Schaller-Scheit und andere alte Gitarrenschulen

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
sebastian
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Schaller-Scheit und andere alte Gitarrenschulen

Beitrag von sebastian » Sa 07.Jan 2006, 0:15

Liebe Leute,

in Musikantiquariaten stoße ich immer wieder auf alte Gitarrenschulen, die mir zum Teil interessante Übungen zu enthalten scheinen. Nun weiß ich auch, dass die Spieltechnik der Gitarre nicht stehen geblieben ist und deshalb ältere Schulen nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sind. Meine Kenntnisse reichen noch nicht aus, um sie richtig kompetent beurteilen zu können, deshalb bitte ich euch um sachkundigen Rat:

Was denkt ihr von folgenden Schulen?

- Schaller-Scheit: Lehrwerk für die Gitarre, 5 Hefte
- Henze: Das Gitarrespiel

...

Vielen Dank sagt

Sebastian :guitare: :guitare:

Bernhard
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Beitrag von Bernhard » Sa 07.Jan 2006, 0:33

Hallo Sebastian,

die beiden Gitarrenschulen kenne ich zwar nicht, aber wenn du an so was interessiert bist, schau mal in Dirk Meineke`s Seite rein, unter http://dirk.meineke.free.fr/misc/compan ... guitar.pdf
findest du noch so´n Schmöker zum kostenlosen Download.

Tschau,
Bernhard

j.list
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Beitrag von j.list » Sa 07.Jan 2006, 19:28

Die Schule von Scheidt ist ganz ordentlich, wenn man sie günstig bekommt, lohnt sich die Anschaffung
Gruß j.list

coolman
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Beitrag von coolman » Di 17.Jan 2006, 21:07

Lieber Sebastian!

Die Grundtechnik ist eigentlich weitgehend seit 100 Jahren gleich geblieben. Deshalb ist es durchaus legitim eine alte Schule (zB. Scheidt) zu benutzen um das Gitarrespiel grundsätzlich zu erlernen!

lg
coolman
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es335
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Beitrag von es335 » Mi 18.Jan 2006, 14:17

Hallo Sebastian,

für den Anfang läßt sich mit den meisten Schulen meist ordentlich arbeiten, auch wenn sich die Schwerpunkte meist geringfügig unterscheiden. Da ist dann auch Schaller-Scheit noch durchaus akzeptabel.
Wenn es im etwas fortgeschrittenen Stadium dann um den Aufbau von Technik geht, dann kenne ich nichts bessere als Pumpin Nylon von Scott Tennant. Weiß nicht ob es davon eine deutsche Ausgabe gibt, aber die überschaubaren Fachbegriffe kriegt man auch so übersetzt.
Eine zielsichere und pragmatischere Technikschule habe ich noch nicht zwischen den Fingern/Saiten gehabt.

jahro
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Beitrag von jahro » Mi 18.Jan 2006, 15:01

Hallo ES335,

erstmal herzlich Willkommen im Forum (War ja dein erster Beitrag)
Das Technikbuch von Scott Tennant gibt es auch in
deutsch und dort sogar mit Tabulaturen (wer's braucht)

Das Tennant-Buch ist wirklich Klasse für fortgeschrittene Spieler,
wobei Scott auch Dinge anspricht, welche für den Einsteiger (Haltung)
relevant sind.

Ich bin zur Zeit an seiner DVD (und bin begeistert).

Wobei ich als Technik-Buch gerade für Einsteiger
dieses hier wärmstens ans Herz legen kann.
Unabhängig, welche Schule man einsetzt.
Bei Einsteiger würde ich es auf alle Fälle "Pumping Nylon" vorziehen.

"Pumping Nylon" zielt meines Erachtens mehr auf fortgeschrittene Spieler,
und dies dann aber in einer phantastischen Weise.

Viele Grüsse
jahro
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

es335
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Beitrag von es335 » Mi 18.Jan 2006, 15:12

Hallo jahro,

danke für den netten Willkommensgruß und den Link auf die Technikschule von Fabian Payr. Wie der Zufall es will, werde ich ihn zu Pfingsten diesen Jahres auf einem Gitarrenkurs in der Toskana kennenlernen. Da war dein Hinweis nicht uninteressant.
Bringt die DVD von Scott Tennant über das Buch hinaus noch weitere Informationen/Übungen, oder ist es nur (eine sicher interessante) Visualisierung des bestehenden Materials?

Gruß es335

jahro
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Beitrag von jahro » Mi 18.Jan 2006, 15:24

Hallo es335,

Interessant, dass Du Fabian Payr treffen wirst.
Sein Technikbuch hat es mir wirklich angetan (bestell Ihm Grüsse :wink:).

Jetzt zu Pumping Nylon.

Wenn ich das Video komplett durch habe, werde ich
einen Extra-Thread darüber posten.

