Aufbau der Repertoires

Musiktheorie, Notenkunde ... Sachkunde für Amateurgitarristen
mark
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Aufbau der Repertoires

Beitrag von mark » Fr 04.Nov 2005, 8:41

Hallo!
Mich würde interessieren, wie ihr euer Repertoire zusammenstellt und was die wichtigsten Aspekte für euch bei der Auswahl der einzelnen Stücke sind. Ich persönlich versuche, folgende Punkte zu beachten:
- Ein gutes Repertoire ist nicht unbedingt eine Sammlung von Virtuosen Stücken. Für viele Zuhörer ist wahrscheinlich "Lagrima" oder "Endecha" angenehmer zu hören, als "Asturias" oder die Variationen von Sor. Ich finde, dass es immer wichtig ist, dass virtuose und einfachere Stücke gleichermassen Platz finden. Die Gitarre spielt man nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Leute.
- Die "Klassiker" der Gitarrenliteratur sollten nicht fehlen. Man wird oft gebeten, "Recuerdos" oder das "Capricho Arabe" zu spielen, und der Status dieser Stücke ist meiner Meinung nach kein Zufall.
- Ich persönlich halte auch die Reihenfolge der Stücke für wichtig: etwas von Bach, gefolgt on Recuerdos, dann wieder Bach und zum Abschluss die Ludovico-Fantasie von Mudarra kann den Zuhörer ganz schön durcheinander bringen.
- Man sollte immer nur Stücke lernen, die man wirklich Liebt. Ich wurde schon 1000mal gebeten, La Catedral von Barrios Mangore zu lernen. Habe mich auch oft dran versucht und kann es bis zum heutigen Tage runterdaddeln. Mögen - und bitte vergebt mir dafür - mag ich dieses Stück nicht, und deshalb stelle ich immer wieder fest, dass ich es nicht richtig vortragen, sondern eben nur "spielen" kann.
Mich würde besonders interessieren, welche eurer Meinung nach jene Stücke sind, die "auf keinen Fall fehlen sollten", also welche in das Repertoire jedes Gitarristen gehören.
Ich freue mich auf eure Beiträge!
Mark

mamosch
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Beitrag von mamosch » Sa 05.Nov 2005, 1:02

Hallo,

ja da hast scho recht.

Also ich habe ja grad net viele Lieder drauf.
Aber die Lieder die ich kann mag ich auch sehr.

Natürlch sollte man jetzt net nur schwere Sücke können,
weil wenn man die nach einander hört die echt zu anstrengend werden, mann sollte da schon die goldene Mitte finden.

Aber meine Einwende ist die, dass es auch Stücke gibt die sich leicht und einfach anhören aber die sehr bis mittel schwer sind.

Du magst also Barrios sein Stück La Catredal net aha so schauts aus.
Naja als ichs zum ersten mal gehört habe musste ich fast weinen.
Ist auch zum Kotzen schwer (sauber) zu Spielen darum mags ichs auch net so selber zu Spielen.

Bei mir ist es so wenn ich ein Stück mag, mag ichs dann gehört es halt dazu und wird gelernt bis es passt,
und fertig.

MfG
Mamosch

Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Sa 05.Nov 2005, 6:33

Hallo ,

Mein Repertoire ist noch ganz klein :oops:. Anfang September hat mein 3. Jahr Unterricht angefangen und bis ich tolle Stücke sauber spielen kann, werde noch einigen Jahren nötig sein.

Mein absoluter Traum, wäre irgendwann mal (in 10 Jahren wenn alles gut geht) "Koyonbaba" von Domeniconi" spielen zu können, sowie die "Klassiker" wie "Capricho Arabe", "Recuerdo de la Alhambra"...

Das schönsten Stück in meinem Repertoire ist zu Zeit "Choros von D. Semenzato", ist auch schwierig, aber es gefällt mir ganz toll und ich habe vor, es für Weinachten in der Kirche zu spielen für unser Weinachtskonzert der Musikschule.

