eure sitzhaltung?

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Do 23.Feb 2006, 11:43

aläx hat geschrieben:Ich habe mal in eine Gitarrenseminar versucht die Leute zum Sport zu bewegen.
No Chance!!!
Hallo Aläx,
versuch’s beim Delcamp- Treffen doch noch mal: wenn die meisten kommen, wirst Du Marathonläufern, Basketballern, Volleyballern, Karatekämpfern, Gymnastikanhängern, Taj- Chi- Erfahrenen, … ??? begegnen. Da wird sich das Thema Gitarre- Rückenschmerz- Sport theoretisch wie praktisch + aktiv auf breite Erfahrungen gestützt beleuchten lassen- falls neben dem Gitarrespielen noch genug Zeit bleibt... :roll:
Gruß
Anna

LABG
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Beitrag von LABG » Fr 24.Feb 2006, 13:35

Hallo Leute,

ich habe eure Beiträge gelesen und es wundert mich, dass dieses Problem mit der Haltung noch nicht gelöst worden ist. Ich muss einige von euch zustimmen und sagen, dass die Haltung an für sich nicht das alleinige Problem ist, sondern mehr andere Faktoren. Zu diesen zählen der Hocker, den man benutzt (bitte keinen normalen Stuhl verwenden oder wenn dann nur kurzzeitig!), die Höhe und Härte dieses Hockers (am besten einen harten oder einen Klavierhocker verwenden, den man in die Höhe regulieren kann), die Zeit, die man spielt, die jeweilige körperliche Konstitution und Kondition, natürlich die Haltung auch selbst (wenn man nicht locker und mit geraden Rücken sitzt, kann das sehr schlimme Folgen haben), und viele andere...

Ich spielte vor Jahren stundenlang Gitarre und hatte noch nie Probleme mit meinem Rücken. Ich muss dazu sagen, dass ich natürlich regelmässig Sport getrieben habe und auch, dass ich nie länger als eine halbe Stunde gesessen bin ohne aufzustehen. Es ist gut, die Muskeln zu entspannen und einige einfache Übungen zu machen. Es muss ja nicht viel sein, manchmal reicht es grade, wenn man ein paar Schritte läuft und die Arme und Hände leicht durchschüttelt.

Heutzutage sitze ich auch stundenlang vor dem Rechner (meine Arbeit verlangt es so) und trotzdem habe ich auch nie Probleme mit meinem Rücken gehabt. Ich mache es genauso wie mit der Gitarre: einfach entspannt und bequem sitzen, die richtige Höhe beachten und vor allem öfters aufstehen, um sich z. B. in der Küche ein Glas Wasser zu holen. Und wenn man wirklich zu lange gesessen hat, reicht es auch aus, wenn man draussen einen fünfzehn Minuten langen Spaziergang macht...

Ich hoffe, etwas zu diesem Thema beigetragen zu haben und bin mir natürlich bewusst, dass manche von euch, eine andere Meinung dazu haben werdet.

Viele Grüsse an alle

LABG
Gitarren:
Santiago Marín XXX Anniversary 2005
Dieter Hopf Virtuoso 1981

jahro
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Beitrag von jahro » Fr 24.Feb 2006, 23:33

Hallo LABG,

sehr interessantes Posting von Dir.
Gerade den Aspekt mit dem Stuhl habe ich früher nir
so wichtig genommen.
Aber seit ich einmal auf einem Klavierstuhl mit der Gitarre
gesessen habe, möchte ich unbedingt auch so einen.
Das war wirklich äussest bequem.

Ich habe im Moemt so ein Zwischending.
Aber dier Stuhl ist wirklich seh sehr wichtig.
Schön, dass Du diesen Aspekt nochmals beleuchtet hast.
Auch das regelmäßige Entspannen kommt bei mir viel zu kurz.
Das sollte ich auch öfters machen.

Danke nochmals für deine Ausführungen.

