon82
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Welches Repertoire habt ihr?

Beitrag von simon82 » Fr 17.Feb 2006, 17:20

Beim stöbern in meinem Notenbestand(etwa 100 Stücke) habe ich festgestellt dass ich erschreckend viele Leichen im Keller hab :cry: ,also angefangene Stücke die ich nie zu ende gebracht habe.
Ich hab gemerkt dass ich bei einer täglichen Übezeit von sagen wir einer stunde immer nur so drei vier stücke hab,die ich wirklich fehlerlos durchspielen kann.

Ich wollt einfach mal fragen was ihr für ein Standardepertoire habt und was zu eurem erweiterterten Repertoire gehört, und vieleicht noch was ihr für lang- und kurzfristige Ziele habt. Auch ihr (junggebliebenen) älteren: was habt ihr euch im Lauf der Jahre draufgeschafft.

Ich zum Beispiel hab die zwölf Etüden von Villa-Lobos(die nicht billig waren) wieder tief ins Regal zurückgeschoben (bis die Zeit kommt, in der ich wieder 16 Stunden am Tag üben werde :D :) :? :( )

Würd mich freuen wenn sich ein paar melden

Ein etwas ernüchterter 23jähriger Gitarrenspieler
Gibts nicht geht nicht

pasinger-gitarrenmusik
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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Fr 17.Feb 2006, 18:14

Hallo Simon,

als Hobbyspieler kommt es wohl tatsächlich darauf an, ob man die Meisterklasse erreichen will oder nicht. Für meine Mitspieler und mich kann ich sagen, dass von uns keiner regelmäßig Etüden "paukt". Wir suchen uns Stücke in unserer Spielstärke (mittel bis schwer) und üben daran. Manches geht relativ schnell von der Hand, manches braucht eben seine Zeit. Sinn und Zweck ist für uns der Spaß an der Freude.

Unser Ergeiz wird durch regelmäßige Auftritte befriedigt, da wir alle zwei Monate neues (wenn möglich mit etwas Ausgestaltung und natürlich möglichst fehlerlos) darbieten wollen. Da auch noch andere mit uns auftreten, sind wir im Wettbewerb um das Publikum.

Ich benutze mir bekannte Übungen oft zum "warmspielen". Dann und wann versuche ich mich danach an neuen Schwierigkeiten. Aber schöne Stücke gibt es in allen Schwierigkeitsgraden (vor allem auch bei Delcamp).

Unser klassisches "Standardrepertoire" sind Duos und Trios von von Call (klingt oft schön und ist nicht so schwer), Carulli (leicht bis schwer), Sor, Simon Schneider (mit Vornamen, da ihn wenige kennen werden) und viele Bearbeitungen (z.B. von Teuchert, Behrend ...). Die neuesten Errungenschaften finden sich alle in der "Schatztruhe", die für Delcamper völlig kostenfrei ist !!

Viele Grüße
Dieter
Pasinger-Gitarrenmusik

aläx
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Beitrag von aläx » Fr 17.Feb 2006, 22:17

Hallo simon82

Ich habe mir im Laufe der Zeit Gitarrenliteratur angeschafft die ich nie spielen werde. Da habe ich auch kein schlechtes Gewissen denn man kann nicht alles haben.
Es gab z.B. mal einen Katalog vom Schottverlag; da wurde die Stücke nach Schwierigigkeitsgraden eingestuft.
Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ansatzweise in der Lage war z.B. Capriccio Arabe zu spielen habe ich mir alles gekauft.
Im Endeffekt habe ich jetzt sehr viele Noten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden die ich wohl nie spielen kann und werde.

Um es mal konkret zu sagen

Es gibt nur wenige Spieler die in der Lage sind die 12 Etüden von Villa Lobos technisch und musikalisch hinzubringen!!
Als "nicht professioneller" Gitarrist würde ich mir dazu auch keine Gedanken machen.

