Fingerlänge entscheidend ?

Fragen, Tips und Anregungen darüber, womit wir Gitarristen den Ton angeben
Kemps' Jig
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Fingerlänge entscheidend ?

Beitrag von Kemps' Jig » So 04.Dez 2005, 11:02

Hallo Gitarren-Freunde,

Eine Frage die sich wohl jeder, inspezielle an sich selbst, gestellt hat: Haben Menschen mit längeren Fingern leichteres Spiel ?
Ich glaube schon das die Fingerlänge das Spiel "beeinflusst", doch sie muss sie nicht einschränken-man erreicht halt leichter gewisse Bünde.

Also was haltet ihr davon, welche ungefähre Länge haben eure "Gefühlsausdrücklinge" ? (nur ca.---sehr kurz-kurz-mittel-lang-sehr lang---etc.), und wie geht ihr damit um ?

Gruß
,yours Kemps' Jig
-Frauen sind manchmal wie Gitarren, nur gut gestimmt klingen sie gut-

coolman
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Beitrag von coolman » So 04.Dez 2005, 11:38

Hallo Kemp's Jig!

Ich würde sagen von der Länge her sind meine ca. mittel für jemanden der ca. 180 groß ist.
Persönlich habe ich aber den Eindruck, dass sie in manchen Fällen zu kurz sind ;-)
Es wäre auch interessant zu wissen wie die "Normhand" für eine 65er Mensur aussehen muß! Ich glaube nämlich, daß ich ca. eine 63er brauchen würde. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit so ein Instrument auszuprobieren da 65 die allgemein übliche Zahl ist.

lg
coolman
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Gustaw
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Beitrag von Gustaw » So 04.Dez 2005, 12:11

Hallo Kemp's Jig,

meine Greifer sind eindeutig zu kurz. Als ich als Jugendlicher mit dem Gitarreunterricht begann, wollte die Lehrerin mich wegen der zu kurzen Wurstfinger erst nicht nehmen (!). Hat aber doch noch geklappt.

@coolman: Die Mensur spielt m.E. keine ernsthafte Rolle hierbei, ich hatte mal für die Tochter eine 3/4 Gitarre, da ist eindeutig zu wenig Platz. Die 65 cm kommen aus dem Torres Modell, und hier ist wohl eine wunderbare Symbiose aus Klangeigenschaft und Anatomieanpassung gefunden worden. Es gibt ja noch unterschiedliche Griffbrettbreiten - einige Hersteller bieten hier mm-Schritte - das muss man probieren. Dafür liegen die Saiten wieder enger bei einander. Dann gibt es ja 'Langfinger' mit breiten Fingerkuppen, die hätten zwar die richtige Länge, brauchen aber breite Griffbretter um sauber aufsetzen zu können. Dann ist auch der Saitenabstand zum Griffbrett hin von Belang, denn hier konkurriert Klangeigenschaft mit Kraftaufwand. Ich denke, wir Gitarristen haben gut unsere Muskeln der beiden Hände trainiert, einzeln einsetzbar, exakt justierbar, kräftig ... *schwärm* ... wir könnten doch eine Finger-Building-Show abziehen, oder ... 8)

Resümierend möchte ich sagen, dass man lernt, mit seinen Fingern entsprechend umzugehen. Schließlich sind wir beidhändige Fingerakrobaten. Weiterhin muss jeder Gitarrist einen individuellen Fingersatz für jedes Stück finden. Das meine ich ernst. Und durch Übung wird man sehr gelenkig, kennt Ihr zB. das Fmaj7, mit 1 auf (6)/I.Bund und 4 kl. Barrée über (1)(2)(3)/V.Bund? Dann wäre noch (Albéniz, Granada) im 2. Teil ein verletzungsträchtiger Spreizgriff mit 1 auf (5)/II.Bund, 3 auf (4)/VI.Bund und 4 auf (1)/VII.Bund ... all das kann man lernen (zur Sicherheit habe ich die Telefonnummer meines Orthopäden stets parat :wink: ).

Soweit mein Beitrag, Gustaw

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » So 04.Dez 2005, 13:11

Hi Kemps' Jig,

Coolman schrieb:
Hallo Kemp's Jig!
Ich würde sagen von der Länge her sind meine ca. mittel für jemanden der ca. 180 groß ist.
Persönlich habe ich aber den Eindruck, dass sie in manchen Fällen zu kurz sind
Trifft haargenau bei mir zu!!!

Ich hab bis vor ca. einem Jahr auf einer Takeharu gespielt. Die hatte mit 50-60mm ein schmaleres Griffbrett als meine Esteve mit 52-62mm. Ich war da erst etwas skeptisch was so einige Stücke anging. Gustaw hat ja die Fingersätze einiger Transkriptionen passend beschrieben. Ich muß aber sagen, dass ich mit dem breiteren Griffbrett besser zurecht komme.
Gustaw, ich stimme dir absolut zu, dass jeder Gitarrist seinen eigenen Fingersatz finden muss. Die in den Stücken angegebenen Fingersätze können meines Erachtens nur Empfehlungen sein.

