Stimmen nach Saitenwechsel

Fragen, Tips und Anregungen darüber, womit wir Gitarristen den Ton angeben
sebastian
Beiträge: 102
Registriert: Do 08.Dez 2005, 23:59
Wohnort: Berlin

Stimmen nach Saitenwechsel

Beitrag von sebastian » So 19.Mär 2006, 0:57

Hallo allerseits,

nachdem ich gestern zum ersten Mal überhaupt (nach drei Monaten!) die Saiten gewechselt habe, konnte ich zweierlei feststellen: erstens, dass es allerhöchste Zeit war (so schön kann Gitarrespielen klingen), zweitens, dass die Saiten nach zehn Minuten schon wieder verstimmt sind. Gelesen habe ich, dass sie sich anfangs noch an die Zugkraft gewöhnen müssen und das ständige Nachstimmen dann nicht mehr nötig ist.

Kann ich was dafür tun, dass das schneller geht?


Für die Antwort dankt

Sebastian

Mothman
Beiträge: 25
Registriert: Mi 01.Feb 2006, 19:26
Wohnort: Furtwangen / Südschwarzwald

Beitrag von Mothman » So 19.Mär 2006, 1:44

Hallo Sebastian!!
Soweit ich weiß, ist es völlig normal, dass sich eine gitarre die ersten tage nachdem man neue saiten aufgelegt hat, sehr schnell verstimmt, weil sich die saten noch festziehen und nachspannen. das geht eben ein par tage, darum sollte man sie qauch nicht unbedint einen tag vor einem Konzert wechsel!!!
aber ich glaube nicht zu wissen, dass man diesen effekt irgendwie umgehen kann. damit müssen wir gitarristen eben leben, und ständig nachstimmen. denn wie sagt man so schön: "ein gitarrist stimmt die hälfte seines lebens, und die hälfte stimmt er nicht!" und letzteres gilt ganz besonders für die ersten tage nach einem saitenwechsel!!

ich hoffe ich konnte dir helfen und habe nix falsches erzählt........

grüße allerseits

tobias

Bernhard
Beiträge: 164
Registriert: Di 03.Jan 2006, 11:21
Wohnort: Saarland/Kreis Saarlouis

Beitrag von Bernhard » So 19.Mär 2006, 2:25

Hi!

Meine Art, diese Prozedur des Nachstimmens abzukürzen: die Saiten vom Schallloch kräftig wegziehen! Und das mehrmals. Hört sich brutal an. (ist wahrscheinlich auch so)

vG Bernhard

sebastian
Beiträge: 102
Registriert: Do 08.Dez 2005, 23:59
Wohnort: Berlin

Beitrag von sebastian » So 19.Mär 2006, 10:27

Danke, ihr habt mir geholfen! :chitarrista:

Johannes
Beiträge: 61
Registriert: Mi 08.Mär 2006, 12:58
Wohnort: Hessen

Beitrag von Johannes » So 19.Mär 2006, 10:37

Hallo Sebastian,
ich weiß nicht, ob Du die ganze Länge der Saite auf die Mechanik gewickelt hast oder nicht. Wenn ja, dann gibt es die Möglichkeit, nur zwei, drei Windungen aufzuwickeln, so dass die Saite hält, und den Rest abzuschneiden. Dadurch verringert sich die Masse der Saite und das Anpassen an die Spannung geht schneller.
(Hab ich mal gelesen)

Gruß
Johannes

es335
Beiträge: 108
Registriert: Mo 16.Jan 2006, 16:42
Wohnort: Nettetal

Beitrag von es335 » So 19.Mär 2006, 13:07

Hallo Sebastian,

man kann in der Tat durch durch die Art, wie man die Saiten aufzieht, den Vorgang des "Einstimmens" der Saiten abkürzen, aber man sollte in jedem Fall mind. zwei Tage einkalkulieren, bis die Saiten ihre Stimmung so halbwegs halten.
Bernhard hat geschrieben:die Saiten vom Schallloch kräftig wegziehen!
Auch das hilft zusätzlich, wobei ich das nahezu mittige Ziehen über dem Schalloch wirklich etwas "brutaler" finde. Ich wende es dort an, wo ich die Wirkung erzielen will, nämlich unten kurz vom Steg bzw. auch oben auf den Hals kurz vorm Sattel. Aber Achtung (!), dabei sollte man sicher sein, daß die Saiten an beiden Enden ausreichend gesichert sind.

