Richtiges Üben

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
Bream57
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Richtiges Üben

Beitrag von Bream57 » Mi 02.Nov 2005, 23:14

Kann man sich allein durch das Spielen immer schwierigerer Stücke wirklich verbessern? Oder geht das nur durch gezielte technische Übungen (die ich ungern mache)?

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Mi 02.Nov 2005, 23:27

Hi Bream57,
die 'eindeutige' Antowrt lautet: beides
Da ich aber eher zu schönen Stücken als zu trockenen Übungen neige, fällt mir die Wahl nicht schwer.
Gustaw :pirate:

wiesiek350940
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Beitrag von wiesiek350940 » Do 03.Nov 2005, 2:14

Hallo Bream 57,

also ich fürchte, dass Gustaw recht hat :lol:
Man braucht wirklich beides. Wenn man probiert die Technik einfach "spielend" zu beherschen ( 1000 mal wiederholen bis es endlich klappt :wink: ) macht man leider die Musik einfach tod.
:cry:

Wünsche viel Geduld !!!

Gruß,
Wieslaw

coolman
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Beitrag von coolman » Do 03.Nov 2005, 13:39

Hallo Bream57!

Mir gehts genau wie den anderen!
Vom Tonleitern-Trällern wird man ja trübsinnig ;-)

LG
coolman
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Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Do 03.Nov 2005, 15:05

Hallo,

Ich würde nur behaupten, dass die Musik Spass machen muss. Es gibt Leute die sehr gerne täglich eine Stunde Tonleiter spielen und anschliessend schöne Stücke.

Die Frage ist auch, was will man denn erreichen? Nur spielen um Spass und Freude zu haben oder Professionnel werden.

Das ist meine persönliche Meinung, was denkt ihr darüber?

Liebe Grüsse, :wink:

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Do 03.Nov 2005, 17:55

Hallo,

dem kann ich nur beipflichten. Als Freizeitmusiker steht bei mir unbedingt der Spaß im Vordergrund. Wenn ich einen großen Teil meiner Zeit mit technischen Übungen verbringen würde, hätte ich die Gitarre mit Sicherheit schon an den Nagel gehangen. So komme ich immerhin schon auf 32 Jahre (wenn auch mit kleinen Unterbrechungen), die ich spiele.
Was mich mal interessieren würde: Wieviel Zeit investiert Ihr in die Musik? Ich versuch täglich so 1,5 Stunden zu spielen. Klappt zwar nicht immer, aber im Schnitt dürfte momentan das sogar fast hinhauen.

Gruß
Zorolowski

coolman
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Beitrag von coolman » Do 03.Nov 2005, 18:08

Hallo Zorowski %Alle!

Du sprichst mir aus der Seele! Es muß einfach immer Spaß machen! In meiner besten Zeit (vor Christoph Columbus) konnte ich 1,5 h auswendig spielen aber ich hab kein einziges Stück wirklich auswendig gelernt. Das ergab sich so "nebenbei". Und ich bin froh, dass es so ist, denn wenn ich alles lernen müßte um Geld zu verdienen dann würde das Ganze ja in Arbeit ausarten :cafe: und das wollen die meißten von uns ja vermeiden.
Wenn ich etwas "perfekt" hören will, dann leg' ich mir eine CD ein....

....und höre ein Stück von jemandem der 6h pro Tag übt!

LG
coolman
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Spacetoon
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Beitrag von Spacetoon » Do 03.Nov 2005, 20:40

Zorolowski hat geschrieben :
Wieviel Zeit investiert Ihr in die Musik?
Hallo,

Diese Frage ist wirklich hochinteressant und ich werde umgehend eine neue Rubrik öffnen :

Wieviel Zeit investiert Ihr in die Musik?

