Geschwindigkeit steigern

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
Schnecke
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Geschwindigkeit steigern

Beitrag von Schnecke » Di 27.Dez 2005, 14:21

Hallo Leute,

lässt sich die Spielgeschwindigkeit tatsächlich steigern, in dem man das zu spielende, zB. Apreggio, wiederholt, wiederholt, wiederholt? Mit Metronom, oder lieber ohne?

Wo sind die Grenzen? Wie sieht es mit Unsauberkeiten aus?

Ich habe mir meinen Nickname nicht grundlos gegeben: ich habe echt das Gefühl, ich gehöre zu den Menschen, die einfach nicht "schnell" können. Jedenfalls nicht schnell genug. Muss ich mich wohl damit abfinden? :cry:

Ich habe schon (so meine ich jedenfalls) eine recht gute Technik (kleine Wege, ruhige Hände). Trotzdem will mein Tremolo einfach nicht schneller werden bis zur Alhambra- Reife. :chitarrista: :(
Liegt es an meinem niedrigen Ruhepuls (58 Schläge/min)? :zzz: :aide:

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Di 27.Dez 2005, 14:42

Hallo Schnecke,

immer langsam! Schneller wird's von selbst. Ich würd's ohne Metronom steigern, das macht nur Stress. Zum Tremolo: versuch mal eine Handstellung mit leicht zum Steg hin gedrehter Hand, so dass die Finger in schrägem Winkel über die Saiten gehen, also nicht in rechtem Winkel. Aber ich bin nicht wirklich der Tremolo-Spezialist :( .

Gustaw

jahro
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Beitrag von jahro » Di 27.Dez 2005, 17:53

Hallo Schnecke,

als das mit dem Ruhepuls hat keine Auswirkung.
Meiner ist ziemlich hoch (trotz Marathon-Erfahrung) und ich krieg bestimmte Tempi auch nicht hin.

Ich denke, dass man mit etwas Geduld (und natürlich Übung) das Tempo nach und nach steigern wird.

Das braucht halt seine Zeit.

Ich verwende übrigens die 120 Studien für die rechte Hand von
Guiliani um meiner rechten Hand etwas mehr Geschwindigkeit zu entlocken.
Und es wirkt.

Liebe Grüsse
jahro

zorolowski
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Beitrag von zorolowski » Di 27.Dez 2005, 18:06

Hallo Schnecke,

nur Geduld. Auch wenn Du viel übst, braucht es seine Zeit. :chaud: Wie schnell es geht, ist auch individuell sehr unterschiedlich. Bei mir hat 's auch was länger gedauert. Ich bin zwar nicht so schnell wie Naciso Yepes, aber für den Hausgebrauch reicht es (und mein Ruhepuls ist auch meist unter 60).

Gruß
Zorolowski

cornwallfan
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Re: Geschwindigkeit steigern

Beitrag von cornwallfan » Di 27.Dez 2005, 19:41

Schnecke hat geschrieben: Ich habe mir meinen Nickname nicht grundlos gegeben: ich habe echt das Gefühl, ich gehöre zu den Menschen, die einfach nicht "schnell" können. Jedenfalls nicht schnell genug. Muss ich mich wohl damit abfinden? :cry:
Hallo Schnecke,

so, wie du das hier schreibst, habe ich ja fast den Verdacht, du siehst deine individuelle Geschwindigkeit als Makel :shock: Das ist aber nach meinem Empfinden nicht schön.

Qualität geht ja nicht zwangsläufig mit Geschwindigkeit einher: was nützt die rasante rechte Hand mit Tremolofähigkeit, wenn links jeder Wechsel an eine Querfeldeinfahrt erinnert (wie sagt Gustaw so wunderbar bildhaft: wenn Akkordwechsel nicht unfallfrei vonstatten gehen :D ). Wichtiger finde ich mittlerweile (früher, mit Stromgitarre, war ich auch ein Speedfan, - bis ich mal auf einem Leihverstärker mit glasklarem Sound, ohne Verzerrung spielen mußte, - das macht demütig!), Augenmerk auf Sauberkeit/Ausdruck bei jedem einzelnen Ton zu legen. Zumindest arbeite ich daran...
Zudem glaube ich daran, dass die Geschwindigkeit sich von selbst einstellt.
Das ist doch in anderen Bereichen des Lebens auch so 8)

Viele Grüße,
Andreas

PS: An dieser Stelle empfehle ich ausdrücklich Sten Nadolny´s Kultroman "Die Entdeckung der Langsamkeit". Nachdem ichs gelesen hatte, habe ich vieles in Hinblick auf Schnelligkeit und Lebensqualität mit anderen Augen gesehen.

j.list
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Beitrag von j.list » Mi 28.Dez 2005, 15:03