Zu deiner Frage

ich nehme mir immer drei Stücke vor und setze mir ein Datum.
Dann möchte ich diese Stücke spielen können und zwar auswendig.
Ich habe früher den Fehler gemacht mich an zu schwierige Stücke ranzuwagen.
Die Erfahrung zeigt mir, dass das keinen Spass macht und ich wie viele andere mal einsehen muss, dass ich nicht John Williams bin.
Seit ich das kapiert habe bin ich lockerer, versuche mich immer noch an eigentlich unspielbaren Stücken und bringe auch mal auf etwas höheren Niveau was zustande.

tschau Aläx

michael1377
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spiele seit 4 Jahren

Beitrag von michael1377 » Sa 18.Feb 2006, 15:34

Hallo,

mein Standard beträgt zur Zeit ungefähr 10 Lieder die ich auswendig spiele. Das Notenlesen fällt mir leider schwer daher lerne ich lieber alles auswendig. Angefangen habe ich mit Stücken von Frau Linnemann und dann weiter mit der Teuchertgitarrenschule. Zu empfehlen sind da Stücke Romance und Malaguenas. Die sind "leicht" zu spielen und hören sich klasse an. Das letzte was ich gemacht habe (was mir sehr schwer fiel und ich so froh bin das ich es jetzt kann) ist retrato Brasiliero von Baden Powell. Das neueste Stück was ich heute angefangen habe klingt auch superklasse und ist von Joao Pernambuc und heisst Maxixe Choro Sons de carilhoes. Ich könnte zwar nach 4 Jahren besser sein komme aber Zeitmäßig nur auf 2,5 Stunden pro Woche.

lg
Micha

Tobias
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Beitrag von Tobias » Mi 01.Mär 2006, 20:23

Hallo Simon,

einen größeren Notenbestandt zu haben ist wohl ganz angenehm. Man hat so seine Hauptstücke, die einem von der Hand laufen, wenn man mal nichts üben will. Und dann hat man halt noch zusätzlich Stücke, wenn man doch mal wieder eine Herausforderung braucht.
Ich finde es aber gut, genügend Stücke zur Auswahl zu haben, denn dann kann man je nach Lust und Laune spielen.
Bei mir liegen die 12 Etüden auch irgendwo im Regal. Keine Ahnung, was mich damals geritten hat, so etwas anzuschaffen, denn das ist überhaupt nicht meine Musikrichtung. Ich gebe zu, die Etüde Nr. 1 spiele ich manchmal als Fingerübung (die mußte ich halt auch im Unterricht lernen).
Ansonsten schaue ich, daß ich an die Noten komme, wenn ich irgendetwas gehört habe, das ich auch spielen möchte bzw. meine Frau vorgespielt haben möchte. Deswegen gehört das meiste was ich an Noten habe auch zu meinem Repertoire. Andererseits habe ich das Gefühl ist mein Notenbestand auch kleiner als Deiner.
Gruß Tobias
Gitarre: Paulino Bernabe - Estudio E-6
Die Sprache der Musik kennt keine Grenzen.

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Do 02.Mär 2006, 16:01

Hallo Simon,

schön, das hast Du ein Thema angeschnitten, über das ich in letzter Zeit auch nachdenke.

Ein Repertoire zusammenzustellen ist eigentlich nicht das Problem, da sich aus Können, Geschmack und ggf. nach seinen Zuhörern gewisse Grenzen ergeben.

Viel schlimmer finde ich, dass man die Stücke so schnell wieder verlernt.
Früher habe ich so einige sehr lange Stücke auswendig gespielt. Wenn ich die heute wieder raushole, muss ich die Stücke erst wieder z.T. lange üben, um sie richtg gut zu können.

Es gibt ein paar Stücke, die kann ich wirklich sehr gut spielen, da ich sie immer wieder aus der Kiste hole und daran arbeite. Aber manchmal hängen die mir schon zum Hals raus.
Aber ich spiele sich trotzdem, weil ich Angst habe, sie wieder zu verlernen.

So, jetzt muss ich schlussmachen, ich melde mich später noch mal!

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Do 02.Mär 2006, 17:52

Hallo Simon,

mein Bestand an Notenmaterial ist mit Sicherheit auch viel größer als das, was ich mal einstudieren werde.

