Abdämpfen oder nicht? Und wie?

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
Vincent
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Abdämpfen oder nicht? Und wie?

Beitrag von Vincent » Mi 22.Feb 2006, 20:03

Hallo zusammen,
ein Problem, dass mich schon seit längerem und immer mal wieder beschäftigt, ist das folgende:

Vor allem bei Stücken der Klassik stehen in der "unteren Stimme" sehr oft Noten, die man ohne weiteres auf den leeren Seiten spielen wird – wenn da nicht die leidigen Pausen wären. Frage: dem Notentext folgen und abdämpfen oder durchklingen lassen. Das Stück kann ziemlich anders klingen, wenn man abdämpft, aber schnell wird aus leicht spielbaren Passagen ein Problembereich. Außerdem hat der Komponist sich dabei auch was gedacht.

Wie haltet ihr es? Werktreue vor Bequemlichkeit? Und wie dämpft man richtig ab? Mit der rechten Hand oder der linken? Gitarreschulen umgehen nach meiner Erfahrung dieses Thema meist.
Ich brauch da mal Nachhilfe und Meinungen.

Vincent

Ich weiß nicht, ob es in diesem Forum richtig plaziert ist oder besser in "Theorie, Übungen" – das mögen die Moderatoren entscheiden.
*** richtig geahnt - hier gehört es hin - Gustaw ***

michael1377
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abdämfen

Beitrag von michael1377 » Mi 22.Feb 2006, 20:31

Hallo Vincent,

mein Tip zu dem Thema die Gitarrenschule Play Guitar Teil 2 da wird auf das Dämfen eingegangen.

Micha

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Mi 22.Feb 2006, 21:04

Hallo, Vincent,
sehr ausführlich und überzeugend zu diesem Thema hat sich Roland Dyens im Abschnitt II seines Vorworts zu “20 lettres pour guitarre solo“ geäußert (leider nur auf Französisch und Englisch)- sowohl über den Sinn wie über Techniken. Er hat sogar ein nicht übliches Zeichen eingeführt, um dem Interpreten mitzuteilen, wann und auf welche Weise er die Dämpfung wünscht – inklusive Fingersatz!
Wenn man mit diesem Heft arbeitet und der überaus exakten Notation folgt, bekommt man irgendwann ein Gefühl dafür.

Für mein Empfinden ist Dämpfen dann unbedingte Pflicht, wenn sich ungewollte Dissonanzen ergeben und der weiterklingende Ton nicht in den Folgeakkord „passt“. Aber so, wie man bemüht ist, lange Noten entsprechend ihrer Dauer klingen zu lassen, sollte man wohl auch Pausen „spielen“. Allerdings kann das selbst vermeintlich einfache Stücke schwierig machen… Ich finde es sinnvoll, die Dämpfung gleich richtig mit in die Fingersatzüberlegungen – für rechte wie für linke Hand- einzubeziehen.

Es gibt nicht DIE Methode dafür- es muss sich aus dem Kontext ergeben:
Mir fallen folgende Möglichkeiten ein:
- man berührt mit einem freien Anschlags- oder Greiffinger die schwingende Saite
- der Daumen kann’s mit Vorder- und Rückseite und auch über mehrere Saiten
- man lockert den Druck des aufgesetzten Greiffingers auf der betreffenden Saite
- durch Kippung eines auf der tieferen Nachbarsaite aufgesetzten Fingers der LH (passiert leider ungewollt viel öfter als gewollt :wink: )

Falls Du’s noch nachlesen willst: spannende „Pausendiskussionen“ gab’s auch bei Larypeters Bacheinspielung schon mal.

Gruß von Anna

aläx
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Beitrag von aläx » Mi 22.Feb 2006, 22:50

Hallo Vincent

ich bin ein Anhänger der Theorie, dass man damals einfach anders notiert hat.
Insbesondere kann man gerade im klassischen Berreich feststellen, dass die Notationen so nicht funktionieren.
Barbara Polasek hat mal den Wettbewerb von Radio France gewonnen und dabei das Stück "Rondoletto" von Giuliani gespielt.
Da sind jede Mengen Pausen notiert die nie gespielt werden und wurden. Sonst würde das Stück nicht klingen, bzw. ist das auch stellenweise unmöglich.

tschau Aläx

Brink
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Beitrag von Brink » Do 23.Feb 2006, 2:54

Hallo Vincent!

