Tremolo

Greifen, Anschlag, Haltung und Methoden ... das Klassenzimmer sozusagen
prinzessineugenie
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Tremolo

Beitrag von prinzessineugenie » Mi 11.Jan 2006, 18:47

Hallo Ihr alle,
ich schreibe meine Diplomarbeit mit dem Thema "Untersuchungen zur Tremolotechnik auf der Konzertgitarre".
Wisst Ihr jemanden, der schon etwas darüber geschrieben hat, oder wo/ wie ich an Informationen bzgl. des Themas komme?
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand antworten würde...
Viele Grüße,
prinzessineugenie :D

lautenist
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Beitrag von lautenist » Fr 13.Jan 2006, 13:29

Hallo Prinzesschen!

Die Tremolotechnik fand in die klassische Gitarrentechnik nach meinen Infos "offiziell" Einzug durch Tarrega, der also ein ganz brauchbarer Ansatzpunkt ist. Da habe ich durch Zufall auch eine Studie in einem Link gefunden, der auf Ms. Prattens (?) Tarregamanuskript verweist (Google halt mal oder schau Dir hier die Linkempfehlungen an).

Eine gute Untersuchung sollte vielleicht auch noch etwas früher ansetzen - bei Mertz finden sich kleine "Tremolopassagen" (zum Beispiel in der Tarantelle in den Bardenklängen, gibt's auch als Duo mit Terzgitarre). Was die ersten Schulen von Sor, Coste und Aguado sagen weiss ich leider nicht auswendig. Dass Sor Tremolo lehrt kann ich mir allerdings kaum vorstellen (Sor kam in der RH ja sehr von der Lautentechnik).

Spannend ist, dass sich Tremolo schon in alten Lautentabulaturen finden. Eine Dowlandfantasie hat einen schönen ausgedehnten Tremoloteil. J.B.Hagen hat eine schöne Tremolovariation zu seinen Locatellivariationen hinzugefügt und auch Scheidler benutzt es in seinen Mozartvariationen. Will sagen - die Technik als solche ist schon ziemlich alt, auch wenn die Einführung in die Gitarrentechnik gemeinhin Tarrega zugesprochen wird.

Ein weiterer Strang, der vielleicht zu verfolgen wäre, ist die mögliche Herkunft aus der Folklore - damit meine ich das 5-Finger-Tremolo der Flamencos. Ich bin mir aber nicht sicher, wann das Tremolo in den Flamenco kam: Sabica (?) ist ja erst aus den 20ern und damit nach Tarrega.

Wenn Du die Beispiele aus der Lautenmusik oder die von Mertz brauchst, sag bitte Bescheid - da kann ich Auszüge schicken.

Literaturempfehlungen kann ich leider nicht geben, da ich hier auf der Schaff keine Literatur greifbar habe.

Beste Grüsse udn viel Erfolg bei der Suche vom
Lautenisten

prinzessineugenie
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Beitrag von prinzessineugenie » Sa 14.Jan 2006, 12:11

Hallo lautenist,
vielen Dank für Deine Antwort und die guten Tipps!
Es wäre ganz toll, wenn Du mir die Mertz Auszüge und die aus der Lautenmusik mailen könntest.
Weißt Du vielleicht auch von methodischen Ansätzen (jetzt mal von Pujol, Tennant abgesehen)?
Herzliche Grüße und vielen Dank für Deine Mühen,
Prinzessineugenie

Gustaw
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Beitrag von Gustaw » Sa 14.Jan 2006, 13:26

Hallo Prinzessineugenie,
wozu soviel Dateien durch die Kabel senden?
Guck doch mal hier rein: Goldgrube

Gustaw

aläx
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Beitrag von aläx » Mo 16.Jan 2006, 21:58

Hallo Prinzessin

Das Thema Tremolotechnik ist sehr vielschichtig.
Ich bin z.B. Klassiker und verwende eher die Flamencotechnik im Bereich Tremolo, das heisst ich spiele nicht pami sondern piami. Das mach ich deshalb weil das bessere Ergebnisse liefert, zumindest bei mir.
Ich habe schon einige Lehrbücher studiert wegen Tremolo aber keines hat mir geholfen außer der Studie Alhambra von Tarrega.
Ich kenne auch nur wenige Gitarristen die ein überzeugendes Tremolo haben (z.B. Pepe und Angel Romeroaber auch Yepes). Vielmehr kenne viele Weltklassegitarristen die ein "schreckliches" Tremolo haben (z.B. Eliot Fisk).

