Lange Stücke einüben

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
Bernhard
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Lange Stücke einüben

Beitrag von Bernhard » Mo 17.Apr 2006, 0:33

Hallo!

Wie macht ihr das mit den langen Stücken :?:

Habt ihr eine bestimmte Vorgehensweise, wie ihr längere Stücke einübt :?:
Teilt ihr das Stück auf, oder versucht ihr es gleich im Ganzen :?:
Macht ihr euch einen besonderen Übungsplan für die schwierigen Passagen :?:
Lernt ihr lange Stücke auch auswendig :?:
(lernt man lange Stücke nicht zwangsläufig auswendig, weil man sie wohl öfter durchspielt?)


vG Bernhard

cornwallfan
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Beitrag von cornwallfan » Mo 17.Apr 2006, 1:28

Hi Bernhard,

interessante Frage, die ich mir selbst so noch nicht gestellt habe. :shock:
Ich verfahre bislang so, dass ich das jeweilige Stück bei jeder Übungssession zumindest einmal komplett durchspiele, was je nach Schwierigkeitsgrad ewig lang dauern kann.
Bei der Feinauflösung mache ich mir dann Unterteilunguen (nicht zu lang, ca. jeweils 4 - 5 Takte) welche ich separat einübe, aber jeweils so, dass ich den vorangegangenen Takt mit hinzunehme, um keine künstlichen Zäsuren einzuüben. Diesen Tipp habe ich glaub´ich von unserer Kollegin Schnecke übernommen, und das funktioniert sehr gut.
Irgendwann wächst das Stück dann zusammen.
Übungspläne mache ich mir nicht, sondern halte es wie Zoro: ich spiel´ es so lange, bis ich es kann :wink:
Ich habe allerdings bei mir festgestellt, dass ich auf diese Art ein Stück nicht auswendig lernen kann. Das wiederum gelingt mir durch Visualisierung der linken Hand (negative Folge: beim Spielen gucke ich immer wie ein Kaninchen auf die Schlange auf den Gitarrenhals, was für eventuelle Zuschauer auch nicht so doll ist :oops: ) Diese "Bildfolge" schaue ich mir in der Einschlafphase nochmal vor meinem geistigen Auge an, und ich bin sehr erstaunt, über das Ergebnis. Es funktioniert allerdings nur, wenn der Fingersatz absolut steht, und ich die jeweilige Stelle auch wirklich sicher drin habe.
Viele Grüße aus Haan,
Andreas

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Gitarren: Yamaha GC-31 C u. Ariana 6512

jahro
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Beitrag von jahro » Mo 17.Apr 2006, 13:13

Hall Bernhard,

also so richtig lange Stücke hatte ich noch nie eingespielt.
Aber ich lerne meine Stücke immer auswendig, da ich relativ lange
brauche bis ich sie kann
(bzw. bis ich einigermassen zufrieden damit bin).


So wie CWF es mit den einzelnen Takte und schwierigen Stellen beschrieben
hat mache ich es auch. Ich nehme mir eine Sequenz vor (1 bis 2 Takte),
welche mir Probleme bereitet und spiele die dann in einer Art
Endlosschleife. Wobei ich das Tempo je nach Problemstellung deutlich
runterfahre. Damit hat mein Kopf dann die Möglichkeit sich die Stelle
einzuprägen.

Um dem Problem des Hals-Anstarrens entgegenzuwirken,
spiele ich ein Stück auch mal mit geschlossenen Augen.
Auch wenns dann bei den Lagenwechsel machmal eng wird :-).

Viele Grüsse
jahro
Zuletzt geändert von jahro am Mo 17.Apr 2006, 22:56, insgesamt 1-mal geändert.

es335
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Beitrag von es335 » Mo 17.Apr 2006, 14:03

Hallo Bernhard,

im Rahmen dessen, was für MICH ein "langes Stück" darstellt, lerne ich über ständiges Übung mehr oder weniger rasch die Stücke auswendig spielen. Schwierige Passagen natürlich isoliert und antizyklisches Vorgehen, also Stücke sukzessive vom Ende zum Anfang hin einzuüben, hat sich bei mir ebenfalls als sehr vorteilhaft herausgestellt. Um einen "Schlendrian" in Form subjektiv nicht wahrgenommener "Erholungspausen" zu verhindern, setze ich jetzt auch vermehrt wieder das Metronom ein.

Ist das Stück dann einmal eingeübt, kann ich es meist blind nach einer "akustischen Schablone" in meinem Kopf nachspielen, wobei sich das wahrscheinlich besser anhört, als es wirklich ist. Denn sobald der "Datenstrom" einmal abreißt, ist der Faden weg und die Vorstellung beendet. :? :oops:

Deshalb habe ich jetzt immer die Partitur vor mir liegen und folge dem Stückeverlauf, ohne aber echt vom Blatt zu spielen. In Wirklichkeit binde ich so meine Aufmerksamkeit und es wirkt auch unterstützend für meine Konzentration. :wink:

Das das für's Notenlesen und von Blatt spielen eher suboptimal ist liegt auf der Hand, aber jeder versucht halt sich mit seinen Unzulänglichkeiten so gut wie möglich zu arrangieren.:roll:

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

Lenni
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Beitrag von Lenni » Di 18.Apr 2006, 12:56

Hallo ess 335,
das mit dem Datenstrom ist bei mir wohl ein motorisches Muster meiner Fingerbewegungen - wenn ich einmal unterbreche, habe ich verloren. Merkwürdigerweise lerne ich leichte Stücke seltener auswendig, wahrscheinlich weil man sie sio leicht vom Blatt spielen kann. Bei den schwierigen muss man halt so oft aufs Griffbrett schauen, damit die Finger richtig sitzen. So muss man sich den Fingersatz vorher besser einprägen.

simon82
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Beitrag von simon82 » Di 18.Apr 2006, 17:32

Auf jeden Fall Übungsabschnitte.
Wenn ich die Abschnitte (1-2 Takte bzw.musikalische Sinnabschnitte) übe,dann immer ziemlich genau 6 mal hintereinander,weil das erfahrungsgemäß die Grenze ist, wo es noch nicht monoton und sinnlos wird und man sich noch konzentrieren kann. Damit hab ich z.B. bei Bachs Allegro 998 gute Erfahrungen gemacht.
Nie "einfach so" durchspielen, sondern sich immer EIN konkretes Ziel nehmen, also z.B. richtiger Fingersatz, guter Ton, sauberes Aufsetzen usw.
Wenn ich alle Abschnitte kann, setz ichs wie ein Puzzle zusammen.
Man soll auch, hab ich mal gehört, das Stück unabhängig voneinander nach
-Notenbild
-Gehör
-Kettenreaktion der Spielbewegungen/motorisches Gedächtnis
abspielen können.

Ansonsten hab ich damit zu kämpfen, mir das "wilde Spielen" abzugewöhnen, also das gedankenlose Durchspielen, weil das nie Fortschritte bringt und man sich die Nachlässigkeiten antrainiert.
Gibts nicht geht nicht