Anna Nyma hat ja die einzelnen Techniken schon erläutert.
Wenn die Pausen im Text stehen, so denke ich, sollte man sich auf alle Fälle mal damit auseinandersetzen. Ob man sie dann 1:1 übernimmt ist dann eine andere Frage.
Ich persönliche denke, dass man nach Möglichkeit Pausen in der Bassstimme mit der rechten Hand, genauer mit dem rechten Daumen, ausführen sollte.
Die Vorteile sind:
- da man Daumen und die übrigen Finger relativ unabhängig (mit Übung)
voneinander bewegen kann, ist der weitere Spielfluss meist nicht unterbrochen

- das Abdämpfen mit links ist unpräziser, weil man auf dem Bund abdämpfen muss, auf dem sich die Griffhand gerade befindet. Das kann zu Unsauberheiten führen.

Das Dyens sich zu dem Thema geäussert hat wundert mich nicht. Seine Werke sind davon gespickt den Bass abzu dämpfen :D

Grüsse, Jan

Vincent
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Beitrag von Vincent » Do 02.Mär 2006, 10:07

Hallo zusammen und vielen Dank, speziell an Anna Nyma, für die ausführlichen Hinweise. Vieles bestätigt meine Ansichten. Ich bin sehr für Werktreue, aber das macht es manchmal nicht einfach. Auf jeden Fall sollte man das Problem "Abdämpfen" schon beim Lesen des Notentextes bedenken.
Die genannte Literatur (Dyens) steht mir leider nicht zur Verfügung. "Play guitar" wird so vieles bezeichnet, gibt es für "Gitarrenschule Play Guitar Teil 2 " noch weitere Angaben?
Grüße
Vincent

jahro
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Beitrag von jahro » Do 02.Mär 2006, 10:45

Hallo Vincent,

Die Gitarrenschule

Play guitar: Gitarrenschule 1+2
von Michael Langer & Ferdinand Neges

ist ein 2-teiliges Werk, welches sich vor allem an Anfänger
richtet.
Die Stücke-Auswahl geht von Klassik bis Pop
Ich habe mir die 2 Bände mal angesehen.
Schöne Illustrationen, nett gesetzt und Ringbindung (praktisch).
Mit CD
Also etwas zum selberlernen.

Wenn Du dir mal ein grobes Bild davon machen willst,
schau auf der Homepage von Michael Langer.

Dort befindet sich Probekapitel von dem Buch als PDF-Datei.

Viele Grüsse
jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

tcm
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Re: Abdämpfen oder nicht? Und wie?

Beitrag von tcm » So 05.Mär 2006, 22:50

Vincent hat geschrieben:Frage: dem Notentext folgen und abdämpfen oder durchklingen lassen.
Abdämpfen oder nicht hängt oft von den entstehenden Harmonien (Akkorden) ab. Paßt der Basston in die Harmonie kann man ihn oft auch klingen lassen. Oft ist es sogar wünschenswert, da dann mehr Klangvolumen zur Verfügung steht. Im Gegensatz zu den Pianisten müssen war um das Volumen ständig kämpfen, wir haben leider kein Haltepedal.

Ganz anders ist es natürlich mit Läufen im Bass, da muß man natürlich abdämpfen. Ich denke vielen Gitarrenkomponisten wie z.B. Sor oder Giuliani war der Sachverhalt völlig klar und sie haben deswegen nicht alles so genau notiert.

Eduard
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!!!

Beitrag von Eduard » Do 09.Mär 2006, 12:53

du musst schauen, ich spiel das stück so, wie es am besten klingt. mit welcher hand du abdämpst ist dir überlassen, kommt auf die situation drauf an. manchmal hast du keine freien finger auf der rechten hand und musst es mit dem daumen, der linken hand machen.

meint Eddy
+++!Hauptsache der Metronom tickt weiter!+++

Cw;icw!