Konzertgitarre verstärken?

Technik, Tips und Fragen zum Thema eigene Aufnahme (Tonabnehmer, Mikrofone, Aufnahmesoftware usw.)
hein blöd
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Konzertgitarre verstärken?

Beitrag von hein blöd » Do 15.Dez 2005, 23:26

Guten Abend allerseits,

diese Frage im Titel stellt sich mir als Solist, z.B.bei einer Weihnachtsfeier.

Das Intro , ok. Doch wenn der Gemeindechor einfällt, bin ich machtlos.

Ebenso stellt sich mir diese Frage beim Zusammenspiel mit Instrumenten unterschiedlicher natürlicher Lautstärke, zumal wenn die Gitarre u.U. führendes Instrument sein soll, oder man spielt als Solist vor Zuhörern in grösseren Räumen usw.

Wie steht Ihr überhaupt dazu?
Wer hat Erfahrung mit den o.a. Beispielen und mit dieser Technik?
Einbau, Anbau, oder extern? (bei einem z.B. Mittel-Oberklasseinstrument)
Welche speziell dafür geeigneten Amps empfehlt Ihr?
Lautsprecherlösungen?
Keine professionelle Anwendung!

Auf ein Echo freut sich
mlG

Hein

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Do 15.Dez 2005, 23:41

Hallo Hein Blöd,

das Thema beschäftigt mich schon länger. Ich bin nun zu dem Ergebnis gekommen, dass es 2 Wege gibt:
  • Mikrofon und Verstärker. Um hier passable Ergebnisse zu erzielen, muss man allerdings tief in die Tasche greifen. Das kann aufs gleiche kommen wie ein neues Instrument. Vorteil: echter Raumklang; zu empfehlen z.B. in großen Räumen (Kirche), mit still dasitzenden Zuhörern, als leichte Verstärkung, damit alle was hören. Nachteil: sind die Zuhörer oder die anderen Mitwirkenden nicht ruhig, wird das alles mitverstärkt; außerdem: Rückkopplung (Klassik-Gitarristen stellen - wenn's schon sein muss - die Box hinter sich, das Micro ist vorne ...
  • Elektroakustische Gitarre. Hier gibt's eigentlich fast nix vernünftiges, außer ... ich werde berichten, wenn ich's habe. Hierbei gibt's keine Rückkopplungen, die Nebengeräusche sind uninteressant, bislang gab's leider keine richtig gut nach Gitarre klingende Vertonung. Nicht mehr lange ...
Gustaw

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Fr 16.Dez 2005, 0:03

Hallo Hein Blöd,

ich muß Gustaw in allen Punkten zustimmen. Mit Mikro und Verstärker bin ich früher auch manchmal aufgetreten. Allerding mußt Du da Wert auf Qualität legen mit den entsprechenden Kosten.
Alle anderen Sachen wie Pickup u. ä. sind mit großen Klangeinbußen verbunden.

Gruß
Zorolowski

Intro
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Konzertgitarre verstärken?

Beitrag von Intro » Fr 16.Dez 2005, 8:24

Hallo Hein Blöd,
ich habe einige Zeit in einem Orchster mitgespielt, auch religiöse Musik mit ca. 80 Sängern.
Um nicht unterzugehen habe ich am Steg meiner Konzertgitarre einen Tonabnehmer angebracht und einen 50 Watt Verstärker dazugestellt.
Rein von der Qualität her ist zwar das Micro besser jedoch vom Handling her der Tonabnehmer.
Da konnte ich gut mithalten mit Klavier, Geigen, unds selbst dem Sax und weiteren Bläsern.
Viele Grüße aus München
Walter G.
Walter, Münchner, spielt gerne Gitarre

larypeter
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Beitrag von larypeter » Fr 16.Dez 2005, 10:37