Viele Grüsse
jahro
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CUENCA 60P
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Volker Schmitz
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Beitrag von Volker Schmitz » Do 16.Mär 2006, 12:25

Der beste Link zu dem Thema den ich kenne!

www.gitarrenhaltung.de/ - 35k -

Stefan Oefner beschäftigt sich mit der Ausbildung einer virtuosen Haltung, die z.B die Handgelenke entlasten soll. Die Handbgelenke beider Arme werden bei dieser Haltung normalerweise sehr wenig oder gar nicht angewinkelt. Die Gitarre wird mir Matten und den Beinen so sicher gehalten, dass beim Üben eines Stückes der linke Daumen wegelassen werden kann(virtuose Haltung).So findet man die optimale Stellung der Greifhand und vermeidet eine blockierende überspannte Haltung des Daumens. Man muß den Druck der linken Hand mit dem Körper auffangen und erhält so ein neues Gitarrengefühl. Jeder Griff stellt eine andere Einwirkung dar, die so direkt erfahren wird. Später wird für die Sicherheit der Daumen teilweise wieder mit dazugenommen. Dadurch das der rechte Arm nicht oder nur ganz leicht aufliegt ist die Kraftlinie zu den Fingern nicht blockiert, dass Spiel klingt freier, die Geschwindigkeit kann erhöht werden.

Fotos dazu sind in dem pdf des Links ganz oben

schöne Grüße!
Zuletzt geändert von Volker Schmitz am Mi 22.Mär 2006, 17:41, insgesamt 1-mal geändert.

Johannes
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Beitrag von Johannes » Do 16.Mär 2006, 17:16

Hallo Volker,

das Thema ist ja offensichtlich schon länger im Gespräch (ich habe noch nicht alle Beiträge gelesen).
Ich spiele mit Fußbank und habe, glücklicherweise, auch bei längerem Spielen (zwei, drei Stunden) keine Probleme mit Schmerzen in der Wirbelsäule oder im Bein. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zwar eine Stütze (allerdings eine Efel) im Regel liegen, sie aber noch nie benutzt habe.
Ist eigentlich das Dynarette-Kissen noch im Gespräch / irgendwo in Benutzung?

Vielen Dank für den Link! Ich habe den Aufsatz von Herrn Oefner runtergeladen und werde ihn mir mal in Ruhe durchlesen.

Viele Grüße
Johannes

LABG
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Beitrag von LABG » Fr 17.Mär 2006, 10:05

Hallo Johannes,

ich weiß nicht, ob andere Gitarristen das Dynarette-Kissen auch benutzen. Ich selber benutze es seit Jahren (eigentlich schon bevor ich von diesem Dynarette-Kissen gehört hatte. Ich bastelte mir vor zwanzig Jahren selber eins zusammen. Natürlich nicht so schön wie das Dynarette). Die Idee existiert ja schon seit ewig. Ich kann nur dazu sagen, dass so ein Kissen einfach die beste Art darstellt um Gitarre zu spielen. Die Körperhaltung bleibt gerade, wie bei den Klavierspielern, die Wirbelsäule wird nicht beansprucht, die Gitarre bleibt frei und man kann sie gut bewegen und das Instrument bleibt unbeschädigt (im Vergleich zu anderen Halte-Geräten, die die Lack der Gitarre beschädigen). Ich kann es nur empfehlen. Auch in den Fällen in den der Gitarrist die Gitarre ziemlich hoch stellt (also Hals fast senkrecht nach oben), kann man zum Kissen noch den Fußhocker benutzen. Natürlich nicht so hoch gestellt wie es normalerweise gemacht wird. Zum Kissen muss man sich natürlich (wie ich schon vorher in anderen Beitrag erwähnte) den passenden Stuhl oder Hocker aussuchen. Am besten einen harten Klavier-Hocker oder ähnlichen, den man in der Höhe verstellen kann.


Viele Grüße

LABG
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Santiago Marín XXX Anniversary 2005
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Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Fr 17.Mär 2006, 10:53

LABG hat geschrieben: Ich spielte vor Jahren stundenlang Gitarre und hatte noch nie Probleme mit meinem Rücken. Ich muss dazu sagen, dass ich natürlich regelmässig Sport getrieben habe und auch, dass ich nie länger als eine halbe Stunde gesessen bin ohne aufzustehen. Es ist gut, die Muskeln zu entspannen und einige einfache Übungen zu machen. Es muss ja nicht viel sein, manchmal reicht es grade, wenn man ein paar Schritte läuft und die Arme und Hände leicht durchschüttelt.

Viele Grüsse an alle

LABG
Vielen Dank LABG! Das ist auch etwas, was so viele Musiker vergessen: Ausgleichs - Sport!! Total wichtig für Leute, die stundenlang spielen.