Gruß Zorolowski

qminusi

Beitrag von qminusi » So 04.Dez 2005, 14:06

gelöscht
Zuletzt geändert von qminusi am Di 14.Feb 2006, 10:42, insgesamt 1-mal geändert.

cornwallfan
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Beitrag von cornwallfan » Mo 05.Dez 2005, 1:20

Meine Griffel sind recht schmal und lang. Als gelernter Schreinermeister bin ich zudem auch recht froh, dass sie noch alle dran sind.... :wink:

In früheren E-Gitarren-Zeiten habe ich, unabhängig vom sound, lieber auf meiner Strat oder Tele gespielt, als zum Beispiel auf der Hamer mit der kürzeren Mensur. Kann sicher mit der Fingerlänge zusammenhängen.

Wichtiger als die Mensurlänge (ist bei meiner Hanika auch 650 mm) scheint mir mittlerweile die Halsbreite. Vielleicht hätte ich mit dem Kauf doch noch etwas warten sollen, ein 3-4 mm breitererHals wäre sicherlich noch schöner.

Trotzallem: wohlgeformte Finger bringen ohne Übenübenüben garnichts. In der späten 70ern habe ich mal A. Segovia live gesehen (!) Seine Finger waren, wie der ganze Mann, kurz und gedrungen (ich will jetzt bewußt nicht öffentlich Wurstfinger sagen) Zudem spielte er, wie ich im Web gelesen habe, seit 1960 eine Jose Ramirez mit hoher Saitenspannung und 66,5er (!!!) -Mensur. Wohlgemerkt: nicht wegen, sondern trotz seiner kurzen Finger. Was dieser Mann auf der Gitarre gespielt hat, brauche ich hier in diesem Forum wohl nicht zu erwähnen. :shock:

Dann gibts da ja noch einige Fotos von Agostin Barrios: dieser Mann muß Hände in der Größe von Wagenrädern gehabt haben. Habt Ihr das mal gesehen? Diese Riesenflossen auf einem herkömmlichen Griffbrett unterzubringen, stelle ich mir auch schwierig vor.... Allerdings hatte er auch wohl eine wahnsinnige Spreizfähigkeit, wie in vielen seiner schriftlich erhaltenen Stücke ja eindrucksvoll dokumentiert. Da ist Gustaws Fmaj7 eine lockere Nummer gegen :D

Fazit für mich: ich habe schöne lange Finger. Nützt aber garnix!
Also: Zollstock weg und ÜBEN! (das soll ja auch für andere Lebensbereiche gelten.....)
Viele Grüße aus Haan,
Andreas

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Gitarren: Yamaha GC-31 C u. Ariana 6512

mark
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Beitrag von mark » Di 06.Dez 2005, 10:21

Kommt es wirklich darauf an? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten der grossen Gitarristen ganz unterschiedliche Finger haben: Segovia hatte wirklich Hände, die eher denen eines Profiboxers ähnelten, während z. B. Bream ganz zarte, "Musische" Händ hat. Schliesslich kommt es aber meiner Meinung nach in jeder Art von Musik nur auf die Inspiration an: die Hände sind nur ein Mittel, um etwas auszudrücken, was in einem steckt.
Mark

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Do 08.Dez 2005, 20:15

Längere Finger?
Naja, die Handchirurgen könnten da schon was machen… :twisted:

Sechs Finger?
Da musste ich an eine Filmsequenz aus „Gattaca“ denken: dort spielt eine Klaviersonate eine Rolle, die nur von einem sechsfingerigen Pianisten zu meistern ist.
Ich glaube, wir sind aber auch so schon Exoten genug.

Mehr Kraft, Spreizfähigkeit, Gelenkstabilität?
Da könnte man sich für Trockenübungen ohne Instrument ja mal bei den Ergotherapeuten umschauen: Qi- Gong- Kugeln, Therabänder und -knete, Handkrafttrainer, …
Aber warum eigentlich- die ganz spezifische Muskulatur, Feinmotorik, Koordination trainiert man mit Klangkontrolle an den Saiten mit Sicherheit zielgerichteter.

Die Hände sind wohl nicht passend zu kriegen. Aber vielleicht das Instrument?
Mensurlänge und Griffbrettbreite und –form sind in Grenzen variierbar. Ist das eine Lösung? http://www.stollguitars.de/index.htm
Es gibt in der Richtung noch mehr Angebote, leider ist meine zugehörige Linksammlung irgendwo in den Tiefen der Computerkiste verschwunden.
Für mich wär’s ja nix, aber mit professionellen Kenntnissen zur Holzverarbeitung als Rüstzeug wäre doch eine einmalige Verlegung des Urlaubszielgebietes nach z. B. Waldems- Esch zu überlegen?? :wink:

Wenn ich mich recht erinnere, haben sowohl Django Reinhard als auch Leo Brower mit bösen Verletzungen ihrer Hände fertig werden müssen. Klarer Beweis für Marks Aussage, dass Musik bestimmt woanders als in den Fingern entsteht und die Griffel nur Mittel zum Zweck sind.

Bleibt wohl tatsächlich nichts anderes übrig, als durch Üben die naturgegebenen anatomischen Voraussetzungen ignorieren oder nutzen zu lernen…
Ich geh dann mal meine langen Finger dressieren- Anna Nyma