Wenn du weitere Informationen möchtest dann sag bescheid und vor Allem hör dir Aufnahmen von Pepe Romereo an denn dann hast du pefektes Tremolo

tschau Aläx

coolman
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Beitrag von coolman » Di 17.Jan 2006, 20:36

Liebe prinzessineugenie!

Ich glaube es gibt zZt. zwei Arten des Tremolo-Spiels.
Einmal die "Standartmethode" wo pami gespielt wird und einmal die von Yepes eingeführte wo [pa]mim[pa]mim (4-fach Tremolo) gespielt wird.

Wobei das zweitere zwar naturgemäß sehr gleichmäßig klingt. Ich bin aber nicht überzeugt davon ob es musikalisch auch wirklich korrekt ist.
Ich meine Tarrega währe sehr wohl in der Lage gewesen auch dieses Tremolo zu spielen. Er hat es aber, wie ich meine, aus musikalischen Gründen nicht getan. Man soll eben irgendwie doch merken, dass hier etwas passiert und nicht nur ein "Maschinengewehr" im Hintergrund hören.

lg
coolman
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lautenist
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Beitrag von lautenist » Di 17.Jan 2006, 21:02

coolman hat geschrieben:Liebe prinzessineugenie!

Ich glaube es gibt zZt. zwei Arten des Tremolo-Spiels.
Einmal die "Standartmethode" wo pami gespielt wird und einmal die von Yepes eingeführte wo [pa]mim[pa]mim (4-fach Tremolo) gespielt wird.

Wobei das zweitere zwar naturgemäß sehr gleichmäßig klingt.
Hi Coolman!

Letztere Aussage stimmt nicht so recht. Das Flamenco-Tremolo klingt aufgrund der Bewegungsabläufe immer etwas unsauber und stockend (Höre Dir Paco de Lucia an!). Ein Pamim wirst Du niemals nicht so sauber hinbekommen wie das "klassische" Tremolo.
Das Ganze hat wohl physiologische Ursachen - hat mir weiland mein Gitarrenlehrer am Kons erklärt, aber das müsste ich vorführen oder viiiiiiiiiiiiiiiiel zu weit ausholen - und meine Bio-Kenntnisse sind nicht mehr ganz so frisch. Da würde das für mich recht mühsam :-)

Grüsse vom
Lautenist

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Beitrag von coolman » Di 17.Jan 2006, 21:16

Hallo Lautenist!
lautenist hat geschrieben:
coolman hat geschrieben:Liebe prinzessineugenie!

Ich glaube es gibt zZt. zwei Arten des Tremolo-Spiels.
Einmal die "Standartmethode" wo pami gespielt wird und einmal die von Yepes eingeführte wo [pa]mim[pa]mim (4-fach Tremolo) gespielt wird.

Wobei das zweitere zwar naturgemäß sehr gleichmäßig klingt.
Hi Coolman!

Letztere Aussage stimmt nicht so recht. Das Flamenco-Tremolo klingt aufgrund der Bewegungsabläufe immer etwas unsauber und stockend (Höre Dir Paco de Lucia an!). Ein Pamim wirst Du niemals nicht so sauber hinbekommen wie das "klassische" Tremolo.
Das Ganze hat wohl physiologische Ursachen - hat mir weiland mein Gitarrenlehrer am Kons erklärt, aber das müsste ich vorführen oder viiiiiiiiiiiiiiiiel zu weit ausholen - und meine Bio-Kenntnisse sind nicht mehr ganz so frisch. Da würde das für mich recht mühsam :-)

Grüsse vom
Lautenist
Eben diese Bewegungsabläufe sind es die ich meine. Yepes spielt p und a gleichzeitig. Dh. das Tremolo geht ohne Unterbrechung durch. Es bedeutet allerdings auch, dass m mit doppelter Frequenz gezupft werden muß, was natürlich nicht jedermann's Sache ist bzw. sehr viel Übung braucht ;-)
Hör' dir einfach mal 'ne Aufnahme von ihm an, dann wirst du verstehen was ich meine!