Selbst die beste Haltung ist eben auch einseitig, und so was ist nie gut.

Das Dynarette- Kissen finde ich auch nicht schlecht, spiele aber selber gerne mit der Ergo - Play Stütze, da die Gitarre dadurch weniger Kontaktpunkte zu Stoff u.ä hat und wesentlich besser und freier klingt.
Schließlich schwingen ja auch Zargen und Boden mit.

Johannes
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Beitrag von Johannes » Sa 18.Mär 2006, 14:06

Hallo LABG,
also, ich glaube, ich werde die Dynarette doch demnächst mal ausprobieren (obwohl ich, wie gesagt, derzeit – noch – keine Schwierigkeiten habe). Ich gebe dann einen „Erfahrungsbericht“, wenn´s soweit ist. (Da muss man sich doch bestimmt auch erst mal dran gewöhnen?)
Zum Thema Stuhl: ich sitze auf einem Spezialhocker aus dem Bürostuhlbereich.
Der ist von unten (Bodenauflage ist nach allen Seiten beweglich) über die Säule (natürlich auch höhenverstellbar) bis zur gepolsterten Sitzfläche (die kann hin und her wippen) beweglich. Ich finde ihn ganz hervorragend.
Ich kenne auch Leute, die auf ihren Stuhl / Hocker ein Luftkissenpolster aufliegen haben.

*** Schnecke: Natürlich ist die Größe der Kontaktfläche ein Argument, aber mit der Dynarette ist sie doch auch nicht (wesentlich) größer als bei „normaler“ Haltung, oder?

Viele Grüße
Johannes

Schnecke
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Beitrag von Schnecke » Sa 18.Mär 2006, 23:18

Hallo Johannes,

wenn Du mit "normaler" Haltung die mit Fußbänkchen meinst, bei der die Gitarre auf dem Bein liegt, gibt es nicht viel Unterschied zu der mit dem Kissen. (was die Kontaktfläche betrifft)
Die Ergoplay Stütze wird mit drei Saugnäpfen an der Gitarre befestigt. Das ist dann die einzige Kontakfläche am unteren Zargenrand.

Der Vorteil bei der Stütze ist auch, dass ich die Mensurmitte in meine Körpermitte bringen kann, d.h. die Gitarre ist eher leicht nach rechts "verschoben" im Gegensatz zu anderen Haltungen. So wie es auch Abel Carlevaro in seinem Buch "Technik der Gitarre" schreibt, ist es günstiger, wenn der obere Teil der Gitarre sich eher an die rechte Oberkörperseite lehnt und nicht links, wie es viele tun.
Der zwölfte Bund liegt dann dort, wo sich das Brustbein befindet.

Legt man die Einbuchtung des Gitarren-Korpus auf das linke Bein, rutscht die Mitte der Mensur automatisch nach links, und der Körper des Gitarristen muss sich dem entsprechend drehen. Viele, vor allem spanische Gitarristen legen deshalb nicht die Einbuchtung der Gitarre auf das linke Bein, sondern die kleinere Ausbuchtung. Auch bei Pepe Romero habe ich dies beobachtet. Die Stützen, Kissen usw. gibt es ja noch nicht so lange, aber ich denke, dass sich davon einiges noch mehr etablieren wird.

liebe Grüße
Schnecke

gothic3
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Beitrag von gothic3 » Mo 20.Mär 2006, 1:55

ich find die Stellung con de lucia bequemer und lockerer. ICh soiele auch so wenn ich so vor mich hin spiele

Anna Nyma
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Beitrag von Anna Nyma » Di 21.Mär 2006, 10:54

Hallo, Johannes,
ich hab beides ausprobiert- Dynarette und Ergoplay. Persönliches Fazit: immer wieder reumütige Rückkehr zur ganz konservativen Methode mit Fussbänkchen. Nach meinen Erfahrungen lässt sich das Instrument mit keiner dieser Alternativen ebenso stabil und sicher halten.

Dynarette kommt manchmal zum Einsatz, wenn genug Zeit ist, lange zu üben: der Entlastungseffekt für die Wirbelsäule ist auf jeden Fall spürbar. Aber eigentlich ist (mir) das Formpolster auch in höchster Ausführung zu niedrig. Habe es wohl deshalb auch nie lange genug genutzt, um das Gefühl zu verlieren, da Balancierunterstützung geben zu müssen. Und die Kleiderordnung spielt damit plötzlich nicht mehr nur hinsichtlich kratzergefährdender Reißverschlüsse & Co. eine Rolle: auf glatten Materialien rutscht das Kissen leichter.

