Zeder oder Fichte?

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LABG
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Zeder oder Fichte?

Beitrag von LABG » Mi 15.Mär 2006, 11:15

Hallo Gitarristen,

ich wollte nur kurz das ewige Thema Zederdecke oder Fichtendecke auffrischen. Ich weiß, dass schon viel darüber geschrieben und theoretisiert worden ist. Ich wollte aber euere Meinung dazu hören. Was ist euch lieber bei einer guten Konzertgitarre eine Decke aus Fichte oder eine aus Zeder? Warum?

Viele Grüsse aus Gernsbach,

LABG
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Santiago Marín XXX Anniversary 2005
Dieter Hopf Virtuoso 1981

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Mi 15.Mär 2006, 12:08

Hallo LABG,

tut mir leid, ich enttäuschen zu müssen: das kommt ganz auf das 'Individuum Gitarre' an! Wenn beide gut sind, lieb' ich auch beide gleichermaßen.
Generell kann man sagen, dass eine Zederndecke milder klingt, ein bisschen wärmer.
Wenn ich Kohle hätte ohne Ende, würde ich mir zu meiner Fichte auch noch zusätzlich eine tolle Zeder kaufen, und dann entsprechende Stücke dazu auswählen.

pasinger-gitarrenmusik
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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Mi 15.Mär 2006, 17:28

Ich kann mich Schnecke nur anschließen. Das Thema Gitarre und deren Klang, Charakteristik unsw. ist sicherlich nicht auf Zedern- oder Fichtendecke zu reduzieren.

Fichte ist etwas "kerniger" im Klang. Auch ich möchte mir gerne mal eine zweite (gute) Gitarre mit Zederndecke zulegen.

Viele Grüße
Dieter
Pasinger-Gitarrenmusik

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Mi 15.Mär 2006, 17:35

Hallo LABG,

da kann ich mich den anderen nur anschließen. Zeder oder Fichte ist egal, wenn der Gesamteindruck stimmt.

Gruß
Zorolowski

es335
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Beitrag von es335 » Mi 15.Mär 2006, 18:21

Hallo LABG,
Zorolowski hat geschrieben:Zeder oder Fichte ist egal
diese Meinung kann ich nicht uneingschränkt teilen. Nach fast 30 Jahren mit einer Alhambra mit Zederndecke, habe ich während meiner ausgiebigen Vororientierungen festgestellt, daß mir entgegen meiner damaligen Präferenz, heute eine Gitarre mit Fichtendecke tonlich und in Folge dessen auch spieltechnisch eindeutig mehr zusagt.
Grundsätzlich muß an einer Gitarre zu einem guten Gesamteindruck natürlich auch alles andere stimmen, aber es gibt gewisse charakteristische Unterschiede, die mich heute (!) immer wieder zu einer Fichtendecke greifen lassen würden.

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

roppatz

Beitrag von roppatz » Mi 22.Mär 2006, 0:22

Nach fast 30 Jahren mit einer Alhambra mit Zederndecke, habe ich während meiner ausgiebigen Vororientierungen festgestellt, daß mir entgegen meiner damaligen Präferenz, heute eine Gitarre mit Fichtendecke tonlich und in Folge dessen auch spieltechnisch eindeutig mehr zusagt.
bei mir ist das ganzgenau anders rum...
ich hab seit 9 jahren jetzt nur fichte gespielt, und muss jetzt feststellen, dass mir die zederngitarren besser gefallen.... alles geschmackssache. daran sieht man also jetzt, dass es von typ zu typ und geschmack zu geschmack anders ist... man kann nicht fest sagen, ob fichte oder zeder besser ist...

gute nacht!

roppatz

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Mi 22.Mär 2006, 22:14

Hallo LABG,

die Zeder-oder-Fichte-Diskussion lässt sich sicher nicht rezepthaft an Rahmendaten oder Erfahrungsberichten festmachen. Wir sprechen ja von 'subjektiven Fakten', wenn wir darlegen sollen, welches Holz wir bevorzugen.
Nach anfänglichen Fichten-Instrumenten habe ich bislang nur gute Erfahrungen mit Zeder-Modellen gehabt. Natürlich weiß ich, dass andere Parameter den Klang stark beeinflussen (Saiten, Anschlag, Raumbedingungen, Druck auf den Korpus usw.). Die Zedergitarren sehen für mich nicht nur gut aus, sie verbreiten auch herrlichen Duft ... muss aber nicht heißen, ich wäre nicht anfällig für eine schöne Fichtengitarre!