Zur Zeit mein Repertoire : Andante von Carulli, Forza d´Amore von Caroso, sowie Espanoletta von Gaspar Sanz, Torneo (Alte Tablatur) und kleine einfache Stücke um "warm" zu werden.

Das war´s :wink:

Gruss,

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Sa 05.Nov 2005, 18:00

Hallo,

Ich hab mir vorgenommen, zukünftig wieder ab und zu kleinere Auftritte zu machen. Was darin auf jeden Fall sein wird:
jede Menge John Dowland (unter anderem Präludium, Earl of Essex Galliard, Lachrimae Antiquae, ...), einiges von Gaspar Sanz (Espanoleta, Gallarda y Villano, Folias, Canarios, ...), wahrscheinlich noch ein bis zwei Stücke von J. S. Bach, Heitor Villa-Lobos und einige Stücke von unbekannteren Komponisten sowie anonyme Stücke.
Von den Schwierigkeitsgraden wird das schon unterschiedlich sein. Niemand kann ununterbrochen am persönlichem Limit spielen.
Wichtig ist, dass die Stücke von der Charakteristik (Stimmung, Tempo) her abwechslungsreich sind. Die Komponisten werde ich dabei auch nicht durcheinander werfen, die werde ich halbwegs chronologisch aneinander reihen.

Gruß
Zorolowski

mark
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Beitrag von mark » Sa 05.Nov 2005, 20:14

Hallo Zorolowski!
Dein Repertoire scheint sehr schön zu sein. In welcher Reihenfolge spielst du die Stücke von Gaspar Sanz. Ich folge dabei dem großen Narciso Yepes, der die folgende Reihenfolge auf der CD "Malaguena" bevorzugt:
Espanoleta - Gallarda- Villano - Danza de las Hachas - Rujero y Paradetas - Zarabanda - Passacalle - Folias - La Minora de Cataluna - Canarios.
Ich finde, so ist die Suite wirklich schön und klingt sehr vollständig. Der Wechsel zwischen tänzerischen schnellen und langsamen lyrischen Teilen ist toll, und am Ende kann man mit Canarios die Zuhörer richtig "anheizen". Ich fange auch meine "Programme" (vor meiner Freundin, meinen Freunden, meiner Mutter, etc) gerne mit diesen Stücken an. Espanoleta ist sehr schön und bleibt jeden sofort im Ohr, und an Ende des meiner Meinung nach technisch doch eher schwierigem Canarios ist man "in der Musik drin" und aufgewärmt für Asturias und Co.
LG
Mark

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Sa 05.Nov 2005, 23:57

Hallo Mark,

Narciso Yepes hatte diese Stücke als Suite Espanola veröffentlicht (wobei ich nicht weiß: ist das eine Suite von Sanz selbst oder hat Yepes die Stücke als Suite zusammengestellt). Ich hatte mir die Notenfassung von Yepes gekauft. Die Reihenfolge ist wirklich optimal, da kann ich Dir nur beipflichten. Vor allem mit dem Canarios als Finale. Aber das finde ich in der Ausgabe von Yepes wirklich sehr schwer zu spielen.

Apropos Narciso Yepes: Ich hab Yepes drei mal live gesehen. Das war jedesmal ein absolutes Erlebnis. Ich fand ihn live auch besser als auf Schallplatte, da wirkte sein Spiel oft etwas zu kühl. Live war er viel ausdrucksvoller. Und über seine Technik sind ja wohl alle Zweifel erhaben.
Und was ich bei ihm unheimlich schätzte: Er war gegenüber dem Publikum kein bischen abgehoben. Die Zugaben dauerten fast genau so lang wie das eigentliche Konzert. Ich kann mich daran erinnern, dass ich bei einem Konzert in Duisburg fast den letzte Zug verpaßt hätte, weil er mehr als eineinhalb Stunden Zugaben spielte.