Hallo Schnecke,
Sicher kann man auch ohne Metronom schnell werden, aber mit ist es viel viel leichter!! Gleichzeitig lernst Du auch eine Geschwindigkeit konstant beizuhalten, was für das "Laufen" eines Stückes wichtig ist. Ohne Metronom merkst du kaum, wie du an bestimmten Stellen unbewusst langsamer wirst. Lange Passagen mit Läufen oder Arpeggien wirken schneller (und flüssiger) wenn du sie mit gleichmässiger Geschwindigkeit spielst und Du hast ein Maß für deinen Fortschritt. Also keine Angst vorm Metronom!
Gruß j.list

Anna Nyma
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Re: Geschwindigkeit steigern

Beitrag von Anna Nyma » Do 29.Dez 2005, 13:05

Schnecke hat geschrieben:Liegt es an meinem niedrigen Ruhepuls (58 Schläge/min)?
Hallo, Schnecke,
diese Annahme stimmt ganz definitiv nicht! Ansteuerung der Fingermuskulatur und Herzfrequenzregulierung funktionieren auf sehr unterschiedlichem Weg. Spitzensportler haben in der Regel einen sehr niedrigen Ruhepuls –und die können ja ihre Gliedmaßen meist ausgesprochen fix bewegen. Beste Voraussetzungen also…

Läufe, Arpeggien, Tremolo – den methodischen Ansatz würde ich auf die spezielle Situation zuschneiden. Dir geht’s hauptsächlich um Alhambra & Co.?
Hast Du es schon mal mit Verschiebung der Zuordnung Zählzeit – Ausführungsfinger probiert?
Soll heißen: Tremolotraining auf nur einer Saite mit
1. II: p- a- m- i :II
2. II: i- p- a- m :II
3. II: m- i- p- a :II
4. II: a- m- i- p :II
Eigentlich ist es immer der gleiche Bewegungsablauf, nur im Kopf muss was passieren und die „1“ jeweils in Zusammenhang mit der Bewegung eines anderen Fingers gedacht werden. Da lauern echte Stolperfallen, die gnadenlos zeigen, wo wirklich ein Problem liegt.
Temposteigerung erst dann, wenn
- bei langsamer Ausführung absolut gleiche Abstände zwischen den Anschlägen unabhängig vom „Führungsfinger“ erreicht werden können
- und der Klang keine Auskunft mehr darüber gibt, ob ihn der gewaltige Daumen oder der eher schwächliche Ringfinger erzeugt hat.
Metronomeinsatz würde ich an dieser Stelle nur zur Erfolgskontrolle im Vorher- Nachher- Geschwindigkeitsvergleich nutzen.
Geduld erfordert allerdings auch dieser Weg …

Und, selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Scottie Tennant bietet in seinem „Pumping Nylon“ noch jede Menge anderer vertrauenswürdiger Ideen für Wege zu mehr Schnelligkeit für fast jede Situation- incl. Giuliani- Studien für die rechte Hand.

Bin ja gespannt, wann Du Deinen Nicknamen wechselst! Obwohl ich’s schade finden würde, hab’ mich so daran gewöhnt…
Lieber Gruß- komm gut ins Neue Jahr :bye: !
wünscht Dir eine, die im vergangenen Jahr fast nur Stücke im Schlafliedtempo gespielt hat und wahrscheinlich ähnliche Ziele verfolgt wie Du -
Anna

coolman
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Re: Geschwindigkeit steigern

Beitrag von coolman » Do 29.Dez 2005, 14:08

Liebe Schnecke!
Schnecke hat geschrieben:lässt sich die Spielgeschwindigkeit tatsächlich steigern, in dem man das zu spielende, zB. Apreggio, wiederholt, wiederholt, wiederholt? Mit Metronom, oder lieber ohne?
Meiner Erfahrung entsprechend ist es so. Je länger/öfter du etwas übst desto leichter fällt es dir und damit wird auch automatisch die Geschwindigkeit höher. Für Geschwindigkeitsübungen würde ich den Metronom auch nur ab und an als Erfolgsmesser benutzen.
Schnecke hat geschrieben:Wo sind die Grenzen? Wie sieht es mit Unsauberkeiten aus?
Die Grenzen sind letztendlich wohl physikalischer Natur, aber es gibt fast immer noch einen Kniff (andere Handhaltung (siehe Gustaw),....) mit dem man noch etwas mehr 'rausholen kann. Dennoch ist irgendwann Schluß. Wo das ist, ist für jeden individuell verschieden.
Meiner bescheidenen Meinung nach ist es ganz wichtig die Geschwindigkeit so zu wählen, dass man diese das ganze Stück sauber durchhalten kann. Ich finde auch schnelle Stücke klingen so besser als wenn man mit Gewalt und vielen Fehlern versucht sie im "Originaltempo" zu spielen.
Schnecke hat geschrieben:Ich habe mir meinen Nickname nicht grundlos gegeben: ich habe echt das Gefühl, ich gehöre zu den Menschen, die einfach nicht "schnell" können. Jedenfalls nicht schnell genug. Muss ich mich wohl damit abfinden? :cry:


