Transkriptionen

Musiktheorie, Notenkunde ... Sachkunde für Amateurgitarristen
Sanft
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Transkriptionen

Beitrag von Sanft » So 05.Jun 2005, 2:26

Salü *** alle!
Noch'n Thema:
Ich weigere mich mit konstanter Boshaftigkeit, Transkriptionen zu spielen. Ich denke mir halt, dass der Komponist sich bei der Wahl des Instruments schon was gedacht haben wird. Transkriptionen sind überflüssig wie ein Kropf!
Clemens :twisted:
"Guitar technique is made up of a limited number of procedures with an unlimited number of applications." Ricardo Iznaola
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Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Mi 03.Aug 2005, 15:59

Transkriptionen sind überflüssig wie ein Kropf!
Das kann man so, oder so sehen.
Es gibt auch viele Transkription die uns ermöglichen, schöne Dinger zu spielen.
Natürlich gibt es schon viele Stücke die nur für die Gitarre geschrieben wurden.
Geschmack Sache vielleicht :wink:

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 14.Aug 2005, 20:02

Zitat:

"Ich weigere mich mit konstanter Boshaftigkeit, Transkriptionen zu spielen."

Das ist jammerschade! Albeniz hat seine Stücke für Klavier geschrieben ... und trotzdem sind sie wie nur für die Gitarre geschaffen! Was spielst du so mit dieser Abstinenz?
Gruß Gustaw

Andreas1982
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Beitrag von Andreas1982 » Mi 21.Sep 2005, 1:03

hi Gustaw!

Welches Stück ist es denn, das du meinst? Würde mich mal interessieren.

lg,
andreas

D.Meineke
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Beitrag von D.Meineke » Mo 26.Sep 2005, 8:02

Andreas1982 hat geschrieben:hi Gustaw!

Welches Stück ist es denn, das du meinst? Würde mich mal interessieren.

lg,
andreas
Hallo Andreas,

am bekanntestenn ist in diesem Zusammenhang wohl 'Asturias / Leyenda' aber eben auch alle anderen Stücke von Albeniz. Wer das ganz genau wissen will kann hier nachsehen. Offenbar war sogar Albeniz selber mit den Gitarrenversionen einverstanden.

Gruß

Dirk

Matanya Ophee
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Beitrag von Matanya Ophee » Do 29.Sep 2005, 5:01

D.Meineke hat geschrieben: Offenbar war sogar Albeniz selber mit den Gitarrenversionen einverstanden.
Dieses ist eine schöne Legende, für die es keine Beweisurkunde gibt.

D.Meineke
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Beitrag von D.Meineke » Do 29.Sep 2005, 12:34

Matanya Ophee hat geschrieben:
D.Meineke hat geschrieben: Offenbar war sogar Albeniz selber mit den Gitarrenversionen einverstanden.
Dieses ist eine schöne Legende, für die es keine Beweisurkunde gibt.
Zugestanden. Ich leg trotzdem noch einen drauf (ohne darauf zu beharren, dass es wahr ist ;-) ):
http://www.answers.com/topic/isaac-albeniz, wo behauptet wird: "Many of his other compositions were also later transcribed to guitar - Albéniz himself preferred Tárrega's guitar transcriptions to his original piano works."

Und wenn es nur eine Legende ist, macht sie uns die Transkriptionen doch noch interessanter.

Matanya Ophee
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Beitrag von Matanya Ophee » Do 29.Sep 2005, 18:05

D.Meineke hat geschrieben:Zugestanden. Ich leg trotzdem noch einen drauf (ohne darauf zu beharren, dass es wahr ist ;-) ):
http://www.answers.com/topic/isaac-albeniz, wo behauptet wird: "Many of his other compositions were also later transcribed to guitar - Albéniz himself preferred Tárrega's guitar transcriptions to his original piano works."
Wissen Sie, wem diesen Text schrieben und was die Grundlage für die Aussage war?