Sprich die Saite an den Wirbeln durch eine unterzogene Schlaufe mit Knoten sichern und das offene Ende der Diskantsaiten am Steg durch eine Verdickung gegen Herausrutschen sichern. Letzteres erreiche ich z.B. dadurch, daß ich das Saitenende senkrecht gehalten mit einer Flamme so erweiche, daß sich ein ausreichend dicker Tropfen bildet. Das ist weniger dramatisch als es sich vielleicht anhört und ist auch nicht auf meinem Mist gewachsen. Habe das mal einem Interview mit einem bekannten Konzertgitarristen gelesen und umgehend als äußerst praktische Lösung adaptiert. Man kann auch das Ende nur verknoten, was ich aber bei der h- und g-Saite für weniger sicher halte.

Vielleicht stöberst du auch noch mal ein bischen im Forum, denn ich kann mich an einige Links zu sehr gut illustrierten Seiten zu diesem Thema erinnern, die ich aber auf Anhieb jetzt nich mehr finde. :oops:

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

Benjamin
Beiträge: 52
Registriert: Mo 13.Mär 2006, 21:45
Wohnort: Tuttlingen - BW

Beitrag von Benjamin » Di 21.Mär 2006, 1:12

Ich hab das auch mal eine Zeit lang gemacht mit dem Wegziehen. Manche sagen ja auch, dass die Saiten dadurch schneller kaputt gehen. Ist galub ich auch was dran!

Ich spiel einfach viel und stimm oft nach, dann stimmen die schon meist nacheinem Tag.
Gitarren:
- Hanika 59 PF
- Nicolaus Wollf - Fichte - Sandwich

cornwallfan
Beiträge: 316
Registriert: So 09.Okt 2005, 0:31
Wohnort: 42781 Haan /Rhld.

Beitrag von cornwallfan » Di 21.Mär 2006, 2:01

Saitenwegzieher aufgepaßt :!:
Als alter Holzwurm rate ich dringend davon ab, die Bernhardsche Methode des Saitenzerrens weg vom Schalloch zu praktizieren.
Der Steg hat bei Akustikgitarren aufgrund der unterschiedlichen Schwundmaße der verwendeten Hölzer und der unterschiedlichen Faserrichtung von Haus aus die Neigung, sich auf Dauer von der Decke zu verabschieden. Die heute verwendeten Leime halten dem normalen Saitenzug parallel zur Decke aber in der Regel problemlos stand, solange die Gitarre nicht über einen längeren Zeitraum bei zu niedriger rel. Luftfeuchte (< 45 %) gelagert wird.
Es kann aber sein, dass sich im Laufe der Zeit doch eine beginnende Stegablösung abzeichnet, die man unter Umständen garnicht bemerkt. Durch das Zerren der Saiten im stumpfen Winkel zur Decke wirken jedoch mit einem Male ganz andere Kräfteverhältnisse auf die Leimfläche, und man kann unbeabsichtigt größeren Schaden anrichten.
Tipp vom Schreinermeister: macht es bei hochwertigen Konzertgitarren nicht.
Was bei Strat, Telecaster und Co. super funktioniert, bekommt unseren Klampfen nicht immer gut.
Viele Grüße aus Haan,
Andreas

-------------------------------
Gitarren: Yamaha GC-31 C u. Ariana 6512

zorolowski
Beiträge: 204
Registriert: Mi 12.Okt 2005, 22:03
Wohnort: Heiligenhaus

Beitrag von zorolowski » Di 21.Mär 2006, 9:09

Hallo,

dem Cornwallfan kann ich da nur zustimmen. Bei dem Wegzerren der Saiten vom Schalloch könnte schlimerers passieren. Wobei ich aber auch nicht glaube, dass das irgendetwas bewirkt. Genauso wenig glaube ich, dass das kürzen der Saiten etwas wesentliches bewirkt.
Nylon braucht aufgrund seiner Struktur einfach eine Zeit, bis sich die Moleküle ausgerichtet haben. Ich finde das aber auch nicht besonders dramatisch. Im Normalfall kann ich 12-16 Stunden später wieder spielen, wenn ich daran denke, zwischendurch einige male nachzustimmen.

Gruß
Zorolowski

jahro
Beiträge: 542
Registriert: Do 01.Dez 2005, 13:05

Beitrag von jahro » Di 21.Mär 2006, 10:47

Hallo Cornwallfan und Zorolowski,

vielen Dank für diese absolut schlüssigen Ausführungen zum
Thema Saiten-weg-ziehen.

Ich habe das früher auch so gemacht (wie Bernhard beschrieben hat).
Aber nach eueren Ausführungen bin ich dann doch etwas ins
Zweifeln gekommen (Sinn oder Unsinn) der ganzen Sache.

