Der Nageltick

Fragen, Tips und Anregungen darüber, womit wir Gitarristen den Ton angeben
Dirk
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Der Nageltick

Beitrag von Dirk » Mo 30.Jan 2006, 0:21

Habe auch im Laufe der Zeit so einen" Nagelprüftick" angewöhnt. Mit dem Daumen der re. Hand, oder Kuppen der li.Hand kontrolliere ich die Glattheit und Rundheit der Nägel.Hängt würde ich sagen auch vom jeweiligen Gemütszustand ab... Hab`i.d.R. in der Hosentasche ein Stück sehr feines Schmirgelpapier dabei

coolman
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Beitrag von coolman » Mo 30.Jan 2006, 17:21

Hallo Dirk!

Also Schmirgelpapier hab ich normal nicht dabei, weil ich auch meine Gitarre nicht dabei hab' ;-)

Aber den kleinen Tick mit der Kontrolle der Fingernägel hab ich leider auch. Immer wieder schau ich nach ob die Länge usw. noch passt!

lg
coolman 8)
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lautenist
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Beitrag von lautenist » Mo 30.Jan 2006, 17:58

Hallo Dirk!

Früher hatte ich das auch und war auch ein Dauerfeiler und Experte in Feilenfragen - ich habe es dann als grosse Erleichterung empfunden, ohne Nägel zu spielen (geht halt auf den meisten Konzertgitarren nicht bzw. nur mit extremen Einbussen an Klangqualität). Wenigstens die Sucht bin ich los :-)

Beste Grüsse vom nagellosen Lautenisten

(nägel prüf --- :shock: --- entschieden zu lange Nägel. Müssen nachher unbedingt ab - wie klingt sonst nur meine Laute :roll: Glücklicherweise :lol: ist heute nur Gitarrenensemble dran ... )

:P :P :P :P

larypeter
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Beitrag von larypeter » Mo 30.Jan 2006, 22:29

Hallo Dirk, genauso geht es mir auch, wie ich schon früher schrieb:

larypeter hat geschrieben:Hallo Kemps' Jig,

ich ertappe mich immer selbst dabei, wie ich mit dem Nagel meines Daumens die Nägel meiner anderen Finger auf Glattheit überprüfe indem ich sie übereinandergleiten lasse und umgekehrt, außerdem schaue ich mir sehr oft die Beschaffenheit meiner Nägel an, allerdings wie eine Frau, mit gekrümmten Fingern.


larypeter

Tobias
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Beitrag von Tobias » Di 31.Jan 2006, 19:46

Hallo Dirk,

danke für den Tip mit dem Schmirgelpapier, das paßt wenigstens überall rein. Den Nägelprüftick habe ich auch. Aber anscheinend schon ganz unterbewußt. Ich reagiere nämlich nur noch darauf, wenn eine Macke drin ist. Und das ist ja das ärgerliche, wenn aus einer kleinen Kerbe gleich ein abgerissener Fingernagel wird. Das wird mir vielleicht in Zukunft nicht mehr passieren, dank Deinem Hinweis mit dem Schmirgelpapier. :D
Gruß Tobias
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hein blöd
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Beitrag von hein blöd » Mi 01.Feb 2006, 1:06

In einer betagten, aber durchaus noch aktuellen "Praktischen Gitarren-Schule" steht zu lesen:

"Um einen vollen markigen Ton hervorzubringen, muss der Anschlag stark sein (jedoch ohne Steifheit) und mit der Spitze der Finger geschehen, ohne Mitwirkung der Nägel".!?

wie darf ich das heute einordnen als einer der auch gerne "nagellos" spielt?

Stichhaltiges pro und contra interessierte mich schon sehr.

MlG

Hein

Tobias
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Beitrag von Tobias » Mi 01.Feb 2006, 19:22

Hallo Hein Blöd,

ich finde diese Frage fast schon zu wissenschaftlich!
Aus welcher Zeit ist denn die Gitarrenschule. Wie waren die Gitarren zu der Zeit beschaffen, und welche Saiten gab es zu dieser Zeit?
Mit den heutigen Nylonsaiten finde ich einen Anschlag ohne Nägel zu plump.
Im übrigen gab es schon zu Zeiten Mauro Giulianis Verfechter und Gegner des Nagelanschlags. Schlag Dich also wie Fernando Sor und vielleicht auch der Autor der Gitarrenschule als Verfechter des nagellosen Anschlags durch. :chitarrista:
Bis jetzt habe ich übrigens immer nur zwischen kürzeren und längeren Nägeln gehört, oder ob man beim Daumen einen Nagelanschlag braucht, aber gar keine Nägel...(?) - ich halte es für Klangeinbußen.
Gruß Tobias
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Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Mi 01.Feb 2006, 20:33

Hallo Hein Blöd,
Hein Blöd hat geschrieben:Stichhaltiges pro und contra interessierte mich schon sehr.
Wie so oft gibt es hier keine vorgefertigte Antwort bzw. die letzte Wahrheit. Man kann beides spielen, es ergeben sich unterschiedliche Klangwirkungen. Lediglich bei Tremolo geht es ohne Nägel nicht schnell genug, die Nägel haben doch weniger Reibung auf der Seite als die Kuppe. Meiner Erfahrung nach kann man mit dem Nagel mehr Klangfarbe erzeugen als mit der Kuppe; nagelloses Spiel ist dennoch nicht wirklich 'falsch'.