Ergoplay liegt seit der Testphase ungenutzt rum…
Hilfsmittelabhängige Klangunterschiede sind mir nicht aufgefallen.

Bei so verschiedenartigen Erfahrungen bleibt wohl wieder mal nichts anderes übrig als es selbst auf Tauglichkeit zu testen…
vG Anna

es335
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Beitrag von es335 » Di 21.Mär 2006, 11:34

Hallo Johannes,

ich kann Anna's Fazit nur bestätigen. Die Dynarette habe ich zwar noch nicht probiert, blicke aber auf fast ein Jahr mit der Ponticello Stütze zurück und habe vor kurzem noch einmal einen Versuch mit der Gitano unternommen. Der Entspannungseffekt ist zwar direkt spürbar, aber wenn ich die Gitarre dann wieder in klassischer Haltung "in die Arme schließe" weiß ich, daß mir keine andere Haltung dieses Spielgefühlt vermittelt.

Gruß es335
Sakurai-Kohno PR-JS
Alhambra 10c

Johannes
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Beitrag von Johannes » Di 21.Mär 2006, 14:31

Hallo, Ihr Lieben,

ich habe seit Schneckes Beitrag vom Samstag tatsächlich ein bisschen rumexperimentiert und meine Haltung betrachtet („analysiert“).
Ich habe auch (zum wiederholten Male) Carlevaros Abschnitt über die Sitzhaltung in der „Schule für Gitarre“ (erschienen bei Chanterelle, Nr. 716 --- Anna: auf´s Bücherbord!) durchgelesen. Carlevaro habe ich, glaube ich, immer noch nicht richtig verstanden. Das müsste ich mal live sehen.

Ich sitze ungefähr so, wie Scott Tennant es in Pumping Nylon beschreibt, die obere Ausbuchtung der Gitarre liegt bei mir etwa in der Mitte, Höhe Brustbein. Ich lege auch die untere Zarge nicht flach auf das rechte Bein (das Bein steht schon eher etwas nach hinten, aber nicht so dezidiert, wie es Carlevaro anscheinend möchte), sondern nur die Kante, insofern habe ich überhaupt keine flache Auflagestelle, denn auch auf dem linken Bein liegt wegen der leichten Neigung der Gitarre nur der Zargenrand auf.
Ich benutze übrigens seit langem ein rutschhemmendes Kunststofftuch auf beiden Beinen, das hält die Gitarre stabil.
Für mich war die wichtigste Verbesserung mein oben beschriebenes Sitzmöbel.

Soviel für jetzt. Es gibt Mittagessen …
Viele Grüße
Johannes

mambo

Beitrag von mambo » Sa 25.Mär 2006, 12:33

gelöscht
Zuletzt geändert von mambo am Di 28.Mär 2006, 22:47, insgesamt 1-mal geändert.

Tobias
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Beitrag von Tobias » So 26.Mär 2006, 12:56

Hallo in die große Runde,

ich sehe es fast auch so wie Gustaw etwas scherzhaft meinte: die jungen Leute wollen immer alles anders machen.
Die Wirbelsäule mag bei der Tarrega-Haltung durchaus belastet sein, sie ist es aber auch bei der PdL-Haltung. Bei der PdL-Haltung kommt aber noch viel schwerwiegender dazu, daß das Knie eine andauernde Seitwärtsbelastung aushalten muß und Venen des Unterschenkels des aufliegenden Beines abgedrückt werden.
Das Kissen dürfte wohl die gitarrenschonendste und körperfreundlichste Lösung sein.
Es kommt wohl darauf an, auf was man Wert legt: gute Körperhaltung oder einfaches Gitarrenspiel. Ich bin der Meinung, eine Gitarre läßt sich leichter spielen, wenn sie zwischen Oberkörper und Schenkel "eingespannt" ist. Wenn man das Kissen so weiterentwickeln könnte, würde man mich zum Kissen kriegen.
Gruß Tobias
Gitarre: Paulino Bernabe - Estudio E-6
Die Sprache der Musik kennt keine Grenzen.