Ich finde deinen Nickname super und hoffe du behältst ihn auch bei, wenn du eines Tages wie der "Nurmi" spielst ;-)
Wenn es nach der Geschwindigkeit gehen würde bräuchte ich noch einen ganz anderen Nickname ;-)
Es ist auf jeden Fall kein Grund zum Verzweifeln, wenn du nicht ganz so schnell bist wie Yepes und Konsorten.... Die üben ja auch täglich 6-8 Stunden!
Schnecke hat geschrieben:Ich habe schon (so meine ich jedenfalls) eine recht gute Technik (kleine Wege, ruhige Hände). Trotzdem will mein Tremolo einfach nicht schneller werden bis zur Alhambra- Reife. :chitarrista: :(
Liegt es an meinem niedrigen Ruhepuls (58 Schläge/min)? :zzz: :aide:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das am Ruhepuls liegt!
Mit "Geduld und Spucke" schaffst du deine "A-Reife" sicher, davon bin ich überzeugt.
Auf jeden Fall solltest du nicht mit Gewalt versuchen Rekorde zu brechen. Lass die Geschwindigkeit einfach von selber kommen! 8)

lg
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Beitrag von Schnecke » Fr 30.Dez 2005, 21:56

Hallo Ihr Lieben!

Danke für alle guten Tipps, und ein ganz großes DANKE :merci: für den Mut, den Ihr mir macht!

:D Jetzt habe ich wieder mehr Motivation und hoffe sehr, Euch später mal meinen Alhambra posten zu können. (Ich muss auch erst noch rausfinden, wie ich das technisch machen muss).

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fernseher

Beitrag von klausifischer » So 01.Jan 2006, 21:21

ich übe immer vorm fernseher und spiel das einfach so schnell wie grad die musik im fernsehen ist.

coolman
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Beitrag von coolman » So 01.Jan 2006, 21:32

Hallo Schnecke!
Schnecke hat geschrieben: :D Jetzt habe ich wieder mehr Motivation und hoffe sehr, Euch später mal meinen Alhambra posten zu können. (Ich muss auch erst noch rausfinden, wie ich das technisch machen muss).
Ok, wenn du Alhambra gepostet hast, dann kannst du dich auf "RennSchnecke" umtaufen :lol: :lol: :lol:

lg
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Re: fernseher

Beitrag von coolman » So 01.Jan 2006, 21:34

Hallo Klausifischer!
klausifischer hat geschrieben:ich übe immer vorm fernseher und spiel das einfach so schnell wie grad die musik im fernsehen ist.
Ich würde vorschlagen du schaltest den Fernseher mal ganz schnell aus!
Hier gehts nämlich um Qualität und nicht um "Speed" ;-)

lg
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Re: fernseher

Beitrag von Schnecke » Mo 02.Jan 2006, 17:56

coolman hat geschrieben: Ich würde vorschlagen du schaltest den Fernseher mal ganz schnell aus!
Hier gehts nämlich um Qualität und nicht um "Speed" ;-)lg
coolman
Das meine ich aber auch! "Irgendwie" schnelll kann ich auch!

Ich zähle mich aber eher zu den Klang-Ästheten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so lange brauche, um meine Spielgeschwindigkeit zu steigern.

Für mich ist die Gitarre ein Musikinsinstrument und kein Akrobatengerät.

Dank Eurer Hilfe bin ich jetzt wieder auf dem richtigen Weg (hoffentlich)

jahro
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Beitrag von jahro » Fr 06.Jan 2006, 23:48

Hallo klausifischer,

meine Forumskollegen habe es Dir ja bereits gesagt.
Das vor dem Fernseher wird nix.

Ich habe solche Tipps auch schon in diversen Gitarrenbüchern gesehen.
Gerade Dein Namenskollege (Peter Fischer, diverse Bücher zum Thema E-Gitarre) propagiert das sinnlose herumnudeln (mehr ist es leider nicht) vor dem Fernseher.

Dies ist meines Erachtens kompletter Blödsinn :evil:.
Wenn man sinnvoll Gitarre üben will, dann sollte man dies auch mit voller
Konzentration durchführen.
Nur so ist effektives Üben möglich.

Du kannst vielleicht Deine Geschwindigkeit durch Gedudel vor dem
Ferhseher erhöhen, aber dies ist eher eine Sportübung (wie @Schnecke schon anmerkte) als musizieren.

Also vergiss diesen Ansatz bitte schnell wieder.

Über lieber (zeitlich weniger), dafür aber konzertriert.
Das ist auf Dauer wesentlich effektiver.

vlg jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

Bernhard
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Beitrag von Bernhard » Sa 07.Jan 2006, 0:18

hallo

ich ich hab leider die klassischen Techniken nicht von der Pike aus gelernt, da mich etwas andere Musikstile zur Gitarre brachten.
Meine Art, schnell zu klimpern, beschränkt sich daher auf:
P,M,I,P,M.I...(leider fürs Klassische eher selten geeignet)
Etwas kann ich auch M,I,M,I...
Nicht kann ich A,M,I,A,M,I...
Aber es geht auch ohne.