Mein mittelfristiges Ziel (bis zum Herbst) ist es, ein Repertoire von ca. 1,5 Stunden zusammenzukriegen, so dass ich damit auftreten kann. Ich übe momentan meistens um die drei Stücke glechzeitig ein, wobei die Schwierigkeitsgrade sehr variieren. Das sieht dann so aus, dass ich mich so zwei Monate vor dem Auftrittsttermin ausschließlich noch mit den Stücken, die ich spielen will, beschäftigen werde. Abgesehen davon, spiel ich dann nur Stücke, die ich wirklich beherrsche. Es nutzt nix, etwas vortragen zu wollen, das man mit Hängen und Würgen gerade so schafft.

Es werden hauptsächlich Stücke verschiedener Komponisten aus der Renaissance, etwas von Bach, eventuell Händel und vielleicht noch ein bis zwei von Heitor Villa-Lobos dabei sein.

Gruß
Zorolowski

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Fr 03.Mär 2006, 13:04

Hallo Simon,

schmeiß' Deine Ernüchterung über Bord. Mit 23 Jahren bist Du ja noch total jung und kannst noch jede Menge spielen in Deinem Leben.

Ich habe erst mit 23 Jahren angefangen, überhaupt Gitarre zu spielen!

Auch ich habe wesentlich mehr in meinem Notenschrank, als ich jemals spielen werde.

Freue Dich lieber über das, was Du bisher geschafft hast und dass Du jeden Tag eine Stunde Gitarre spielen kannst. :wink:

simon82
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Beitrag von simon82 » Fr 03.Mär 2006, 14:32

@schnecke

du hast ja recht, vielleicht ist es ja normal, dass man sein (kleines)repertoire immer mal wieder auffrischen muss (zumal ich die Tendenz hab mich längere Zeit an einem schweren Stück festzubeissen statt mehrere leichtere zu lernen)
Ich hab halt nicht Gitarre gelernt um mal Lagrima oder die Carcassi Etüden zukönnen. :lol:

@zorolowski

Ein Repertoire von 1,5 Stunden find ich beachtlich, da will ich ich auch mal hin. Mein Langzeitziel (vieleicht lebenswerk :wink: )ist es mal irgendwann alle stücke von bach spielen zu können.Wird aber noch ne weile dauern :sage:
Gibts nicht geht nicht

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 05.Mär 2006, 10:20

Hallo simon82,

nach über 40 Jahren mit der Gitarre bringe ich es vielleicht auf die von Zorolowski angestrebten 90 Minuten Vortragslänge ... man kann es ja ein bissl strecken :wink:
Unter Zuhilfenahme von Noten würde es wohl ziemlich langweilig werden, aber wozu sollte man das Repertoire nach Zeitmaßstäben bewerten. Wir Amateure werden wohl kaum die Möglichkeit haben, einem Publikum mal mehr als eine Viertelstunde solo zumuten zu dürfen. Daher beschränke ich mein Repertoire auf die Stücke, die mir gefallen, wobei ich hier auch immer mehrere Stücke gleichzeitig einübe, immer mit dem Ziel, sie auswendig zu spielen, gefolgt von der Furcht, sie zu vergessen, und schließlich geplagt von der Last, sie ständig zu wiederholen.
Manche Stücke weigern sich sogar über Jahrzehnte, diesem Procedere zu folgen ... bin grade wieder an so einem Stück dran ... keuch ...

Gustaw

es335
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Beitrag von es335 » So 05.Mär 2006, 11:41

Hallo Simon82,

ein noch etwas "greiserer" amerikanischer Jazzgitarrist als ich es bin packte während einer Jam-Session völlig überraschend seine Gitarre ein und antwortete nach dem Grund gefragt, kurz und prägnant, daß es für ihn nur drei Anlässe gebe seine Gitarre auszupacken.

Er bekommt Geld dafür, es macht ihm Freude oder er lernt etwas dabei !

Das Geld lassen wir als Nicht-Profis mal weg (haben wir ja alle genug von :roll: ), dann bleiben Freude und Lernen übrig, welche auch meine Kriterien sind, ein Stück überhaupt einzustudieren.