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Do 29.Sep 2005, 23:14

Hallo Andreas,
Albeniz war virtuoser Pianist, demzufolge schrieb er - wie in seiner Zeit üblich - die Stücke für Klavier bzw. Orchester. Doch ließ er sich wie auch Granados von der spanischen Volksmusik inspirieren, also von der Gitarre. Sein Zeitgenosse Tarrega hat ja auch z.B. 'Granada' für Gitarre transkribiert; das hätte er nie gemacht wenn die Stücke sich nicht so genial eignen würden. Tarrega war eben auch virtuoser Gitarrist.
Die bekanntesten Transkriptionen sind die Stücke der Suite espanola op. 47 (Granada, Asturias, Sevilla, Cadiz ...) oder der Tango aus Espana op. 165 oder Mallorca op. 202 oder oder ...
Hör dir doch mal Klavier- und Gitarrefassungen dieser Stücke zum Vergleich an, meiner Meinung nach bleibt hier musikalisch nichts auf der Strecke, eher im Gegenteil.
Es grüßt: Gustaw

coolman
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Beitrag von coolman » Sa 15.Okt 2005, 21:13

Hi Folks!

Also dem kann ich mich absolut nicht anschliessen!

Ich denke wir sollten alle einfach schöne Musik spielen! Egal, ob sie transkribiert ist, oder nicht. :contrat:

Einer der größten Transkriptionsschreiber war Andres Segovia und es kann wohl keiner behaupten, dass er kein Gitarreliebhaber war!!! :roll:
Einige der schönsten Stücke sind von Bach und der hat, so weit ich weiß, nichts für die Gitarre geschrieben.

Ich spiele alles was daherkommt, sofern ich dazu in der Lage bin, und was mir "schön" erscheint. Meistens ist es leider so, dass ich es schön finde aber nicht spielen kann :cry: :cry: :cry:

LG euer
coolmann99

coolman
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Beitrag von coolman » Sa 15.Okt 2005, 21:19

D.Meineke hat geschrieben:
Matanya Ophee hat geschrieben:
D.Meineke hat geschrieben: Offenbar war sogar Albeniz selber mit den Gitarrenversionen einverstanden.
Dieses ist eine schöne Legende, für die es keine Beweisurkunde gibt.
Zugestanden. Ich leg trotzdem noch einen drauf (ohne darauf zu beharren, dass es wahr ist ;-) ):
http://www.answers.com/topic/isaac-albeniz, wo behauptet wird: "Many of his other compositions were also later transcribed to guitar - Albéniz himself preferred Tárrega's guitar transcriptions to his original piano works."

Und wenn es nur eine Legende ist, macht sie uns die Transkriptionen doch noch interessanter.
Ich hab das sogar in einem Interview mit Segovia auf einer DVD. Er sagt, dass sich die meißten Komponisten nicht vorstellen konnten, wie gut ihre Kompositionen auf der Gitarre klingen. Und alle waren danach begeistert. Viele haben dann auch etliche Stücke für dieses Instrument geschrieben!

Howdy!
coolmann99

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » So 16.Okt 2005, 15:02

Hallo,

ich finde, dass es keine pauschale Antwort zu diesem Thema gibt. Nimmt man als Beispiel die Barockmusik, sind Transkriptionen eigentlich ganz normal. Der Klang des Instrumentes stand bei den Komponisten oft nicht im Vordergrund. Wenn J. S. Bach zwei fast identische Fugen einmal für Violine Solo in d-moll und dann für Laute in g-moll geschrieben hat, gibt es für mich überhaupt keinen Grund, die Lautenfassung dieser Fuge nicht auf Gitarre in a-moll zu spielen. Die Suite für Laute in E-Dur von Bach gibt es ebenso für Violine Solo. Was spricht hier also gegen Transkriptionen?

Auf der anderen Seite fände ich es schon etwas abartig, das Konzert für Violine und Orchester von Jean Sibelius von einem Gitarrenorchester spielen zu lassen.

