Pinzettenhaltung der Hand bei zweistimmigem Spiel vermeiden

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
sebastian
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Pinzettenhaltung der Hand bei zweistimmigem Spiel vermeiden

Beitrag von sebastian » So 19.Mär 2006, 10:34

Hallo allerseits,

ich wieder eine Anfängerfrage:
Jetzt erst mache ich meine ersten Anfänge mit dem zweistimmigen Spiel, und wenn Bass- und Melodiesaiten gleichzeitig angeschlagen werden, sollen ja der Daumen und der "Melodiefinger" Gegenbewegungen ausführen und aneinander vorbei geführt werden; leider habe ich das Problem, dass ich unwillkürlich den Daumen zum "Melodiefinger" (das ist häufiger beim Zeigefinger der Fall) hin- und nicht an ihm vorbeiführe. So bekomme ich eine Pinzettenhaltung, die natürlich das Spielen vollkommen hemmt.

Was kann ich machen, um dieses Problem zu beheben?

Dank sagt

Sebastian

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » So 19.Mär 2006, 12:21

Lieber Sebastian,

da Du ja anscheinend weißt, wie die richtige Bewegung aussieht, kannst Du das Problem auch sehr wahrscheinlich selbstständig lösen.

Das Wichtigste ist, langsam und kontrolliert die richtige Bewegung auszuführen, und zwar so lange, bis sich dieser Bewegungsablauf vollkommen automatisiert hat. Das geht nur mit ungeteileter Aufmerksamkeit, d.h. Du musst SEHEN, HÖREN und FÜHLEN was Du da tust. Übe täglich 10 Minuten oder weniger ganz intensiv die RICHTIGE Bewegung. Spiele NICHT die Kombination p/i oder p/m, wenn du nicht darauf achten kannst, WIE Du es machst.
Denn wenn Du einfach drauf los spielst, übst Du die falsche Bewegung ein.

Meist ist es ja so, dass man vielleicht ein paarmal richtig übt, und anschließend "spielt" - und dabei macht man es dann 100 mal falsch!
Was "übt" man dann? Man übt, es FALSCH zu machen. Also lieber gar nicht diese Kombination spielen, solange die richtige Bewegung nicht automatisiert ist.

Prof. Sasaki an der Musikhochschule Aachen empfiehlt übrigens immer "Machen X!" D.h., nach dem Anschlag zeigt der Daumen und der Zeigefinger den Buchstaben X. Der Handrücken bleibt vollkommen ruhig, und darf sich nicht einen Millimeter von der Decke entfernen.

Viel Spaß und Erfolg beim Üben!

es335
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Beitrag von es335 » So 19.Mär 2006, 13:32

Hi Schnecke,

auch wenn ich nicht der Fragende bin, einen Riesendank für das "MACHEN X". Das ist eine dieser unnachahmlichen Metaphern, die alles Wesentliche in knappster Form auf den Punkt bringen.

Ich jetzt "machen X " :D

Viele Grüße
es335

PS: Habe ich zwar vorher auch irgendwie so gemacht, aber nie mit letzter Konsequenz, wie das bei einem Autodidakten eben so ist. :oops:
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

sebastian
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Beitrag von sebastian » So 19.Mär 2006, 14:07

Danke, Schnecke!

Dein Beitrag war mir eine große Hilfe!

Johannes
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Beitrag von Johannes » So 19.Mär 2006, 15:02

Hallo Sebastian, Schnecke und es335,

Prof. Sasaki macht ein X.
Ich habe es mir als „Segovia-Dreieck“ gemerkt.
In dem schönen lesens- (und anschauens-) werten Büchlein
Vladimir Bobri, Eine Gitarrenstunde mit Andrés Segovia
kann man zu einer entsprechenden Zeichunug lesen:
„Der Daumen bildet mit dem Zeigefinger ein Kreuz, das ein Dreieck freigibt.“
(Das Büchlein ist übrigens auch deshalb anschauenswert, weil nicht nicht jeder so grazile Finger hat wie Altmeister Segovia. :wink: )

Viele Grüße, über Kreuz oder im Dreieck!
Johannes