Gustaw

Benychi
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Beitrag von Benychi » Mi 01.Feb 2006, 21:42

Hallo Miteinander,

auch ich bin stolzer Besitzer des "Nagelticks", stolz deswegen, da mir das Spiel ohne Nägel einfach nicht mehr gefällt. Es entstehen ohne Nägel, wie hier schon mehrfach erwähnt wurde, zu hohe Klangeinbußen.

Ich spielte selber bis vor 5 Jahren ohne Nägel, da mir die Nagelpflege immer zu lästig war. Das Tremolo-Spiel lernte ich ebenfalls ohne Nägel, ...

"Lediglich bei Tremolo geht es ohne Nägel nicht schnell genug, ..." - Gustaw (mit der Zitat-Technik bin ich leider noch gar nicht vertraut)

... im Flamenco gibt es eine "Regel", die besagt, dass immer von der Kuppe zum Nagel gespielt wird, daher trifft die "Reibungstheorie" nicht ganz zu. Ein Tremolo ohne Nägel klingt jedoch meiner Meinung nach nicht wirklich schön.

Am Ende bleibt es dann vielleicht Geschmackssache. Wirklich schwer haben es jene Nagelgitarristen, die zudem noch an Nägelkauen leiden ... :lol:

lautenist
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Beitrag von lautenist » Do 02.Feb 2006, 1:38

hein blöd hat geschrieben:In einer betagten, aber durchaus noch aktuellen "Praktischen Gitarren-Schule" steht zu lesen:

"Um einen vollen markigen Ton hervorzubringen, muss der Anschlag stark sein (jedoch ohne Steifheit) und mit der Spitze der Finger geschehen, ohne Mitwirkung der Nägel".!?

wie darf ich das heute einordnen als einer der auch gerne "nagellos" spielt?

Stichhaltiges pro und contra interessierte mich schon sehr.

MlG

Hein
Hallo Hein (kennst Du eigentlich Ottos sketch vom Heiligen Hein ... ehem)

der Gitarrenbau hat sich verändert und die meisten Gitarren, die heute erhältlich sind, sind nicht für einen Kuppenanschlag geeignet. Das ist der Grund, warum ich auf Biedermeier umgestiegen bin, Dort wird mit niedriger Saitenspannung und anderem Tonideal gespielt, so dass die heutigen Paradigmen nicht greifen.
Wenn ich aber eine moderne Konzertgitarre spielen will, dann ist die Frage "Nagel- ja oder nein" keine wirklich erwägenswerte. Auf nahezu allen heute gebauten Konzertgitarren ist eine kontrollierte Tonbildung ohne Nägel nicht möglich.
Wenn Du aber Biedermeiergitarren ausprobierst, dann verstehst Du schnell,d ass das einmal eine ernsthafte Diskussion war. Auf Laute oder eben Biedermeiergitarre ist der Ton (bei angepasster Technik) eben genauso formbar wie mit Nägeln. Die Möglichkeiten in der Klangfärbung etc. unterscheiden sich und da kann man dann streiten.
Heute ist das egal.

Viele Grüsse vom
Lautenist

Dirk
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Nagel oder Kuppe

Beitrag von Dirk » Do 02.Feb 2006, 16:14

Hallo ,
habe eben grade die eure Mails über die Nagel-Kuppen -Fragen gelesen.
Mein erster "richtiger"Gitarrenlehrer war Pujol Anhänger und so habe ich zuerstmal auch mit Kuppe gelernt. Fand ich wirklich schwer dabei einen schönen runden Ton zu rauszukriegen, mein Lehrer konnte es allerdings.
Die Idee ansich hinterm Kuppenspiel aber leuchtet mir sehr wohl ein, d.h. die Kontrolle über den Ton in all seinen Qualitäten.
Angesicht der Relation zwischen Aufwand und Ergebnis jedoch bin ich dann aber doch gern auf Nagel umgestiegen und zufrieden.Bin allerdings grade dabei meine Anschlagtechnik umzustellen.
Mit Grüßen,
Dirk :wink:

lautenist
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Re: Nagel oder Kuppe

Beitrag von lautenist » Do 02.Feb 2006, 17:49

Hallo Dirk,

die Kontrolle des Tons hängt nicht nur vom "Medium" (Kuppe vs. Nagel, Plektrum?) ab, mit dem der Ton erzeugt wird, sondern im Fall der Gitarre auch von Saitenzug (also zu überwindendem Widerstand), dem Material (Darm, Nylon, Carbon, Seide) und dann auch den Klangeigenschaften des Instruments.