Gute Idee, Zorolowski :okok:

Steph
Gitarre : Yamaha CG-90 MA

telefon
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Beitrag von telefon » Fr 04.Nov 2005, 14:03

hallo alle! der vorschlag von zorolwski würde mich auch interessieren!

in der woche komme ich leider meistens erst nach 8 uhr dazu gitarre zu spielen. manchmal bin ich dann auch arg müde und kann dann nur noch einfachere stücke spielen. da komme ich im schnitt auf 1 stunde. am wochenende könnens dann schonmal 3 stunden werden. alles was darüber hinaus geht hat für mich keinen zweg, weil ich mich dann nicht mehr richtig auf die musik konzentrieren kann. ich spiel die 3 stunden auch meist nich am stück, sondern teil mir das über den tag auf: zb 1,5 h morgens und 1,5 h abends.

gruß, telefon :shock:

lautenist
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üben und übezeit

Beitrag von lautenist » Mi 16.Nov 2005, 11:30

Hallöle,

witzig finde ich, dass ich auf der Gitarre durchaus technische Uebungen mache (dazu spaeter noch etwas), aber auf meinen hyster ... aeh historischen Instrumenten kaum.

Ich versuche, am Tag mindestens 2 Stunden zu üben, wobei das - durch Pausen bedingt - meistens so 3 bis 4 stunden dauert.

Auf der Gitarre fange ich mit ein paar Uebungen an, um die morschen Finger etwas in Bewegung zu bringen: Tonleitern, erst einmal ganz langsam, dann auch mal in Triolen, in 4er und 8er-Gruppen und so, dann schöne Akkordübungen und dann irgendwelche Spezialitäten.
Anschliessend wird "fantasiert" - früher habe ich Etüden gespielt, fand die aber meistens öde. Und es macht schon Spass, sich selbst etwas auszudenken und seien es nur Variationen über irgendeine Akkordfolge a la A-Moll, G-Dur, C-Dur und so oder über Bassschemen wie Folias, Passacalia oder Rumba.
Dann geht es an die Stücke.

Auf der Laute überspringe ich meistens die Uebungen und fange entweder mit einfacheren Stücken oder Passagen aus Stücken oder mit "Fantasien" (also Improvisationen) an bevor das grade aktuelle Stück geübt wird. Manchmal (kurz vor einem Konzert) konzentriere ich mich dann auch mehr auf den Ablauf und spiele ein Programm einfach durch, nehme mich dann auch gerne auf und versuche, die Wirkung zu checken.

Gruezlis vom
Lautenist

GitarrenMensch
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Beitrag von GitarrenMensch » Sa 26.Nov 2005, 21:39

Das musst du ganz selber wissen .
Ich würde meinen das man durch beide Dinge besser werden kann.
Nur wenn du aber nicht gerne technische Übungen machst , dann spiel doch lieber schwere Stücke und wenn du in einem schweren Stück ein " technisches Problem " hast , dann übst dies verstärkt und so könntest du deine Technik verbessern.

j.list
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Beitrag von j.list » So 04.Dez 2005, 21:35

Beim Üben kommt es sehr darauf an, auch die richtige Körperhaltung und Entspannung zu trainieren. Wenn ich mich nur von einem Stück zum anderen zu hangeln versuche, stoße ich sehr bald an Grenzen, weil ich mir durch schlechte Haltung den Fortschritt verbaue. (Ich kenne nur zu viele Gitarristen mit total verspanntem Nacken!). Ich kann hier nur wieder das Heft "Zen in der Kunst des Gitarrespielens" empfehlen, auch wenn der Titel etwas abgehoben erscheinen könnte.

aläx
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Beitrag von aläx » Mi 18.Jan 2006, 22:15

