Fichte einspielen

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MongoMan
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Fichte einspielen

Beitrag von MongoMan » Mi 22.Mär 2006, 15:47

wie geht ihr an eine neue Fichtendecke ran?
Es heißt ja, man könne den späteren Klang beeinflussen.
Gibt es irgent welche speziellen Spielarten die ihr vermeidet oder konzentriert anwendet?

Und meint ihr ein "Stümper" könne eine Fichtendecke ruinieren? Oder kann man die wieder zu leben erwecken?

cornwallfan
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Beitrag von cornwallfan » Do 23.Mär 2006, 1:28

Hallo Mongoman,

während eine Gitarre mit Zederndecke relativ schnell voluminös und laut daherkommt, kann das Einspielen einer Fichtendecke wohl wirklich u.U. jahrelang dauern. Ich habe das irgendwann mal so verstanden, dass dies wohl mit der unterschiedlichen Zellstruktur der Hölzer zusammenhängt.
Wenn die (Fichten)decke regelmäßig bei einem ausgwogenen Einspielen in entsprechende Schwingungen über den kompletten Obertonbereich (d.H. in allen Lagen) versetzt wird, bilden sich in der Zelle wohl kleinste Risse, und die entscheiden in der Summe wohl über das Deckenschwing-Verhalten, und somit darüber, wie wohlklingend das Instrument im Endeffekt klingt.
Von daher glaube ich nicht, dass man eine Fichtendecke ruinieren kann, aber wenn man während der Einspielphase permanent immer nur die drei gleichen Akkorde schrummelt, kann das Instrument wohl nicht den Klangcharakter entwickeln, den es bei Handhabung durch einen versierten Künstler hätte.
Gut beschrieben ist das übrigens hier, in der Beschreibung von Fichte und Zeder.

Viele Grüße,
CWF

jahro
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Beitrag von jahro » Do 23.Mär 2006, 10:53

Hallo Cornwallfan,

danke für deine Ausführungen und deinen Klasse-Link.
Ich habe da wieder eine Menge hinzugelert.

Wie Du immer sagst: "Das Forum bildet!" ;-)

Vielen Dank
und liebe Grüsse
jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 23.Mär 2006, 12:14

übrigens kann sich eine Fichtendecke auch durch längeren Nichtgebrauch des Instruments zurückentwickeln. ich hatte das bei meiner "alten" Biedermeiergitarre (1829) erlebt, die lange nicht gespielt wurde. Aber nach einer Weile regelmässigen Traktierens war sie dann plötzlich wieder da. Ein tolles Gefühl!

Es ist auch nicht so, dass die Entwicklung nach einem halben Jahr abgeschlossen ist. Bis zu etwa einem Jahr merkt man die Entwicklung sehr stark und kann anfänglich nahezu täglich Veränderungen spüren. Später geht es dann eher in Sprüngen, die immer weiter auseinanderliegen, aber wie gesagt - auch ein 180 Jahre altes Instrument "lebt" noch und entwickelt sich weiter.

Grüsse vom
Lautenist