Klassische Gitarren (und das meiste an Saitenmaterial) sind nun seit Jahrzehnten konstruiert, um den Nagelanschlag optimal zu unterstützen. Der Saitenzug ist auf einer Konzertgitarre übrigens 3 - 4 Mal so hoch wie auf einer Biedermeier. Die Biedermeier ist für Darmsaiten gebaut, die moderne Konzertgitarre für Nylon/Carbon etcetc pp. Ich bin der Überzeugung, dass eine Ausbildung zum Kuppenanschlag auf einem dafür nicht geeigneten Instrument nicht sinnvoll ist. Nimmt man eine Flamenco- oder Biedermeiergitarre an, dann sieht die Welt schon wieder anders aus.

Du kannst den Ton mit Nagelanschlag völlig kontrollieren. Das bedarf einfach etwas Übung (Technik nennt man sowas). Man verlangt von einem Klavierspieler ja auch nicht, erst einmal mit einem Hämmerchen die Saiten im Klavier selbst anzuschlagen oder ar, sie erst einmal mit den Fingern zu behämmern, damit man die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers erkennt.
Oder vielleicht noch besser bei der Geige: Anfänger auf der Geige lernen ja auch gleich mit dem Bogen zu spielen.
Das Medium zur Klangerzeugung gehört zum Instrument dazu und das ist bei der klassischen Konzertgitarre unserer Tage eben der Nagel.

Ich bin Kuppenspieler und verfechte den Kuppenklang natürlich! Aber bitte auf einem geeigneten Instrument!
Die Vorteile des Kuppenspiels liegen für mich auf der Hand (wortwörtlich hihi). Nur: Wenn ich mich für die Konzertgitarre entscheide, dann entscheide ich mich auch dafür, meine Nägel an der rechten Hand wachsen zu lassen und für lebenslanges Feilen und Angst vor abgebrochenen Nägeln.

Grüsse sendet der
Lautenist

Tobias
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Beitrag von Tobias » Do 02.Feb 2006, 22:53

Hallo Lautenist,

heißt das nun, daß man sich entweder für Gitarre oder für Laute bzw. Biedermeiergitarre entscheiden müßte?
Ist es klanglich ungünstig, historische Instrumente (nennt man das so?) mit Nagelanschlag zu spielen?
Gruß Tobias
Gitarre: Paulino Bernabe - Estudio E-6
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Beitrag von lautenist » Fr 03.Feb 2006, 10:34

Hallo Tobias,

die Biedermeierklampfe ist ziemlich stabil - die wurde ja auch historisch sowohl als auch gespielt.
Klanglich sind vor allem die doppelchörig besaiteten Instrumente heikel (sind sie sowieso, aber mit Nägeln umso mehr).
Allerdings gibt es auch Hinweise, dass zum Beispiel die Vihuela mit Nägeln gespielt wurde. Das Dedillo ist zum Beispiel eine beschriebene Technik, bei der man mit dem Nagel die Saiten anschlägt - wie bei einem Plektrum. Dooferweise weiss man halt nicht so genau, was eine Vihuela war und wie sie besaitet war.
Eine Theorbe lässt sich auch gut mit Nägeln spielen.
Allerdings: doppelsaitig bespannte Instrumente wie Barockgitarre, Lauten und so sind heikel. Will ich dann schöne Töne in beiden Welten erzeugen muss ich zwingend Kompromisse eingehen. Irgendwann stört das jeden. Als erstes war bei mir der Daumennagel ab und die restlichen wurden passend gefeilt. Das geht schon, aber war auf die Dauer auch nicht befriedigend. Irgendwann (hat Jahre gedauert) habe ich dann den Schritt gemacht udn die Nägel abgeschnitten.

Sagt der Lautenist

hein blöd
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Beitrag von hein blöd » Sa 04.Feb 2006, 21:39

Hallo allerseits,

insgeheim hoffte ich schon auf mehr "pro" für ohne Nägel.
Der Grund sind meine spröden Nägel.

Unbestritten erzeuge ich mit Nägeln mehr Klangfarbe.
Das bedeutete aber für mich (etwas übertrieben), zwei Stunden spielen, 14 Tage Nägel nachwachsen lassen.

Hat wer die gleichen Probleme?
Wie geht er damit um?
Fügt er sich in sein "Schicksal" und erkennt M. Carcassi`s Vorgaben als die einzig richtigen an?
Kunstnägel?
Vitaminpräparate?
Oder spielt man eben notgedrungen bewusst individuell und macht das Beste daraus?

Aber wie auch immer, mich solls am spielen nicht hindern.

MlG

Hein