Das Gitarrenmonster

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lautenist
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Das Gitarrenmonster

Beitrag von lautenist » Mi 29.Mär 2006, 11:06

Hallo,

nachdem mir Montag ein Kollege von der HMT Zürich den Hinweis gegeben hat, habe ich eben (nachdem die Firma mir meinen Rechner gekillt hat und ich auf den Service warte) mal nach dieser Gitarre gesucht:
http://www.chiaviguitars.com/htm_pages/ ... nt_13s.htm
Wäre das was für Euch?

Fast eine Frechheit finde ich, dass solche Projekte auch noch gefördert werden:
http://www.hmt.edu/vpage.php?id=2609&dept=2

Entwickelt wurde das Teil in Zusammenarbeit mit dem Anders Miolin, von dme ich solch einen Fehltritt nicht erwartet hätte :lol:.

Grüsse vom
Lautenist

Benjamin
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Beitrag von Benjamin » Mi 29.Mär 2006, 13:06

Also ich muss sagen, ich find die Idee eigentlich echt toll! Is doch nur gut, den Umfang der Gitarre zu erweitern, oder nicht? Vor allem das Bassregister!

Für mich allerdings wäre das nix! Ich bin jetzt schon mit meinen 6 Saiten überfordert ;-)
Gitarren:
- Hanika 59 PF
- Nicolaus Wollf - Fichte - Sandwich

Benny
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Beitrag von Benny » Mi 29.Mär 2006, 14:14

Was spricht gegen solch ein Instrument? - Ich finde, dass es doch sehr mutig ist so etwas mal auszuprobieren. Außerdem hat die Gitarre ja sehr viele Vorteile, wie die hohe Saitenanzahl, wo man viele Lieder getreu nachspielen kann.

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Mi 29.Mär 2006, 20:35

Benny hat geschrieben:Außerdem hat die Gitarre ja sehr viele Vorteile, wie die hohe Saitenanzahl, wo man viele Lieder getreu nachspielen kann.
Hallo Benny,
ich überlege grade, wie man auf den zusätzlichen Saiten greifen sollte. Vermutlich mit allen 5 Fingern der Greifhand, denn den Daumen unten am Hals zu belassen, wäre hier ziemlich aussichtslos ...

fürchtet der Gustaw

Benjamin
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Beitrag von Benjamin » Mi 29.Mär 2006, 21:16

*** Gustaw:

Das Ding wird wohl wie eine Theorbe oder so funktionieren. Die tiefen Saiten Sind ganztönig oder eben Töne aus der Tonart, von Grundton bis Dominante alles dabei. Ich denke nicht, dass auf denen gegriffen wird...
Gitarren:
- Hanika 59 PF
- Nicolaus Wollf - Fichte - Sandwich

jahro
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Beitrag von jahro » Mi 29.Mär 2006, 23:44

Hallo Lautenist,

also mir reichen meine sechs Saiten vollkommen aus.
@Benjamin: Da glaube ich hast Du recht. So wird es sein.
Wir hatte ja schon einmal eine Bild von Pat Metheneys Picasso-Gitarre
hier im Forum.
Die sah auch ziemlich wild aus.

Ich habe schon mit meine wenigen Saiten immer zu kämpfen, wenns
ums dämpfen (reimt sich) geht.

Aber bei so vielen Saiten, stelle ich mir das schon schwer vor.

Aber es wird Könner geben, die mit so einem Instrument
klar kommen.
Da bin ich mir sicher.

Trotzdem Danke für die Info
Viele Grüsse
jahro

pasinger-gitarrenmusik
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Beitrag von pasinger-gitarrenmusik » Do 30.Mär 2006, 13:46

Hi Lautenist,

interessanter Hinweis. Inwiefern findest du diese Gitarre als Monster? Mir wäre das zwar etwas unübersichtlich, aber für einen Lautenisten sind viele Saiten doch die Regel. Andere spielen mit 7 oder 10 Saiten Gitarre und scheinen es nutzen und gebrauchen zu können. Aus der Wiener Solonmusik ist bis heute die sogenannte Kontragitarre erhalten geblieben, die mit zwei Hälsen und bis zu neun zusätzlichen freien Saiten weitaus unhandlicher ist.