Ich bin jetzt bis zur Hälfte durch.
Gerade, die Haltungs- und Anschlagssachen sind sehr anschaulich
erläutert. Das bekommnt man in einem Buch so nicht hin.

Bis jetzt würde ich sagen, dass man (vorausgesetzt man mag auch das Buch) diese DVD gut als Ergänzung kaufen kann (wobei der Preis stolz ist).

Ausserdem spielt Scott noch 2 komplette Stücke

- The Frog Gaillard (John Dowland) und
- Recuerdos de la Alhambra (Francisco Tarrega)

Themen der DVD sind im wesentliche die aus dem Buch.

Wie gesagt, in 1 bis 2 Tagen werd ich hierzu was ausführlicheres Posten.

Bis dann jahro

p.s. Es wäre toll, wenn Du Dich noch hier vorstellen könntest.
Gitarren:
CUENCA 60P
AMALIO BURGUET "LUNA El Mediterraneo"
Ortega M5

aläx
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Beitrag von aläx » Mi 18.Jan 2006, 21:49

Hallo Sebastian

Ich habe selbst mit der Carcassi- Schule das Gitarrenspiel begonnen und im nachhinein kann ich sagen, dass es sich hier um ein sehr gutes Lehrwerk handelt.
Ich kenne auch die neuen Schulen von Käppel, Kreidler oder Teuchert. Ich persönlich finde dass jede dieser Schulen etwas gutes hat aber keine perfekt ist.
In den alten Schulen hast du naturgemäß keine moderne Spielliteratur. Was aber die technische Seite betrifft kannst du mit Aguado Etüden oder Legnani Capricen ebenfalls auf höchstes Niveau kommen. Ich finde, dass alte Schulen mit mehr Methodik verfasst wurden. Zum Beispiel widmet sich Carcassi jeder einezelnen Lage und jeder Tonart. Die Übungen für die rechte Hand sind systematisch aufgebaut was ich bei modernen Gitarrenschulen oft vermisse.
Zu deiner Ausgangsfrage kann ich dir nur sagen, das ich das Lehrwerk von Schaller nicht komplett kenne aber soweit ich weiss ist es in Ordnung.
Die Gitarrenschule von Henze umfasst meines Wissens 14 Bände wobei ganze Bände sich nur dem Solo- Trio oder Duospiel widmen (z.B. Band 13 ist für Duos, Band 14 für Trios).
Ich bin selbst ein Notensammler und kaufe viel in Antiquariaten schon rein aus Interesse.
Was die Schulen betrifft.
Wenn ich heute Untericht geben würde wären sicher einige Dinge aus den alten Schulen dabei weil ich eben finde dass diese Schulen mehr Systematik aufweisen.
Einzig und Allein das Spielmaterial ist eben "veraltet".

tschau Aläx

fonky
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Beitrag von fonky » Fr 27.Jan 2006, 3:29

Hallo Sebastian :)
Möchte mich mal dem Aläx weitestgehend anschließen:)

Ich denke DIE Gitarrenschule gibt es nicht. Hängt von so vielen Faktoren ab. Grundlegend erstmal die Überlegung was will man eigentlich erreichen?...
Wie alt ist der Schüler und in welchem Lernstadium ist er? etc etc ...
Ich meine damit, Motivation erreicht man nicht unbedingt mit einem einzigen Lernheft, insbesondere wenn es sehr trocken und theoretisch ist. Wenn mein ehemaliger Lehrer nicht auch immer wieder mit Kopien und ganz anderem Material gekommen wäre, hätte ich den Gitarrenunterricht bestimmt nach 6 Monaten wieder hingeschmissen.

Ich denke, und das werden bestimmt die meisten hier kennen die schon viele Jahre Gitarre spielen, dass es irgendwie ein Sammelsurium an Material ist aus dem man sich individuell etwas herraussucht was einem liegt, was man versteht und was einem gefällt.
Dazu können natürlich auch uralte Schulen gehören..und wenn sie teilweise auch nur dazu dienen sich Gedanken zu machen, oder mal zu schmunzeln wie sich so das eine oder andere verändert hat.

Ich besitze mittlerweile Regale von irgendwelchen Schulen und Lernheften jeglichen Alters, auch wenns nur mal 2 Seiten sind die mich weitergebracht haben, das ist es mir Wert :)
Ich muß zugeben eine komplette Schule habe ich selten mal so ganz duchgearbeitet, vielleicht ein Fehler, aber jeder hat ja so seinen eigenen Lernstil.
(hmm als Gitarrenlehrer hab ichs dann schon gemacht *denk*)

Naja jedenfalls hab ich als Lehrer auch aus vielen Schulen individuell auf die oder denjenigen etwas zugeschnitten, wo ich vermutet habe das es Sinnvoll ist und vorallem motiviert :)

LG Fonky