Hallo Bream und auch die anderen

Ich denke, das es auf diese Frage keine eindeutige Antwort gibt.
Ich hatte mal einen Lehrgang bei Elliot Fisk als er gerade das erste mal in Deutschland war und die gesamte Gitarrenwelt mit seiner Technik in ungläubiges Erstaunen und (bei manchem) Depressionen versetzt hat.
Eines vorweg. Es war wirklich unglaublich denn Elliot konnte Stücke an einem Tag auswendig lernen für die andere Gitarristen Jahre brauchen. Vor allem hatte er keinerlei technische Probleme.
Als Grund für diese überlegene Technik meinte er, dass er Untericht bei einem der weltbesten Cembalisten "Ralf Kirkpatrik" hatte und er deshalb auch direkt aus z.B. Klaviernoten heraus spielen kann (d.h. Elliot setzt gedanklich bereits den Baßschlüssel um und spielt beides soweit machbar direkt vom Blatt).
Dabei kommen natürlich haarsträubende Fingersätze heraus die für den Normalgitarristen unspielbar sind.
Als er dann an "normale " gitarrenliteratur" herangegangen ist waren diese Stücke für ihn leicht.
Das stützt irgendwie die These, dass man durch das üben schwerer Stücke seine Technik verbessert.
Aber erst ab einer gewissen Stufe denn davor sind technische Übungen unerlässlich und die hat Elliot sicher auch erst mal gemacht.
Für alle die mal die Möglichkeit haben empfehle ich sich die Aufnahme von Elliot mit den 24 Capricen von Paganini anzuhören und nebenbei die Noten zu lesen.
Für einen Normalsterblichen nicht machbar.


tschau Aläx

Tobias
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Beitrag von Tobias » Do 19.Jan 2006, 1:07

Hallo Bream57,

ob man sich alleine durch das Spielen immer schwierigerer Stücke verbessern kann, will ich anzweifeln. Irgendwann ist eine Ebene erreicht, wo man ohne professionelle Hilfe nicht mehr weiterkommt. Vielleicht kann man es spielen - aber damit meine ich nur noch die Übertragung der Noten auf die Saiten (ohne Tempo, ohne Interpretation, ohne Klang)! :shock:
Durch technische Übungen, denke ich, wird die Spielebene, die man kann einfacher, weil man lockerer bleibt.
Ansonsten muß ich Spacetoon voll und ganz zustimmen. Wir Amateurgitarristen sind nicht dazu verpflichtet irgendein Stück einzuspielen. Wenn etwas nicht geht, geht´s halt nicht. Gitarre spielen muß Spaß machen.

Gruß Tobias
Gruß Tobias
Gitarre: Paulino Bernabe - Estudio E-6
Die Sprache der Musik kennt keine Grenzen.

es335
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Beitrag von es335 » Do 19.Jan 2006, 16:57

Hallo Bream,

ich glaube die Auffassung, daß irgenwann Spielen und Technik erforderlich ist, dürfte weitgehend unstrittig sein. Ich selber habe profilaktisch immer sehr viel Technik gemacht, weil ich das eigentliche "Musikmachen" möglichst von technischen Einschränkungen frei halten wollte. Da spielt durchaus der Spaßfaktor an der Musik ein Rolle.

Da diese Übungen in der Regel "zweckfrei" sind, d.h. sich nicht direkt auf ein technische Problem in einem Stück bezieht, habe ich zwei Kategorien von technischen Übungen unterscheiden gelernt.

Die erste Kategorie ist die, wo dir bestimmte Technikinhalte vermittelt werden. Z.B. die rechte Hand Studien von Guliani. Da werden konkret alle vorstellbaren Anschlagsvariationen durchgeübt. Habe ich mit Begeisterung gemacht und doch immer wieder in dem einen oder anderen Fall Anschlagsprobleme festgestellt.

Die zweit Kategorie, die ich für mich persönlich vorziehe, wird z.B. von Tarregas rechte Hand Studien repräsentiert. Hier werden mit relativ harmlos erscheinde Übungen gezielt bekannte Abhängigkeiten zwischen den Fingern und damit technische Einschränkungen der rechten Hand beseitig. Man übt also nicht eine bestimmte technische Variante, sondern macht seine Finger "frei" für das Spiel mit (fast) beliebigen Anschlagsvarianten.

Deshalb kann ich nach den Tarrega Übungen auch problemlos alle Guliani Varianten spielen, aber umgekehrt funktioniert das nicht! Damit möchte ich die Guliani Übungen nicht abwerten, sondern gebe nur die Wirkung wieder, die ich bei mir feststelle.

Vielleicht hilft dir dieser Ansatz etwas weiter. Technik Übungen werden dadurch nicht attraktiver, aber wenn das mit der unmittelbar Erfahrung verknüpft ist, daß sich dein Spiel dadurch grundlegend verbessert, ist ein gesteigerter Spaßfaktor beim Musikmachen fast garantiert.

Gruß es335