Hallo Hein Blöd,

ich kann mich da meinem Vorredner nur anschließen, es gibt zum Beispiel ein pickup von AKG, c 411 welches man problemlos auf"kleben" und nach dem Auftritt wieder abmachen kann und welches auch schon recht natürlich klingt. Der Verstärker muß dann auch nicht unbedingt ein 1A Sahne Akustikverstärker sein und man kann sich ja auch in eine bestehende Gesangsanlage oder installierte Saalbeschallung einklinken und hat auch keine Probleme mit Rückkopplung oder verschiedenen Lautstärken, wie bei externen Micros.


larypeter

Steffen
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Beitrag von Steffen » Fr 16.Dez 2005, 10:57

Hallo,
wenn ich im Gottesdienst spiele, nutze ich die installierte Anlage der Kirche (mit Mikro). Genauso wenn ich schon in etwas größeren Räumen mit einigen leuten, zB bei Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern gespielt habe (zB Gaststätten), benutze ich ein Mikro + Verstärker. Ich muß evtl. ein paar Abstriche in der Klangqualität machen, stehe aber nicht so unter dem Druck laut spielen zu müßen. Das finde ich angenehmer. Sonst habe ich immer das Gefühl "... kann man mich überhaupt hören?"
Im kleinen Kreis spiele ich natürlich unverstärkt.

Das bis jetzt beste Tonabnehmersystem für die konzertgitarre das ich kenne ist von Stephan Schlemper (www.schlemper.com) - aber auch das teuerste. Wird von einigen Profis benutzt.
Von David Qualey weiß ich daß er lange gesucht hat und inzwischen Tonabnehmer und Verstärker von "Schertler" verwendet. Habe ihn damit allerdings noch nicht gehört.
Wie gesagt, ich habe mal bei Stephan Schlemper eine Gitarre mit seinem System gespielt und war totl überrascht wie gut und natürlich es klingt. Ist mir persönlich allerdings momentan einfach zu teuer.

Gruß,

Steffen

hein blöd
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Beitrag von hein blöd » Sa 17.Dez 2005, 18:29

Vielen Dank für Eure geschätzten Hinweise und Tip`s,

ich fasse für mich zusammen:

Eingebaute oder angebaute Mikros und Tonabnehmer weden den Klang einer guten Gitarre negativ beeinflussen (elektro-akustische Gitarre), wenn sie "trocken" gespielt wird, was ja hauptsächlich der Fall ist.

Eine Lösung mittels externem Mikro, Verstärker und Lautsprechern ist eher zu empfehlen, birgt jedoch Probleme ( Rückkopplungen, ungewollte Geräuschmitnahme), die aber durch den Einsatz hochwertiger, aber auch teurer Anlagen weitgehendst ausgeschaltet werden können.

Das Einklinken in bestehende Anlagen ist mir zu unsicher.

D.h., ich muß entscheiden ob ich 2-gleisig spielen will (Konzertgitarre und elektroakstische Gitarre+ Anlage).

Oder nur Konzertgitarre mit guter, aber teurer Anlage.

Auf jeden Fall aber muß ich entscheiden, ob mir mein (unbezahltes) Hobby eine solche Investition wert ist!

Mit verstärkten Grüßen,

Hein

Silvius
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Beitrag von Silvius » So 18.Dez 2005, 15:18

Das bis jetzt beste Tonabnehmersystem für die konzertgitarre das ich kenne ist von Stephan Schlemper (www.schlemper.com) - aber auch das teuerste.
Hallo Steffen,
sicher hat Schlemper ein sehr gutes System, ich habe selbst schon damit gespielt doch ob das den hohen Preis rechtfertigt??
Neulich gab ich ein Konzert zusammen mit einem Gitarristen , der das Schlemper-System benutzt--(ich selbst spiele bei solchen Gelegenheiten eine einfache elektroakustische Gitarre + Marshall-Akustikverstärker); der Gitarrist mit dem Schlemper-System hatte nur Probleme und auch nach einer halben Stunde noch keine vernünftige Einstellung.
Viele Grüße
Silvius

Steffen
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Beitrag von Steffen » Mi 21.Dez 2005, 17:16

Hallo Silvius,
es ist immer interessant auch mal die Erfahrungen direkt aus der Praxis zu hören. Ich spiele ja eine Schlemper-Gitarre und habe letztes Jahr mal bei einem Besuch bei Stephan in seiner Werkstatt das System spielen können. Zudem habe ich Dale Kavanagh bei einem Konzert damit gehört.
Der Klang war wirklich oK. Doch ich kann mir gut vorstellen daß es in der Praxis auch mit diesem System zu Problemem kommen kann.
Zudem ist mir persönlich der Preis für das System einfach zu teuer.