Ob das aber musikalisch richtig ist lasse ich dahingestellt!

lg
coolman
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lautenist
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Beitrag von lautenist » Mi 18.Jan 2006, 10:05

coolman hat geschrieben:Hallo Lautenist!
Eben diese Bewegungsabläufe sind es die ich meine. Yepes spielt p und a gleichzeitig. Dh. das Tremolo geht ohne Unterbrechung durch. Es bedeutet allerdings auch, dass m mit doppelter Frequenz gezupft werden muß, was natürlich nicht jedermann's Sache ist bzw. sehr viel Übung braucht ;-)
Hör' dir einfach mal 'ne Aufnahme von ihm an, dann wirst du verstehen was ich meine!
Hi!

Ich habe zwar mal eine Platte von Yepes gehört, aber nicht sein Tremolo. Dass man das auch mit p-a zusammen spielen kann ist auf der einen Seite klar auf der anderen eben physiologischer und vor allem musikalischer Quatsch. Das Tremolo wird dadurch nur unwesentlich besser im Sinn von "gleichmässig".
Ich hatte mich auf die gängigen, in Genres bewährten Tremolotechniken p-a-m-i für Klassiker oder p-i-a-m-i für Flamencos wobei letzteres nur dann "besser" wäre, wenn der Grundbeat gleich bliebe, also letzten Endes mehr Töne pro Zeiteinheit angeschlagen würden. Das ist aber schwer möglich, weil:
Der Bewegungsablauf ist beim Flamenco nicht so natürlich wie der beim Klassischen. Eine Faust hat jeder schon einmal gemacht (simplifiziert der Bewegungsablauf bei einem Rasguado = "öffnen der Faust" bzw. Tremolo = "Schliessen der Faust") und das lässt sich deutlich besser koordinieren als der Bewegungsablauf beim Flamencotremolo.
Nicht umsonst etabliert sich das klassische Tremolo auch im Flamenco.

Grüsse vom
Lautenist
Zuletzt geändert von lautenist am Mi 18.Jan 2006, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.

lautenist
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Beitrag von lautenist » Mi 18.Jan 2006, 10:07

noch nen Link zum Flamenco-Tremolo:
http://www.graf-martinez.de/flamenco-gi ... emolo.html

vom Lautenist

prinzessineugenie
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Tremolo

Beitrag von prinzessineugenie » Di 24.Jan 2006, 13:05

Hallo Lautenist,
Warum ist der Ablauf p-a-m-i ergonomischer, als andersherum, also p-i-m-a?
Liebe Grüße.
prinzessineugenie

lautenist
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Re: Tremolo

Beitrag von lautenist » Di 24.Jan 2006, 13:40

prinzessineugenie hat geschrieben:Hallo Lautenist,
Warum ist der Ablauf p-a-m-i ergonomischer, als andersherum, also p-i-m-a?
Liebe Grüße.
prinzessineugenie
Hallo Prinzesschen!

Das hängt mit physiologischen Gegebenheiten zusammen: Die Kontraktion von Muskeln und Sehnen läuft etwas besser. Ein Selbstversuch wird es Dir sicher schnell verdeutlichen (die Faust macht Du in der Regel von aussen also von a aus zu).

Grüsse vom
Lautenisten

Bernd C. Hoffmann
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Re: Tremolo

Beitrag von Bernd C. Hoffmann » Fr 10.Feb 2006, 19:04

prinzessineugenie hat geschrieben:Hallo Ihr alle,
ich schreibe meine Diplomarbeit mit dem Thema "Untersuchungen zur Tremolotechnik auf der Konzertgitarre".
Wisst Ihr jemanden, der schon etwas darüber geschrieben hat, oder wo/ wie ich an Informationen bzgl. des Themas komme?
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand antworten würde...
Viele Grüße,
prinzessineugenie :D
Hallo Prinzessin,

hoffentlich kommt mein Beitrag nicht zu spat.

vorab: Das 5er Tremolo wurd durch Ramón Montoya in den Flamenco eingeführt.

Einen Link zu einer ganz aktuellen Diskussion mit animierten Fotos findest Du im Forum von Gitarre Hamburg unter dem Titel "tremolo speed". Hier der direkte Link: http://www.gitarrehamburg.de/phpBB2/vie ... php?t=1297

Viel Spaß
Bernd
Liebe Grüße
Bernd