Meint der unschlüssige Gustaw

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 23.Mär 2006, 12:28

Obwohl die Deckenfrage sicher Geschmacksache ist möchte ich mich als Fichtenfan outen.
Zum einen geniesse ich das Entwicklungspotential dieser Gitarren - sie werden in aller Regel immer besser während eine Zederndecke zwar nicht eingespielt werden muss, dafür aber tendentiell eher schlechter wird und bestenfalls die Qualität hält.
Für mich ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tragfähigkeit des Tons; nicht die vordergründige Lautstärke - da hat eine Zederndecke seine Vorzüge, aber in einem grösseren Raum bemerkt man, dass der "Fichtenton" bis in die letzten Ecken des Raumes zu dringen scheint während der "Zedernton" nach den ersten 2 Zuhörerreihen schon stark nachlässt (nicht dass ich oft mehr als 2 Zuhörerreihen hätte :-), aber auch das kommt vor) .
Dann ist es das "historische Material" - das hat natürlich keine wirkliche Relevanz, sondern nur in Verbindung mit meiner persönlichen Affinität dazu als Alter Musiker, der Musik versucht als Einheit von Instrument, Musik, Raum und kulturellem Hintergrund zu empfinden. Ist wahrscheinlich etwas abgedreht, aber dazu muss ich wohl stehen :oops: :P
Allerdings darf man meiner Meinung nach eine Fichtendecke nicht isoliert betrachten. Das Material des Korpus, die Beleistung, die Zargen sowie das Saitenmaterial (nicht zu sprechen vom Spieler) spielen bei der Gitarre eine grössere Rolle für das Klangverhalten. Eine schlechte Decke kann teilweise kompensiert werden durch gute restliche Komponenten etc.
Ergo behaupte ich: Eine gute Fichtengitarre ist einer guten Zederngitarre immer überlegen :-)

Nur ein persönliches Statement vom
Lautenisten

Benjamin
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Beitrag von Benjamin » Do 23.Mär 2006, 15:03

Mir gefallen Gitarren, die die Eigenschaften einer Zeder haben: Direkte Ansprache, laut, brilliant,...

Allerdings find ich den Tederton zu einseitig und man kann viel weniger damit machen, als mit einer Fichte.

Daher mag ich eigentlich Fichte lieber...

Meine Gitarre ist ne Fichte, hat aber die positiven Eigenschaten einer Zeder, also sau laut, sehr direkt, aber auch langes Sustain in allen Lagen, sehr brilliant und sehr viele Klangfarben ;-)
Gitarren:
- Hanika 59 PF
- Nicolaus Wollf - Fichte - Sandwich

LABG
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Beitrag von LABG » Fr 24.Mär 2006, 10:05

Hallo Leute,

vielen Dank für eure Beiträge. Genau so etwas wollte ich hören: die subjektive Meinung und die persönlich Erfahrung der Gitarristen. Bis jetzt hatte ich nur Theorien gelesen, die viel erklären, aber wenig aussagen.

Ich persönlich finde Fichte schöner von Klang her (man kann die harmonischen Obertöne besser wahrnehmen). Das will nicht heißen, dass Zeder schlechter klingt, sie hat nur einen anderen Klang. Aber das ist natürlich meine subjektive und persönliche Einstellung. Ich richte mich momentan nach den zwei Gitarren, die ich besitze. Die einte (Hopf Virtuoso) ist aus Zeder und die andere (Santiago Marín XXX Aniversario) aus Fichte. Der Klangunterschied beider Gitarren ist so groß, dass fast jeder (sogar die Laien) ihn merken. Meine Frau kennt sich in Sachen Gitarre nur wenig aus, sie bemerkte aber den Unterschied sofort und sagte mir, dass die Gitarre aus Fichte viel schöner klinge. Wenn ich Musikstücke mit beiden Gitarren aufnehme und sie mir dann anhöre, merke ich auch den Klangunterschied. Die Fichtegitarre ist einfach ausgeglichener, alle Tönen klingen gleich laut und voll. In der Zederngitarre gibt es größere Schwankungen in den einzelnen Tönen. Manche klingen lauter als andere. Bei der Zederdecke ist der Ton recht laut bei neuen Saiten, wenn die Saiten aber älter als 10 Tage sind (vor allem die Bässe), lässt der Klang sehr viel zu wünschen übrig. Aber wie gesagt, das ist nur meine Meinung.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Decke 70 % des Klanges ausmacht und darum ein sehr wichtiger Faktor in der Gitarrenkonstruktion ist. Wie schon Torres (der Gitarrenbauer) schon mal demonstrierte, indem er eine Kartongitarre mit einer Fichtendecke baute.