Netterweise hast du uns die Links gleich mitgegeben. Ich habe mir Anders Miolin angehört, klingt interessant, wäre mir aber den Aufwand nicht wert. Kennst du ihn? Warum fragen wir ihn nicht einfach? Ist es so, dass man dann Lautenliteratur ohne Transkription spielen kann (falls man die Tabulaturen überhaupt lesen kann)?

Viele Grüße
Dieter
Pasinger-Gitarrenmusik

Guitarlover
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Beitrag von Guitarlover » Do 30.Mär 2006, 14:27

@Lautenist
Ermanno wurde ja zum Teil auch von meiner Gitarrenbaumeisterin (M. Brunswicker-Apelt aus FFM) ausgebildet und er ist bekannt für seine individuellen Gitarrenbaulösungen, er gab auch Tipps für den Bau meiner 10saitigen Gitarre (Ermanno lernte ich 1988 bei einem Kurs in Norddeutschland kennen). Ja, solche Leute wie ihn braucht es um die Gitarre wieder etwas zu modernisieren, als Beispiel die verschiebbaren Stegeinlagen die er von Ahlerst übernahm etc...

@pasinger-gitarrenmusik
Ist es so, dass man dann Lautenliteratur ohne Transkription spielen kann (falls man die Tabulaturen überhaupt lesen kann)?
Ja, das funktioniert in der Tat, auch in Barockstimmung - ich verwende auch die Lautentabulaturen (erspart eine Menge Arbeit :D ).
Mit den Bässen lässt sich gut spielen, weil sie alle gut zu greifen sind (entsprechende Grösse der Hände vorausgesetzt).


Grüsse
Bertram

simon82
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Beitrag von simon82 » Do 30.Mär 2006, 16:02

Das Instrument find ich nur optisch total daneben wegen dem Schalloch.

Ansonsten bin ich selbst sehr an einer mehrsaitigen Gitarre interessiert, vor allem wegen Bachs Cembalomusik. Hat jemand Ehrfahrung damit und
weiss wie viele Saiten man mindestens braucht um beispielsweise das Wohltemperierte Clavier ohne Oktavversetzungen zu spielen? Und gibt es nicht bei den mehrsaitigen das Problem mit der Ausgeglichenheit zwischen Bass und Diskant bei diesem grossen Tonraum?
Es gibt auch Gitarren die eine zusätzliche hohe a-Saite haben was ich sehr sinnvoll finde .
Gibts nicht geht nicht

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 30.Mär 2006, 19:39

pasinger-gitarrenmusik hat geschrieben:Ist es so, dass man dann Lautenliteratur ohne Transkription spielen kann (falls man die Tabulaturen überhaupt lesen kann)?
Hallo Dieter,

ich finde die Gitarre monströs wegen der Grösse ... und ich weiss auch nicht so recht, was man damit spielen sollte. Die Gitarrenliteratur geht (zur Zeit noch) maximal bis zu einem 10-saiter (Mertz zum Bleistift). Die Literatur für Barocklaute lässt sich darauf nämlich nicht spielen. Wenn, dann müsste man massiv umstimmen, was aber eine neue Besaitung erfordern würde. Wozu also dieses Instrument? Ganz davon abgesehen, dass die Bearbeitung von Barocklautenliteratur durch das Hinzufügen so vieler Bässe nicht automatisch besser wird und schon gar nicht authentisch.
Die Contra-Gitarren haben ja ein Repertoire durch die Schrammeln etc.

Das sehe ich eben bei dieser Gitarre nicht.
Nichts gegen Weiterentwicklungen, auch das Liuto Forte ist ein nettes Instrument, aber das Problem ist, dass ein Instrument Spieler und Repertoire braucht und zwar ein Repertoire, das ein Publikum auch hören will.
Dazu kommt die Geschichte der B-Laute als Erfahrung: Das Instrument war so komplex und schwer handhabbar geworden, dass immer weniger Leute das spielen wollten und einfacher zu spielende Varianten wie die Mandora entstanden. An anderer Stelle ging man eben zum Klavier über. Jedenfalls war das einer der Gründe, warum die Laute ausstarb.
Und für retrospektive Aufführungen reicht das Instrumentarium, das wir haben. Historische Aufführungspraxis = Laute, moderne Bearbeitung = Gitarre.

Viele Grüsse vom
Lautenist