Von der fixen Idee "alles spielen zu wollen/müssen", hat mich mein Alter geheilt und dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe kein schlechtes Gewissen Stücke links liegen zu lassen, die man "eigentlich spielen müßte"! Stücke die ein "schlappes Melodiechen" benutzen, um sukzessive verschiedene technisch brilliante Variationen zu präsentieren, landen bei mir nach kurzem Anspielen auf dem Haufen "Mag ICH nicht spielen"!

Tarregá Stücke erfüllen in vorzüglicher Weise beide o.g. Kriterien. Jedes Stück, insbesondere die Präludien, beinhalteten unterschiedliche technische Askpekte auf eine sehr implizite Art und sind trotzdem faszinierende Musik. Deshalb bin ich auch der festen Überzeugung, daß ich erst mit Tarrega "wirklich" Gitarre zu spielen begonnen habe.

Mein (Standard-)Repertoir läßt sich grob in zwei Bereiche einteilen, bis Barock und ab Tarregá. Dazwischen gibt's "Rosinenpickerei" bei Giuliani, Sor, Scarlatti und anderen, die mir gefallen.

Bach nimmt eine Sonderrolle ein. Das ist göttliche Musik, die dem Gitarristen große physische und (!) innere Kraft, Stärke und Konzentration abverlangt, die ich im täglichen Berufsstress leider immer weniger zu leisten vermag. Wenn es noch ein Fernziel für mich gibt, dann dies, mit meiner neuen und viel leichter zu spielenden Kohno, wieder mehr Bach zu spielen.

Da ich immer sehr gut "aus dem Kopf" spielen konnte (in meinem früheren E-Gitarre Leben hatte ich zeitweise das Programm von vier Bands im Kopf!), hätte ich bei "guter mentaler Verfassung" kein Problem 60-90 min oder vielleicht auch mehr zu füllen, ohne einmal auf ein Notenblatt zu schauen. Aber mit zunehmendem Alter, aber wahrscheinlich liegt's eher an meiner hohen beruflich Belastung, wird das zunehmend schwerer.

Ansonsten freue ich mich über jedes neue Stück, das ich mir aneignen kann und lasse mich auch immer wieder gern von unerwarteten "Neuentdeckungen" überraschen! :wink:

Gruß es335
Zuletzt geändert von es335 am So 05.Mär 2006, 14:09, insgesamt 1-mal geändert.
Sakurai-Kohno PR-JS
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zorolowski
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Beitrag von zorolowski » So 05.Mär 2006, 13:26

Hallo nochmal,

ich sag mal so: die 90 Minuten sind das Ziel. Wenn hinterher 75 daraus kommen sollten ist das immer noch OK.
Wobei ich sagen muß, dass ich die meisten Stücke nicht auswendig kann. Das mach ich nur bei schwierigen Stücken (z. B. die meisten Sachen von Bach), oder halt bei den schwierigen Passagen. Irgendwann hat sich das bei mir ergeben, dass ich die Stücke nicht mehr auswendig lernen mußte. Dazu muß ich noch sagen, dass sich das so toll anhört, wenn man sagt 'Ich spiel vom Blatt ab'. Da ist mit Sicherheit keine Übungsminute weniger drin und wenn ich ein Stück längere Zeit nicht spiele, muß ich das auch wieder mühsam einstudieren. Der Vorteil ist, dass ich dabei keine Gedächtnisaussetzer habe, der Nachteil, das ich blind spiele.

Gruß
Zorolowski

Benny
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Beitrag von Benny » Mi 08.Mär 2006, 22:44

Moin,

man kann sein Reportoire auch einfach erweitern, indem man z.B. viele Variationen spielt, die relativ einfach sind. Spontan fallen mir die Varitionen von Mauro Giuliani über "ein österreichisches Volkslied" (op. 47) und über das Foliathema (op. 45) ein. Von Carulli die Variationen über die britische Nationalhymne.
Damit kann man schon über 30 min. füllen!

Momentan beschäftige ich mit Suite d-moll von Robert Visée und muss feststellen, dass die Stücke auch nicht so schwer sind.

Es gibt genug schöne und machbare Stücke, um sein Reportoire zu vergrössern!

Viele Grüße

Benny