Viele Grüsse an alle

LABG
Gitarren:
Santiago Marín XXX Anniversary 2005
Dieter Hopf Virtuoso 1981

sniggl
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Beitrag von sniggl » Sa 15.Apr 2006, 9:00

*** lautenist
lautenist hat geschrieben: Zum einen geniesse ich das Entwicklungspotential dieser Gitarren - sie werden in aller Regel immer besser während eine Zederndecke zwar nicht eingespielt werden muss, dafür aber tendentiell eher schlechter wird und bestenfalls die Qualität hält.
ich habe zwar auch gehört, dass sich Fichtengitarren entwickeln müssen und das entspricht auch meiner 1 jährigen Erfahrung mit meiner Burquet-Fichtengitarre. Aber wie ist denn die Qualitätskurve über einen längeren Zeitraum hinweg (20 -30 Jahre und mehr)? Sind Fichtengitarren auch "im Alter" noch sehr gut? Steigt somit der Wert einer Fichtengitarre mit dem Alter??

es335
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Beitrag von es335 » Sa 15.Apr 2006, 11:41

Sniggl hat geschrieben:Sind Fichtengitarren auch "im Alter" noch sehr gut? Steigt somit der Wert einer Fichtengitarre mit dem Alter??
Das läßt sich für Gitarren nur sehr schwer beantworten! Was jedoch nicht am Holz sondern durch das Konstruktionsprinzip begründet ist.

Die flache Bauweise der Gitarrendecke bedingt das Aufleimen von Deckenversteifungen und Saitensteg, die mit zunehmendem Alter aus diversen Gründen "nachlassen" können und was nicht wirklich reparabel sondern nur (mit einigem Aufwand!) korrigierbar ist und direkten Einfluß auf den Klang hat.
Im Gegensatz dazu ist die Geige und verwandte Instrumente über die Decken- und Bodenwölbung "selbstversteifend" konstruiert, kann verblüffend einfach demontiert und wieder zusammengesetzt werden und hier gilt nachweislich, daß sich der Klang über das Holz mit zunehmendem Alter verbessert.

Ich habe vor etlichen Jahren einmal gelesen, daß man bei professionell gespielten Gitarre von einer etwa 25 jährigen Lebensdauer ausgeht, d.h. das dann in der Regel der Klang nachläßt. Ob das heute noch so Bestand hat kann ich nicht sagen, da müßte man vielleicht einmal einen Gitarrenbauer konsultieren.

Jetzt sind wir hier in der Regel mehr oder weniger Hobbygitarristen und erreichen die Nutzungsdauer und Intensität eines Profi's in der Regel nie, weshalb unsere Gitarren uns in den meisten Fällen sicher klanglich "überleben" werden. :wink:

Ungeachtet dessen gibt es natürlich auch Gitarren-Sammlerstücke (Torres, Hauser, Weißgerber, Ramirez etc.), die im Wert gestiegen sind und auch weiter steigen werden, nur wer kann heute schon wissen, welche/r der mittlerweile zahlreichen guten Gitarrenbauer/innen sich in 100 Jahren als DER neue "Stradivari" der Gitarrenbaukunst erweisen wird. :roll:

Man sollte sich beim Gitarrenkauf einfach daran orientieren, wie einem das Instrument klanglich/spieltechnisch zusagt und weniger unter dem Gesichtspunkt der Wertsteigerung. So etwas ist kaum kalkulierbar! Der tägliche Spaß an einem Instrument, auf dem man sich wohlfühlt ist dagegen garantiert! :lol:
:bye:
Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

sniggl
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Beitrag von sniggl » So 16.Apr 2006, 10:55

Hallo es335,

danke für deinen Beitrag. Das war sehr informativ.
Du hast schon recht: wichtig ist die tägliche Freude am Instrument und 25 Jahre bei einer guten Gitarre ist einen lange Zeit. Aber mich hatte diese Frage einfach interessiert.
Woher weißt du denn soviel über die Bauweise von Instrumenten?

es335
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Beitrag von es335 » So 16.Apr 2006, 15:19

Sniggl hat geschrieben:Woher weißt du denn soviel über die Bauweise von Instrumenten?
:oops: ...gar soviel ist das nun auch nicht! :roll:

Das sind einfach Erfahrungen die sich so mit zunehmenden Alter ansammeln! Beim (ehemaligen!) Einkauf von alten (vorwiegend E-) Gitarren, durch einen guten Bekannten als Gitarrenbauer, eigenhändigen Bau/Modifikation von Instrumenten (mit einigen auch bösen Erfahrungen :oops: ) einen Geige spielen und bauenden Schwiegervater und last but not least dieses Forum, wo sich mir einige Dinge jetzt im Nachhinein neu dargestellt haben. :wink:

Sofern ich mir weitgehend sicher bin, scheue ich auch nicht, daß hier weiterzugeben, würde im Zweifelsfall aber immer auf einen Gitarrenbauer verweisen, die es zu Glück mittlerweile zahlreich gibt.

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c