Grüße
Zorolowski

j.list
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Beitrag von j.list » So 04.Dez 2005, 22:12

Transkriptionen für Gitarre haben doch eine lang und gute Tradition. Wie zorolowski ja schon gesagt hat. Und denke nur an die vielen Transkriptionen die uns Tarrega gebracht hat. Ich wette,viele kennen die Werke nur in der Gitarrenfassung und nicht im Original.

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 15.Dez 2005, 17:46

j.list hat geschrieben:Transkriptionen für Gitarre haben doch eine lang und gute Tradition. Wie zorolowski ja schon gesagt hat. Und denke nur an die vielen Transkriptionen die uns Tarrega gebracht hat. Ich wette,viele kennen die Werke nur in der Gitarrenfassung und nicht im Original.
... aber neben sehr gelungenen Transkriptionen hat und Tarrega auch einige Peinlichkeiten beschert (ich denke nur zum Bleistift an den schönen Slide in der g-Moll Fuge BWV 1000).
Es gibt Sachen, die laufen gut und andere, die sind absolut ungeeignet.

Um ein bisschen zu Schlaumeiern und vielleicht zu provozieren: :sage: Die Gitarre hat(te) zu der Zeit, als Torres seine Gitarre erfand, kein Repertoire und da mussten die Gitarristen, Tarrega und Segovia vornweg, kräftig "klauen" und haben sich bei allem, was auch nur im entferntesten brauchbar sein könnte bedient.

Inzwischen bin ich auch sensibler geworden, was Transkriptionen anbetrifft. Früher hat es mich nicht gestört, Vihuela- und Lautenmusik auf der Gitarre zu hören, aber heute stört mich das. Bach ist noch einmal ein Sonderfall: Sein Lautenwerk ist schon grösstenteils ein Irrtum - ausser der g-Moll Suite (BWV 995, übrigens die 5.Cellosuite, nicht die für Violine und nochmal übrigens: Bachs Version lässt sich der damals üblichen Barocklaute nicht spielen und muss "adaptiert" werden) und dem kleinen Perludium in c-Moll (BWV 999, weiss jetzt nicht, in welcher Tonart es auf der Gitarre ist) sind alle anderen Kompositionen wahrscheinlich nicht für die Laute gedacht gewesen.
Es gibt noch zeitgenossische Bearbeitungen von Falckenhagen (Fuge g-Moll) und Weihrauch (auch g-Moll Suite und noch die c-Moll Suite), die immerhin zeitgenössisch sind. Aber sicher at Bach diese Werke nicht für die Laute und schon gar nicht für die Gitarre gedacht.

Andererseits sind Transkriptionen von "Hits" immer gemacht worden und angebracht. Da kommt es dann darauf an, wie gut sie auf das Instrument gelegt werden. In der Renaissance gibt es da ganz heisse Beispiele: da wurden Vokalsätze völlig frei in der einen Stimme reduziert, dafür in der anderen m Verzierungen ergänzt, andere sind schlichtweg unspielbar und wohl nur als Vorlage für eigene Bearbeitungen gedacht - also bei so etwas darf man sich ischer austoben: Aber wenn ein Gitarrenquartett die Brandenburgischen Konzerte auf Gitarren einspielt zweifele ich doch etwas am künstlerischen Feingefühl der Ausführenden ...

Und wieder ein Kommentar vom
Lautenist

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Do 15.Dez 2005, 18:32

Früher hat es mich nicht gestört, Vihuela- und Lautenmusik auf der Gitarre zu hören, aber heute stört mich das.
Für mich ist es wichtig, dass man bei einer Transkription den Charakter eines Stückes beibehält. Laute und Gitarre liegen meiner Meinung nach nicht Welten auseinander. Und gerade die Stücke von John Dowland oder Thomas Robinson eignen sich, so denke ich, sehr für die Gitarre (abgesehen davon, dass ich dass Ziel, mir mittelfristig selbst eine Laute zu kaufen nicht aus den Augen verloren habe).

Gruß
Zorolowski