Also ich werde es in Zukunft bleiben lassen.

Viele Grüsse
jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

Manuel Mager
Beiträge: 28
Registriert: Mo 27.Mär 2006, 13:41
Wohnort: Sohland/Spree

Beitrag von Manuel Mager » Mi 12.Apr 2006, 11:27

Hallo Cornwallfan und Zorolowski,

vielen Dank für euere Erklärungen. Ich werde jetzt das Saitenziehen etwas vorsichtiger betreiben. :wink:

Viele Grüsse
Manuel

zorolowski
Beiträge: 204
Registriert: Mi 12.Okt 2005, 22:03
Wohnort: Heiligenhaus

Beitrag von zorolowski » Mi 12.Apr 2006, 16:21

Hallo Manuel,

ich bin der Meinung, dass das Saitenziehen, ob vorsichtig oder weniger vorsichtig, gar nichts bewirkt. Die Nylonfaser ist extrem elastisch, das bedeutet dass der Effekt, den ich ich durch das Ziehen bewirke, wieder aufgehoben wird. Das kurzeitige Ziehen bewirkt in der Struktur überhaupt nichts. Erst durch die dauerhafte Zugkraft richten sich die Moleküle allmählich aus. Und selbst dieser Prozess ist zum größten Teil wieder umkehrbar (sonst hätte die Saite ja nach kurzer Zeit keine Spannung mehr).
Locker mal über Nacht eine Saite (die schon längere Zeit auf der Gitarre verweilt), so dass kaum noch Spannung drauf ist. Am nächsten Tag verhält sich diese Saite fast so, als wäre sie neu aufgezogen.

Gruß
Zorolowski

es335
Beiträge: 108
Registriert: Mo 16.Jan 2006, 16:42
Wohnort: Nettetal

Beitrag von es335 » Fr 14.Apr 2006, 20:02

Hi Zoro,

das Saitenziehen beschleunigt insbesondere die Fixierung der Saiten an den Enden und genau dafür setze ich es auch gezielt ein!

Das "Auslängen" der Saiten wird dadurch hingegen nur wenig beeinflußt und dauert einfach seine Zeit. Der Prozeß ist jedoch nicht umkehrbar! Bei dem von dir beschriebenen Experiment muß sich die Saite an den Enden (!) halt einfach wieder neu setzen.

Es sind halt zwei Effekte, "Auslängen" und "Befestigung fixieren", die sich dabei immer überlagern!

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

zorolowski
Beiträge: 204
Registriert: Mi 12.Okt 2005, 22:03
Wohnort: Heiligenhaus

Beitrag von zorolowski » Sa 15.Apr 2006, 14:22

Hi es335,

da muß ich doch noch mal widersprechen. Der Prozeß ist umkehrbar (wenn auch nur zum Teil), sonst wäre doch nach kurzer Zet gar keine Spannung mehr auf der Saite. Es ist ähnlich wie bei einem Gummiband. Wenn ich dass unter Spannung setze, nimmt es nach Entlastung auch nach Monaten fast wieder die ursprüngliche Form an.

Davon abgesehen, die Saitenspannung entspricht einem angehängtem Gewicht von ca. 5,5 bis 7kg pro Saite. Um einen Effekt durch ziehen zu erzielen, muß ich ja noch eine ganze Ecke zulegen. Ob das noch gut für die Saite ist?

Gruß
Zorolowski

es335
Beiträge: 108
Registriert: Mo 16.Jan 2006, 16:42
Wohnort: Nettetal

Beitrag von es335 » Sa 15.Apr 2006, 20:53

Hi Zoro,

wir widersprechen uns nicht wirklich. :lol: Unter Spannung dehnen sich die Saiten und diese Dehnung ist natürlich reversibel, auch wenn der Begriff "elastisch" hier nicht ganz korrekt ist.

Ich hatte nur das "Auslängen" der NEUEN Saiten gemeint, was in den ersten Tagen nach dem Aufziehen abläuft, seine Zeit braucht, nicht reversibel ist, durch das "Saitenziehen" aber auch nicht wirklich verbessert oder beschleunigt wird. :wink:

Vielleicht ist hier einfach nur etwas mehr Geduld angebracht. Die Saitenzieherei ist nicht ohne Risiko und in Bezug auf das Auslängen der Saiten scheint mir ein Vergleich mit einer Grippe angebracht, die mit Medikament 2 Wochen und ohne 14 Tage dauert. :D

Viele Grüße
es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c