Viele Grüße an die Stadt meiner ehemaligen Arbeitsstätte und meines ersten Gitarrenunterrichts - Schwäbisch Hall

Steffen

Silvius
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Beitrag von Silvius » Mi 21.Dez 2005, 20:19

Hallo Steffen,

bei wem? Hirsch oder Schmidt?

Viele Grüße
Silvius

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Do 22.Dez 2005, 11:30

Hallo allerseits,

noch'n paar kurze Anmerkungen zum Thema.
Hein Blöd hat geschrieben:Eingebaute oder angebaute Mikros und Tonabnehmer weden den Klang einer guten Gitarre negativ beeinflussen (elektro-akustische Gitarre), wenn sie "trocken" gespielt wird, was ja hauptsächlich der Fall ist.
Diese Aussage stimmt so nicht. Es gibt die Möglichkeit, Tonabnehmer in klassische Gitarren nachrüsten zu lassen, bzw. gibt es hochwertige klassische Gitarren samt vom Hersteller vorgenommenen Tonabnehmer-Einbau. Auch hier tut sich technisch gesehen einiges, es gibt inzwischen röhrenverstärkte Tonabnehmersysteme in klassischen Gitarren. Der Klang solcher Instrumente ist 'trocken' keinesfalls schlechter. Zwar verringert der Einbau das Resonanzvolumen, doch Meistergitarren bieten hier ausreichende Reserven.

Nachdem auch in den vorhergehenden Beiträgen Verstärker diskutiert und empfohlen wurden, möchte ich zur ausgleichenden Gerechtigkeit auch die Hersteller AER und Schertler nennen, die sich im Bereich der Akustik-Verstärker einen verdienten Namen gemacht haben. Leider liegen die Kosten mitunter noch über dem Anschaffungswert der Meistergitarre ...

Gustaw

Steffen
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Beitrag von Steffen » Fr 23.Dez 2005, 9:51

Hallo Silvius,
ich habe insgesamt 4 Jahre in Schwäbisch Hall gearbeitet.
Nachdem ich schon als Autodidiakt einige Jahre ohne Noten Gitarre gespielt habe (Liedbegleitung, Picking, ...) wollte ich es endlich "richtig" lernen und hatte dann so 2 Jahre bei Rolf Hirsch unterricht.

Frohe Weihnachten,

Steffen

hein blöd
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Beitrag von hein blöd » Sa 24.Dez 2005, 1:02

Gustaw hat geschrieben:. Zwar verringert der Einbau das Resonanzvolumen, doch Meistergitarren bieten hier ausreichende Reserven.
Danke Gustaw,

ich bleibe mit Dir am Ball.

MlG

Hein

tcm
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Beitrag von tcm » So 26.Mär 2006, 11:03

Ich kann mich den anderen nicht anschließen was das System von Stephan Schlemper betrifft. Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht, sowohl was den Sound als auch das Handling betrifft. Natürlich kann es Probleme mit dem Kabel geben, da dieses durch das häufige zusammenrollen irgendwann bricht. Das Problem hat jeder E-Gitarrist und daher sollte man immer zwei Kabel dabei haben.

Die Gitarre klingt mit seinem System sehr authentisch, ist jedoch wirklich nicht ganz billig. Zufällig verkaufe ich mein System gerade, da mir die Gitarre in der es verbaut war runtergefallen ist :cry: ). Sollte jemand Interesse daran haben, schickt mir einfach eine private Nachricht (Button pn am ende meiner Nachricht). Übrigens, ich habe zwei Kabel für das System.


Gruß

TCM