Gruß
Zorolowski

mark
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Beitrag von mark » So 06.Nov 2005, 2:32

Hallo Zorolowski!
Yepes: ja, Du hast recht, nach allem, was ich über ihn gelesen habe, muß er ein feiner Mensch gewesen sein, der nie seine Wurzeln und seine Herkunft verleugnet hatte (er kam aus sehr einfachen Verhältnissen). Yepes WAR die Gitarre - ähnlich wie Hendrix oder Stevie Ray bei den elektrischen Kollegen: er verzichtete auf überflüssige Showcase-Nummern und Rasereien. Hör Dir mal an, wie er die Variationen von Sor Spielt - er macht daraus im Gegensatz zu vielen anderen Gitarristen keine Bodybuilding-Meisterschaft für die Finger, sondern geht dieses Technisch doch sehr anspruchsvolle Stück sehr gelassen an. Und trocken kam er mir noch nie vor. Und mal ehrlich: ich glaube, dass kein anderes Gitarrist Recuerdos mit so einem harten und klaren Tremolo eingespielt hat!
Sanz: Du hast Recht, die Version von Yepes ist technisch nicht einfach, aber sehr schön. Ich finde, dass viele Teile der Suite, vor allem die Espanoleta, La Minora und Canarios grad von den Nuancen und Verzierungen leben. Andere Arrangements lassen diese aus und sind deshalb auch meist weniger interessant für den Zuhörer.

lautenist
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Beitrag von lautenist » Mi 16.Nov 2005, 11:08

zorolowski hat geschrieben:Narciso Yepes hatte diese Stücke als Suite Espanola veröffentlicht (wobei ich nicht weiß: ist das eine Suite von Sanz selbst oder hat Yepes die Stücke als Suite zusammengestellt).
Die Stücke hat Yepes zusammengestellt. Sanz hat sein Buch eher pädagogisch aufgebaut und die etwas einfacheren Stücke am Anfang. Am Ende folgen dann jede Menge Passacalias und Espanoletas (also Variationen über ein Bassthema wie die Folias), die kaum gespielt werden, aber meiner Meinung nach die "bessere" Musik in dem Buch sind.
Ausserdem wäre es im Barock undenkbar gewesen, eine Suite zu spielen, bei der die Tonarten nicht passen. Wenn ich mich richtig erinnere, wechselt Yepes da ja schon.

Grüzzlis vom
Lautenist

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Do 17.Nov 2005, 17:16

Lautenist schrieb:
Am Ende folgen dann jede Menge Passacalias (also Variationen über ein Bassthema wie die Folias), die kaum gespielt werden, ...
Weist Du , ob man das Buch von Sanz als Transkription für Konzertgitarre irgendwo beziehen kann? Mich würde es schon interessieren, das ganze Werk kennen zu lernen.

Ich hatte es mir schon gedacht, dass Yepes das zusammengestellt hat. Wobei die Tonarten wären für eine Suite nicht das Problem gewesen. Die Stücke sind alle in D-dur bzw. d-moll.

Gruß
Zorolowski

lautenist
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Beitrag von lautenist » Fr 18.Nov 2005, 0:54

Ja, da gibt es eine moderne Ausgabe. Ich muss morgen mal schauen, wie die heisst - peinlicherweise habe ich die nicht hier in der Schweiz :(

Grüsse vom
Lautenist

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Beitrag von lautenist » Sa 19.Nov 2005, 19:38

So, nun aus Sulzbach mit der Sanz-Gesamtausgabe vor mir:
"Instruccion de musica sobre la guitarra espanola [...]

Transcripcion de la obra completa
para guitarra de seis cuerdas
por
Rafael Balaguer"

Union Musicali Espanola
Editores
Carrera de San Jeromino, 26
Madrid - 14
22045

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Mo 21.Nov 2005, 18:35

Danke Lautenist!

Gruß
Zorolowski

gothic3
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Beitrag von gothic3 » Mo 20.Mär 2006, 2:21

DU musst immer von unten nach oben arbeiten. Also, von leicht bis zu schwierig.. Andersrum kriegst du es nur sehr schwer hin.